Laufenburg

Gefährliches Unterfangen: Als sechs Männer den Laufen bezwangen

Blick vom Schweizer Ufer nach Laufenburg (Baden), aufgenommen im April 1911.

Blick vom Schweizer Ufer nach Laufenburg (Baden), aufgenommen im April 1911.

1911 fuhren sechs Männer im offenen Weidling durch die gefährliche Stromschnelle im Rhein bei Laufenburg.

Es klingt wie ein Märchen aus alten Zeiten, was einige Laufenburger an einem Sonntag im April 1911 gewagt haben: Sie durchfuhren auf einem Weidling die Stromschnelle unter dem Brückenbogen zwischen badischem Ufer und Mittelpfeiler. Obwohl es nicht angekündigt war, hatten offensichtlich etliche von dem Vorhaben erfahren und schauten erwartungsvoll vom Ufer und von der Brücke zu.

Die Engstelle im Rhein bei Laufenburg zu durchfahren, davon wurde dringend abgeraten. Unglücksfälle aus Leichtsinn, aus Übermut und aus Versehen mit tödlichem Ausgang waren genügend bekannt.

Die Schiffe von Zurzach, von Stilli und Zürich nach Basel mussten oberhalb des Laufens beim heutigen Sennhof auf Schweizer Seite anlegen, sie wurden dort ausgeladen und die Fracht mit Fuhrwerken an der Stadt vorbei transportiert bis zum Gelände beim heutigen Kraftwerk, wo man die Weidlinge wieder beladen konnte.

Bis dahin hatten der Steuermann auf dem Schiff und die Laufenknechte, die zu dritt auf beiden Seiten mit langen Seilen den Weidling hielten, die Boote durch die Stromschnelle geleitet.

Das Ende des Laufens stand kurz bevor

Nun veränderte sich das alles, denn seit 1908 baute die Aktiengesellschaft Kraftwerk Laufenburg ein Stauwerk im Schäffigen von Ufer zu Ufer, verbreiterte den Flusslauf in der Enge und sprengte Ende Oktober 1910 die gefürchtete Rote Fluh, ein Felsbrocken gleich hinter dem Laufen.

Im folgenden Jahr wurde in diesem Zusammenhang eine neue Rheinbrücke geschaffen, die heutige zweibogige Laufenbrücke. In der Engstelle waren auf der Schweizer Seite schon etliche Klippen weggesprengt und der Felsen unter der Brücke schon ausgehöhlt.

Das Ende des eigentlichen Laufens stand also bevor. Da wollten sechs Fischer und Schiffsleute von der naturgegebenen Situation, von der Stromschnelle Abschied nehmen. Sie beschlossen, noch einmal mit einem flachen Flussboot, mit einem Weidling, durchzufahren mit «keckem Mut», wie es in einem alten Zeitungsbericht heisst.

Es waren drei Salmenfischer, die Schweizer Karl Grether und Friedrich Schmid und Adolf «Götti» Rueb aus Kleinlaufenburg, ein gelernter Bootsbauer. Zudem waren Emil Lörtscher, Otto Amsler und Giuseppe Bellini Teil der Gruppe, erfahrene Schiffsführer der Aarauer Baufirma Zschokke, die das Kraftwerk und die Uferbefestigungen erbauten. Rueb und Grether führten die Steuer, Schmid und Bellini die Ruder, während die zwei anderen vorne auf dem Weidling standen.

Polizei untersagt eine Wiederholung

Das Wagnis der «Laufenfahrt» gelang zum Glück dank der glänzenden Zusammenarbeit. «Am grossen Strudel starrte ihnen ein gewaltiger Wasserberg entgegen, der Schiff und Mann zu bedecken drohte. Eine Sprühwelle übergoss den vordersten der Schiffer und durchnässte ihn bis auf die Haut.

Mit Blitzesschnelligkeit wurde das Schiff emporgehoben, gesenkt und wieder gehoben – mit einer Gewalt, die für den Augenblick menschliche Kraft völlig nutzlos machte. Unterhalb des ‹Pfauen› gewann das glückhafte Schiff das linke Rheinufer.»

Nach diesem Zeitungsbericht konnten die sechs mutigen Männer beim Rhytörli in der Badstube an Land gehen. Eine Wiederholung dieser gefährlichen Fahrt am Montag wurde jedoch von der Polizei und der Bauleitung untersagt.

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