Als der Betrug aufflog, war der Schaden längst angerichtet. Ein Schaden von 170 Millionen Franken, den 2500 Geschädigte erlitten haben. Sie haben ihr Geld der Fricktaler Investmentfirma ASE anvertraut – und einen Grossteil davon verloren. Der ehemalige Geschäftsführer wurde dafür im Dezember zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.
Der Betrugsskandal, der schweizweit für Aufsehen sorgte, hat auch strafrechtliche Folgen für die Frau des Ex-Geschäftsführers. Im Juni musste sie in Laufenburg selbst vor dem Bezirksgericht erscheinen. Ihr wird Geldwäscherei vorgeworfen, weil sie eine Luxusuhr verkaufte, die sie von ihrem Mann geschenkt bekommen hatte. Eine Omega Ladymatic, 18 Karat Roségold, Zifferblatt aus Perlmutt-Diamanten für 14 400 Franken.

Inzwischen liegt das schriftliche Urteil vor. Demnach hat sich die Frau der Geldwäscherei schuldig gemacht. Verurteilt wurde sie zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 120 Franken. Die sichergestellten 14 400 Franken, die aus dem Verkauf der Uhr stammen, erhält sie nicht zurück.
Am Prozess sagte die Beschuldigte, sie sei sich keiner Schuld bewusst. Ihr Anwalt forderte einen Freispruch und argumentierte, es sei nicht bewiesen, dass die Uhr mit «deliktischem Geld» bezahlt worden sei. Gerichtspräsident Beat Ackle kommt allerdings zu einem anderen Schluss. Der Gewinn der Firma ASE sei «deliktisch kontaminiert». Es sei davon auszugehen, dass dies auch auf jenen Betrag zutreffe, den der Geschäftsführer für die Luxusuhr ausgegeben hat.

Entscheidend dafür, ob Geldwäscherei vorliegt oder nicht, ist aber nicht nur die Herkunft des Geldes, sondern auch die Frage, ob die Person wusste, dass dieses von einem Verbrechen herrührt oder dies zumindest annehmen musste. Gerichtspräsident Ackle kommt zum Schluss: Die Frau hätte davon wissen müssen – auch ohne detaillierte Kenntnisse über das Schneeballsystem. Anzeichen dafür, dass ihr Mann in Vermögensdelikte verwickelt gewesen ist, habe es zum Zeitpunkt des Verkaufs der Uhr bereits gegeben. Sie habe Geld gebraucht, weil ihr Konto gesperrt worden sei, sagt Ackle. Und sie sei unter Druck gestanden. Dies wirkte sich mildernd auf das Strafmass aus: Anzahl und Höhe der Tagessätze sind tiefer, als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Weil keine der Parteien Berufung eingelegt hat, ist das Urteil inzwischen rechtskräftig.

Anders liegt der Fall beim Verfahren gegen ihren Mann. Der Ex-Geschäftsführer der ASE Investment hat das erstinstanzliche Urteil angefochten. Das Aargauer Obergericht wird darüber entscheiden müssen. Wann, steht noch nicht fest. «Frühestens im nächsten Jahr kommt es zur Berufungsverhandlung», sagt Oberrichter Matthias Lindner.
Die Frist für die Anschlussberufung, die von den rund 700 Privatklägern und der Staatsanwaltschaft eingereicht werden könnte, ist in den meisten Fällen abgelaufen. Einzelne hätten bereits von ihrem Recht Gebrauch gemacht, bestätigt Lindner. Das heisst: Beide Seiten sind mit dem erstinstanzlichen Urteil unzufrieden.

Kommt der Ex-Chef bald frei?

Der Verteidiger des Hauptbeschuldigten hat unter anderem in Bezug auf das Strafmass Berufung eingelegt. Zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilte ihn das Bezirksgericht Laufenburg. Trotzdem könnte der Ex-Geschäftsführer schon vor der Verhandlung am Obergericht freikommen. Nach Verbüssen von zwei Dritteln der Strafe ist eine bedingte Entlassung möglich. Im Fall des Hauptbeschuldigten bedeutet dies: Er könnte bereits im nächsten Frühjahr einen entsprechenden Antrag stellen. Dann sitzt er seit sechs Jahren hinter Gittern – erst in Untersuchungshaft, seit Februar 2015 im vorzeitigen Strafvollzug.