Gastronomie
Die Gäste sind wieder da – aber: Gilt das auch für die Mitarbeitenden?

Haben Angestellte, durch monatelange Lohneinbussen frustriert, der Gastrobranche den Rücken gekehrt? Fricktaler Beizer machen da unterschiedliche Erfahrungen. Und sie wissen: Wir müssen kreativ sein – denn die Personalprobleme sind älter als die Pandemie.

Hans Christof Wagner
Merken
Drucken
Teilen
Jörg Lenzin vom «Ochsen» in Wölflinswil freut sich, dass alle seine Angestellten wieder bei ihm arbeiten.

Jörg Lenzin vom «Ochsen» in Wölflinswil freut sich, dass alle seine Angestellten wieder bei ihm arbeiten.

Bild: Dennis Kalt (10. Oktober 2018)

Die Beizen dürfen nach fünf Monaten Zwangspause wieder aufmachen – aber haben sie auch das notwendige Personal, um die Gäste zu bedienen? Lassen sich die Beschäftigten einfach so wieder zurückholen? Oder stehen sie gar nicht mehr zur Verfügung?

Bei der Bäckerei Kunz mit Filialen in Frick, Stein, Eiken und Gipf-Oberfrick entfällt auf den Café- und Mittagessenbetrieb laut Geschäftsführer und Mitinhaber Michael Bracher knapp ein Drittel des Umsatzes. Bracher bestätigt:

«Wir konnten das Stammteam halten, aber wir müssen leider auch ein paar Abgänge verschmerzen.»

Entlassen worden sei zwar niemand. Aber fast ein halbes Jahr in der Kurzarbeit zu verharren mit nur rund 80 Prozent des vorherigen Lohns sei für manche auch existenziell herausfordernd gewesen. Bracher sagt:

«Mitarbeitende in der Gastronomie sind eben keine Hochverdiener. Da machen 20 Prozent Einbussen schon etwas aus.»

Branka und Marcel Geiger vom Gasthaus Sonnenberg in Möhlin müssen aktuell für eine Teilzeitkraft, die nicht mehr da ist, Ersatz suchen. Sie sind aber froh, dass drei Mitarbeitende mit je einem 100-Prozent-Pensum seit der Wiedereröffnung erneut zur Verfügung stehen. Während des Lockdowns bot das Gasthaus zweimal in der Woche Take-away an. Aber den reduzierten Betrieb konnte das Inhaberpaar weitgehend alleine stemmen. Für die Angestellten hiess es, zu Hause bleiben.

Verlust der lukrativen Trinkgelder kommt hinzu

Dass sie jetzt trotz der Einbussen während der Kurzarbeit und des Verlusts der lukrativen Trinkgelder bei der Stange geblieben sind, führt Marcel Geiger auf das «harmonische Miteinander» zurück, das seinen Betrieb kennzeichne. Ein Angestellter stehe schon seit 20 Jahren auf der Lohnliste, ein zweiter seit zehn. Geiger freut sich über die Treue seiner Leute und die geringe Fluktuation. Beides kam ihm jetzt zugute. Jörg Lenzin, Wirt vom Landgasthof Ochsen in Wölflinswil, teilt mit:

«Mein 24-köpfiges Mitarbeiterteam ist komplett im Einsatz, seit wir am Dienstag, 1. Juni, wieder aufgemacht haben. Abgesprungen ist keiner.»

Es sei gelungen, für alle eine Kurzarbeitslösung zu erreichen und durch Ferien- und Überzeitabbau teils 100 Prozent weiterzuzahlen.

Michael Bracher ist Mitinhaber der Kunz AG in Frick.

Michael Bracher ist Mitinhaber der Kunz AG in Frick.

Bild: Thomas Wehrli (17. März 2020)

Bracher sagt: «Wir sind aktuell dabei, die Teams neu aufzustellen und zum Courant normal zurückkehren.» Lenzin hat zwar sein Team beisammen. Doch das heisst nicht, dass er nicht auch auf Mitarbeiter-Suche wäre. Jobs als Restaurationsfachmann/frau sind auch auf seiner Website aufgeschaltet. Stellen als Servicefachangestellte hat Bracher ausgeschrieben. Die Rückmeldungen auf die Inserate sind für beide «durchzogen». Wochenenddienste seien eben «nicht so beliebt», weiss Lenzin. An den umsatzstarken Samstagen und Sonntagen will auch er nicht rütteln. Und doch versucht er, den Gastro-Job attraktiver zu machen – mit einer Arbeitswoche, die nur noch vier Tage umfasst statt fünf wie noch vor Corona.