Fricktal

Gefahr durch neues Spitalgesetz: «Wenn wir uns nicht wehren, stehen die Regionalspitäler vor dem Aus»

Christian Fricker konnte am Gemeindeseminar Regierungsrätin Franziska Roth, Barbara Hürlimann (Leiterin Abteilung Gesundheit) sowie die GZF-Führung mit Katharina Hirt und Anneliese Seiler (v.l.) begrüssen.

Christian Fricker konnte am Gemeindeseminar Regierungsrätin Franziska Roth, Barbara Hürlimann (Leiterin Abteilung Gesundheit) sowie die GZF-Führung mit Katharina Hirt und Anneliese Seiler (v.l.) begrüssen.

Das Gesundheitszentrum Fricktal kämpft gegen die Zentralisierung von Leistungen – und braucht Unterstützung.

Rund eine Stunde referierten Anneliese Seiler, CEO des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF) und GZF-Verwaltungsratspräsidentin Katharina Hirt vor den Fricktaler Gemeindevertretern am Gemeindeseminar. Länger als im Programm vorgesehen – und kämpferisch. «Immer am Ball» lautete das Motto ihres Referats und Hirt zeigte darin auf, welche Anstrengungen das GZF mit seinen beiden Spitälern Laufenburg und Rheinfelden in den letzten Jahren unternommen hat, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Sie verwies darauf, dass man mit der Tagesklinik schon in den 1990er-Jahren eine wichtige Weichenstellung in Richtung ambulanter Strukturen vorgenommen habe. Sie betonte, das GZF habe schon früh Schwerpunkte gesetzt und verfüge über wertvolle Kooperationen mit Partnern im Aargau und in Basel.

Im Hinblick auf die gesundheitspolitischen Anforderungen, die das neue Spitalgesetz, das sich derzeit in der Vernehmlassung befindet, stellt, weise das Gesundheitszentrum Fricktal «einen extrem hohen Erfüllungsgrad» auf, sagte Anneliese Seiler. Und dennoch bereitet diese Totalrevision der GZF-Führung grosse Sorgen.

Ein Grund dafür ist die «Vision Spitallandschaft 2035». Sie sieht vor, die Regionalspitäler in Gesundheitszentren umzuwandeln. Deren Leistungsangebot soll künftig «die Sicherstellung der stationären (medizinischen) Grundversorgung in der Akutsomatik» beinhalten, wie es im Anhörungsbericht heisst. Hinzu kämen schwergewichtig ambulante Leistungen in den drei Bereichen Akutsomatik, Psychiatrie und Rehabilitation.

Appell an die Politik

«Damit würde unsere Strategie vom Kanton vorbestimmt», so Seiler. «Das geht so nicht. Wir sind ein eigenständiges Unternehmen.» Zumal dieses Businessmodell für das GZF keinen Sinn mache, da es in Rheinfelden bereits ein breites Reha- und Psychiatrie-Angebot in unmittelbarer Nähe gebe. Auch dass die Patienten für die spezialisierte Versorgung in Zentrums- oder Universitätsspitäler gehen sollen, wie es im Anhörungsbericht ebenfalls heisst, sorgt bei Seiler für Unmut.

Dieser Passus müsse gestrichen werden, sagte sie. Bereits jetzt könnten nur gerade 23 von 118 spezialisierten Leistungsgruppen «mit geringer Infrastruktur bei hoher Qualität in den regionalen Häusern erbracht werden», so Seiler. Eine weitere Konzentration bringe für den Kanton deshalb kaum mehr Einsparungspotenzial. «Aber wir brauchen diese Fälle, um ausgelastet zu sein.»

Der Laufenburger Vizeammann Meinrad Schraner sprach in der anschliessenden Diskussion denn auch von einem «düsteren Bild», das Hirt und Seiler gezeichnet hätten, sollte das Spitalgesetz mit den Rahmenbedingungen aus der Vernehmlassung in Kraft treten. Wie auch Grossrätin Kathrin Hasler rief er die anwesenden Politiker auf, für das Gesundheitszentrum Fricktal zu kämpfen.

Ein Aufruf, den die GZF-Verantwortlichen gerne hörten. «Wir suchen politische Unterstützung», sagte Katharina Hirt. Und Anneliese Seiler doppelte nach: «Wenn wir uns nicht wehren, stehen die Regionalspitäler vor dem Aus.» Der Regierungsrat werde zwar keine Spitäler aktiv schliessen, «aber irgendwann können wir nicht mehr bestehen.»

Was gehört zur Grundversorgung?

Damit nahm Seiler Bezug auf die Referate von Regierungsrätin Franziska Roth und Barbara Hürlimann, Leiterin Abteilung Gesundheit. Diese hatten die Herausforderungen des Gesundheitswesens im Aargau skizziert und aktuelle Projekte vorgestellt – sich aber dann zum Bedauern der Anwesenden vor dem GZF-Referat verabschiedet.

In einer kurzen Fragerunde hatte Roth zuvor noch betont: «Wir haben keine Schliessungspläne für Regionalspitäler in der Schublade.» Die Nähe der Spitäler zur Bevölkerung sei wichtig. Auch Hürlimann äusserte sich optimistisch: «Es wird weiterhin ein gutes Gesamtpaket für das Fricktal vorhanden sein.»

Wie dieses aussieht, wird sich ein erstes Mal zeigen, wenn der Regierungsrat im Juni die neuen Spitallisten bekannt gibt. Deutlich wurde gestern, das viel davon abhängt, wie die Grundversorgung definiert wird.

Danach fragte Grossrat Daniel Suter. Barbara Hürlimann hielt sich in ihrer Antwort allgemein: «Die Grundversorgung soll abdecken, was häufig ist.» Das Gesundheitsdepartement habe aber den Katalog gegenüber der Ausschreibung für die Spitalliste nochmals überarbeitet und erweitert. Dies werde die GZF-Leitung freuen, so Hürlimann.

Tatsächlich rechnete Anneliese Seiler später vor, dass das GZF bei der ursprünglichen Grundversorgungsdefinition rund 1000 stationäre Fälle verlieren würde. Dies entspräche einem Umsatz-Rückgang von rund 13 Millionen Franken. Den überarbeiteten Katalog kennt Seiler noch nicht. Er sei nicht im Dialog mit den Spitälern entstanden, sagt sie. «Ich werde nächste Woche mehr erfahren.»

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

Meistgesehen

Artboard 1