Rheinfelden

Gegen geplantes Kieswerk regt sich Widerstand: «Naherholungsgebiet wird zerstört»

Im Gebiet Untere Rütenen betreibt der Baustoffhersteller Holcim bereits eine Kiesgrube. Nun plant das Unternehmen zwischen Rheinfelden und Möhlin eine weitere Grube sowie ein Kieswerk.

Im Gebiet Untere Rütenen betreibt der Baustoffhersteller Holcim bereits eine Kiesgrube. Nun plant das Unternehmen zwischen Rheinfelden und Möhlin eine weitere Grube sowie ein Kieswerk.

Die Stadt Rheinfelden und das Unternehmen Holcim planen ein neues Abbaugebiet. Die FDP- und SVP-Vorstände sprechen sich für den Abbau aus. Doch es formiert sich auch Widerstand: Die GLP Rheinfelden lehnt das Kiesabbau-Projekt «Grossgrüt» ab.

Für den Bau von Siedlungen und Strassen benötigt der Kanton Aargau rund drei Millionen Kubikmeter Kies pro Jahr. Seit 2015 baut die Holcim AG im Gebiet Untere Rütenen in Rheinfelden Kies ab. Um die Versorgung in der Region langfristig sicherzustellen, plant die Holcim AG den Bau eines Kieswerkes im alten Abbaugebiet Chleigrüt. Zudem will das Unternehmen im benachbarten Gebiet Grossgrüt bis schätzungsweise bis zum Jahr 2046 Kies abbauen, nachdem der Kiesabbau im Gebiet Untere Rütenen abgeschlossen ist.

«Wir haben kürzlich mit der Stadt Rheinfelden den Dienstbarkeitsvertrag über das Kiesabbaugebiet ausgehandelt», sagt Salome Ramseier, Kommunikationsleiterin der Holcim AG. Der Vertrag gilt als Basis für die weitere Ausarbeitung des Projekts und wird den Versammlungen der Ortsbürger- und Einwohnergemeinde am 11. und 13. Juni zur Abstimmung vorgelegt.

Stève Piaget, Vorstandsmitglied der GLP des Bezirkes Rheinfelden und Vorstand im Natur- und Vogelschutzverein Rheinfelden, lehnt das Projekt aus ökologischen Gründen ab. «Eines der letzten Natur- und Naherholungsgebiete in Rheinfelden würde dadurch zerstört werden», sagt er und schiebt nach: «Das Projekt braucht das ganze ‹Chleigrüt›, ‹Grossgrüt› und eventuell auch noch die ‹Neumatt›. Eine Fläche drei- bis fünfmal so gross wie die ganze Altstadt.»

CVP stellt Fragen

Piaget führt auch ökonomische Gründe gegen den Kiesabbau ins Feld. So sei die Wertschöpfung eines Kieswerkes für die Stadt sehr tief, weil es kaum stimulierende Effekte auf die Wirtschaft habe. «Ein Kieswerk generiert keine Aufträge. Weder für unsere Handwerker, das Baunebengewerbe, für die IT, Versicherungen, den Detailhandel oder den Tourismus», so Piaget.

Dazu käme, dass um den Bahnhof Möhlin auf Rheinfelder Boden ein Entwicklungsschwerpunkt für Wohnbauten geplant sei. Die Qualität der Wohnlage würde substanziell gemindert, wenn anstelle einer intakten Landschaft ein lärmendes und staubendes Kieswerk in der Nachbarschaft stünde. «Entsprechend tiefer wären die Mieten und schlussendlich die Steuereinnahmen», sagt Piaget.

Im Gegensatz zur GLP lässt es die CVP noch offen, wie sie sich an der Gemeindeversammlung zum Kiesabbau positionieren wird. «Wir werden zum Projekt Anfragen an den Stadtrat stellen und anhand der Antworten Ende Mai einen Beschluss fassen», sagt Patrick Burgherr, Ortsparteipräsident ad interim. Eine Frage wird unter anderem sein: Werden die Staub- und Lärmemissionen so klein wie möglich ausfallen. Grundsätzlich befürwortet es Burgherr aus verkehrstechnischer Sicht, Kies in der Region abzubauen, anstatt diesen von weither anliefern zu lassen.

«Eine ökologisch gute Lösung»

Daniel Vulliamy, Präsident SVP Ortssektion, betrachtet das Projekt als eine «ökologisch gute Lösung» für den Kiesabbau in der Region. Es verbinde Wirtschaftlichkeit mit Nachhaltigkeit. «Benötigte Rohstoffe können in der Region gefördert und gebraucht werden, wodurch Kosten und Transporte reduziert werden», führt er aus. Der SVP sei es wichtig, dass grosser Wert auf die Beachtung des Grundwasserschutzes und des Wildtierkorridors im Projekt-Gebiet gelegt werde. «Die Lösung dieser Punkte muss im Rahmen des Umweltverträglichkeitsberichtes aufgezeigt werden», sagt Vulliamy.

FDP-Stadtparteipräsident Christoph von Büren betont, dass die Kies-Herkunftsgebiete ausserhalb des Fricktals alle relativ weit entfernt lägen und dadurch unnötiger Zusatzverkehr auf den bereits überlasteten Strassen entstünde. «Die Aufgabe der Kies-Herstellung in den nächsten 30 bis 50 Jahren hat das Fricktal selbst zu lösen», sagt von Büren und schiebt nach: «Eine Politik nach dem St. Florians-Prinzip lehnen wir entschieden ab. Deshalb stimmen wir dem Projekt zu.»

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