«Keine Sorge, die Türen gehen wieder auf», sagt Silvia Bircher mit einem Lachen und zieht die schwere Tür ganz zu. Ein Thermometer zeigt minus 23 Grad. Und das ist erst der Vorraum.

Bircher zieht den Reisverschluss an der Jacke ganz hoch und geht durch eine weitere schwere Tür voraus in den Kühlraum. Hier reiht sich Kühlfach an Kühlfach. Hinter den dicken Holzgittern stapeln sich eingefrorene Bohnen, Konfi- und Einmachgläser, Hackfleisch-Beutel, Würste, Erd- und Heidelbeeren, vieles ist fein säuberlich beschriftet.

158 Kühlfächer sind in dem Raum gleich neben dem ehemaligen «Milchhüsli» am Wölflinswiler Dorfplatz eingerichtet. Gebaut wurden sie mit der Milchsammelstelle und dem Schlachthaus 1958 von der Milchgenossenschaft.

Auch die damalige landwirtschaftliche Genossenschaft und die Viehversicherung beteiligten sich am Bau. «Damals hatten die wenigsten Leute eigene Gefriertruhen oder -schränke zu Hause», sagt Bircher. Sie ist als Kassierin der Milchgenossenschaft seit über 20 Jahren für die Vermietung der Gefrierfächer zuständig, Karl Lenzin kümmert sich um den Unterhalt der Kühlanlage.

Fleisch und Gartengemüse

Auch nach der Schliessung des «Milchhüslis» im Frühling 2013 blieben die Fächer bestehen. Heute, 60 Jahre nach ihrem Bau, sind die öffentlichen Gefrierfächer noch immer gefragt – obwohl die meisten Fricktaler wohl mindestens ein Gefrierfach im Kühlschrank zu Hause haben.

Die mietbaren Fächer fassen zwischen 100 und 300 Litern und kosten jährlich zwischen 50 und 150 Franken. Die Mieter der Fächer kommen hauptsächlich aus Wölflinswil und Oberhof, aber auch von etwas weiter her, etwa aus Frick oder Küttigen.

Es sind heute zum Beispiel Störmetzger aus der Region, die grössere Mengen Fleisch in den Gefrierfächern lagern. Oder Landwirte, die Ware für die Eigenvermarktung im Hofladen frischhalten.

Es gibt aber auch Leute mit einem grossen Garten, die viel Gemüse ernten können und es länger haltbar machen wollen. Deshalb gäbe es auch saisonale Schwankungen bei der Nachfrage nach Fächern, sagt Bircher. «Sie steigt erfahrungsgemäss im Herbst nach der Gartenernte.»

Sinkende Nachfrage

Je nachdem stosse man mit einem herkömmlichen Gefrierfach zu Hause an die Grenzen, sagt Bircher. Statt dann eine zusätzliche Kühltruhe zu kaufen, kann ein Gefrierfach gemietet werden. So macht es auch Bircher selber.

Sie kennt es, wenn das Gefrierfach zu Hause nicht ausreicht. Deshalb behält sie nur zu Hause, was die Familie regelmässig braucht. Etwa das Brot, das die Landwirtin selber bäckt. Was hingegen länger eingelagert wird, kommt ins Fach beim «Milchhüsli». Es sei eine Frage der Planung, sagt Bircher. «Statt einkaufen zu gehen, kann ich auch beim Gefrierfach vorbeigehen.»

Silvia Bircher erinnert sich, dass zeitweise gar eine Warteliste für die Gefrierfächer hatte geführt werden müssen. Die Nachfrage ist allerdings leicht gesunken. Derzeit sind knapp 20 Fächer frei. «Die junge Generation kennt das Angebot zu wenig», sagt Bircher.

Deshalb gehe es derzeit darum, die Gefrierfächer wieder bekannter zu machen. Über die öffentlichen Publikationen der Gemeinde machte die Milchgenossenschaft kürzlich darauf aufmerksam. Weitere Werbeaktionen sollen folgen.