Jaaaaaammmm. Das Geräusch hallt noch in den Ohren nach, während der Verursacher, ein Motorradfahrer – grüne Kawasaki, Sportauspuff, schwarzes Lederkombi, AG-Kennzeichen – schon um die nächste Kurve davon wieselt. Jjjjjjjjaamm. Schon wieder einer, allerdings mit deutlich kleinerem Hubraum, was sich am höheren Geräusch – man kann auch sagen: am Jjjjj-Effekt ablesen lässt.

14 Motorradfahrer überholen uns – Cabrio, Sonnenbrille, Sonnenschutz, sonntäglicher Ausfahrtsmodus – auf der knapp 30 Kilometer langen Strecke durch den Schwarzwald nach Todtmoos, gut die Hälfte davon mit Schweizer Kontrollschildern. Der Schwarzwald ist gerade bei vielen Fricktaler Motorradfahrern eine beliebte Strecke, denn er bietet das, was im Mittelland fehlt: kurvige Bergstrecken. Dass man da den Blick auf den Tacho auch mal vergessen kann, dass man abtaucht in eine ganz eigene Welt – ich weiss es aus eigener Erfahrung.

Dennoch: 3 der 14 Überholmanöver vom letzten Sonntag hätte ich selber so nicht gewagt. Weil die Geschwindigkeit doch arg überhöht war; weil das Manöver an unübersichtlicher Stelle – sprich: in einer Kurve ohne Sicht um die Kurve – erfolgt ist; weil der Motorradfahrer doch reichlich eng am Auto vorbeiziehen musste, weil auf der Gegenfahrbahn ein anderes Auto nahte.

Drei Schweizer verunfallt

Dass sich das Töffparadies Schwarzwald schnell auch in eine Töfffalle verwandeln kann, zeigte sich gerade an diesem Sonntag wieder. Ein 45-jähriger Schweizer verunglückte am Sonntag bei Laufenburg tödlich, zwei weitere Motorradfahrer aus der Schweiz stürzten nur wenige Kilometer entfernt. Der eine, 29-jährig, verletzte sich dabei schwer. Nur Stunden später zog sich am Feldberg ein Motorradfahrer schwere Verletzungen zu; ob auch er aus der Schweiz stammt, geht aus der Polizeimeldung nicht hervor. In zwei Unfälle am Montag ist je ein Töff- und ein Rollerfahrer involviert.

Insgesamt haben sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Freiburg in diesem Jahr in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach, Emmendingen, Waldshut sowie dem Stadtkreis Freiburg bereits 507 Unfälle ereignet, in die Krafträder involviert waren. Zu den Krafträdern zählen alle Arten von motorisierten Zweirädern, neben Motorrädern also beispielsweise auch grössere Roller. Die meisten dieser Unfälle – rund 300 – ereigneten sich dabei im Schwarzwald.

In gut jeden achten Unfall (65) war ein Schweizer Motorradfahrer verwickelt, wie Mathias Albicker von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Freiburg für die AZ nachgerechnet hat. Drei Schweizer verloren in diesem Jahr bei Motorradunfällen im Einzugsgebiet der Freiburger Polizei bereits ihr Leben. Das ist ein Drittel aller Motorrad-Todesopfer, die in diesem Jahr zu beklagen sind. Insgesamt liefen 163 der 507 Unfälle nicht glimpflich ab – die Motorradfahrer, darunter auch etliche Schweizer, verletzten sich bei den Stürzen zum Teil schwer.

Tempo als Hauptunfallursache

Die Annahme, der Traumsommer 18 habe zu mehr Motorradunfällen als in den Vorjahren geführt, kann Albicker indes nicht bestätigen. Die Zahl schwanke zwar, sei über die letzten Jahre aber ähnlich. Bei den tödlichen Unfällen sei nach einem kleinen Rückgang im letzten Jahr in diesem Jahr wieder «ein leichter Anstieg zu erwarten, aber unter dem dreijährigen Mittel bleibend».

Jaaaaaammmm. Der Eindruck, dass viele Töfffahrer (zu) schnell unterwegs sind, bestätigt auch ein Blick in die Unfallstatistik. An jedem dritten Unfall ist die (überhöhte) Geschwindigkeit schuld, zwölf Prozent der Unfälle werden durch einen Vorfahrtsverstoss verursacht. In je neun Prozent wird das Rechtsfahrgebot oder der Sicherheitsabstand nicht eingehalten und 16 Prozent sind laut Albicker auf «individuelle Fehler des Fahrzeugführers» zurückzuführen.

Jaaaaaammmm. Auch für den kommenden Sonntag sind die Wetterprognosen vielversprechend. Leichte Bewölkung bei 24 Grad. Ideales Töffwetter. Wir wünschen eine gute, unfallfreie Fahrt!