Fricktaler Restaurants

Gastronomen suchen Lösungen für Corona-Winter: «Bei Heizpilzen bekommen die Gäste kalte Füsse»

Philipp Weiss und Martina Welti prüfen, ob sie im Aussenbereich des «Fricks Monti» Heizpilze aufstellen wollen.

Philipp Weiss und Martina Welti prüfen, ob sie im Aussenbereich des «Fricks Monti» Heizpilze aufstellen wollen.

Heizpilze gegen die Coronaflaute? Fricktaler Wirte sehen darin Chancen und Probleme.

Der Regierungsrat will den Gastronomen für den kommenden Winter erlauben, dauerhaft Heizpilze im Freien zu betreiben. Ausserdem sollen sie neu auf keine Baubewilligung mehr warten müssen, wenn sie ein Zelt aufstellen wollen. Das alles soll gegen die Coronaflaute helfen (AZ von gestern).

Das Feldschlösschen- Restaurant in Rheinfelden hat schon im Oktober ein Zelt aufgestellt. 40 Personen bietet es Platz und wird laut Geschäftsführer Simon Hiltpold an den Wochenenden gut frequentiert. Beheizt ist es auch, aber nicht mit mobilen Pilzen, sondern mit einer fest installierten Ölheizung. Zusätzlich die Terrasse des Restaurants mit den in aller Regel gasbetriebenen Pilzen auszustatten, kann sich Hiltpold vorstellen.

Er sagt: «Ich denke schon, dass mehr Leute kämen, wenn sie draussen sitzen können.» Wichtig sei, die Gäste mit grossen Abständen zueinander zu bewirten. Das nehme den Leuten die Ängste davor, sich in der Gastronomie anzustecken. Da sei «psychologisch besser».

Dass die Nachfrage nach Plätzen draussen steigt und höher ist als in Novembertagen vergangener Jahre, bemerkt Richard Graf, Inhaber und Geschäftsführer von Café Graf in Rheinfelden: «Ich denke schon, dass das mit Corona zu tun hat.» Seine Terrasse, die mit den Coronaschutzbestimmungen derzeit 100 Plätze bietet, wird er dennoch nicht mit Heizpilzen versehen. «Das ist für uns im Moment kein Thema.» Graf sieht auch logistische Probleme in deren Betrieb: Mitarbeiter müssten ein Auge darauf haben, sie bei Bedarf ein- und ausschalten, darauf achten, dass «sie nicht laufen und es sitzt niemand dort».

25 Schaffelle auf der ­Rheinfelder Terrasse

Wer draussen sitzen möchte, müsse sich eben warm anziehen, so der Gastronom, der berichtet, dass es derlei Heizpilze nicht einmal in Skigebieten gebe. Trotzdem: Auch Graf hat jüngst Geld investiert dafür, dass es seine Gäste kuscheliger haben. Er hat 25 Schaffelle besorgt, die auf der Terrasse für die Gäste bereitliegen.

Kurt Treier, Wirt des Gasthauses zur Blume in Magden, hätte sogar noch zwei Heizpilze im Lager, die er in früheren Jahren einmal für einen Fondue-Anlass benutzt hat. Er sagt aber: «Die Heizpilze jetzt wieder hervorzuholen, kommt für mich nicht in Frage.» Grundsätzlich finde er den Vorstoss des Regierungsrats sehr gut. Für seinen Betrieb aber schränkt er ein: «Wir haben drin schon genug Platz. Wir brauchen nicht noch ein Zelt zusätzlich.» Und: «Je mehr Betrieb im Freien, umso mehr beschweren sich Anwohner über den Lärm.»

Platz ist schon genug ­vorhanden ­

«Wir brauchen nicht mehr Platz, wir brauchen mehr Gäste», bringt es Jörg Lenzin vom Landgasthof Ochsen in Wölflinswil auf den Punkt. Dass es im Winter unter einem Heizpilz gemütlich sei, sieht er nicht: «Da bekommen die Gäste trotzdem kalte Füsse.» Dass Heizpilze und Zelte die Menschen wieder in Scharen in die Beizen locken, glaubt er zudem nicht. Dafür sei die Zurückhaltung, befeuert von Appellen der Politik, zu Hause zu bleiben, zu gross.

Ob der Kauf oder die Miete von Heizpilzen sich auszahle, sei völlig offen. Ökologisch hält er ihren Betrieb auch für bedenklich. Er plädiert dafür, trotz der Ausnahmesituation das Thema Nachhaltigkeit nicht über Bord zu werfen. Schliesslich sei das noch 2019 das grosse Thema auch in der Gastronomie gewesen. Ähnlich tönt es bei Philipp Weiss von Fricks Monti. «Auch mit Heizpilzen und Zelten wird die Zurückhaltung der Leute bleiben», glaubt er. Ob sein Betrieb von der neuen Freiheit Gebrauch mache, sei noch offen.

Schon entschieden, und zwar dagegen, haben sich die Jegges vom Gasthaus Zum weissen Rössli in Eiken. Ruth Jegge: «Bei uns muss im Winter niemand auf der Terrasse sitzen, wenn allein im Saal bis zu 120 Gäste Platz haben.»

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