Bad Säckingen

Gartenarbeit auf dem Friedhof: Das sind die Engel mit grünem Daumen

Die Fricktalerinnen Marina Grüner und Karin Brand (r.) vor einem der Gräber der Familie Bally auf dem Au-Friedhof, um das sie sich kümmern.

Die Fricktalerinnen Marina Grüner und Karin Brand (r.) vor einem der Gräber der Familie Bally auf dem Au-Friedhof, um das sie sich kümmern.

Rund 40 Freiwillige kümmern sich um den Au-Friedhof – unter ihnen auch einige Fricktalerinnen. Seit 26 Jahren kümmert sich die Gruppe um den denkmalgeschützten Friedhof. Gartenarbeit, die ihnen Spass macht.

Der Regen dieser Tage mag sie nicht von ihrer Aufgabe abhalten. Karin Brand (76) zuckt mit den Schultern, kratzt einige Dreckklumpen von der Hacke und sagt: «Das macht mir nichts aus. Nur, als es vergangene Woche richtig geschüttet hat, da blieb ich zu Hause.»

Brand ist Mitglied einer Projektgruppe, die den Au-Friedhof in Bad Säckingen pflegt. Das heisst: Unkraut jäten, Laub wischen, Randsteine frei kratzen, Büsche schneiden, Statuen putzen. «Langweilig wird es uns nicht. Sind wir überall durch, können wir wieder von vorne anfangen», sagt Marina Grüner und lacht. Auch die 69-Jährige kümmert sich um die Gräber auf dem Friedhof.

Rund 40 Freiwillige – die meisten von ihnen Senioren – gehören der Gruppe unter der Leitung der Lokalhistorikerin Adelheid Enderle an. Seit 26 Jahren ist die Gruppe für den denkmalgeschützten Friedhof zuständig. Auch an diesem Nachmittag sind rund ein Dutzend Freiwillige auf dem Friedhof. Einige der Helfer kommen aus dem Fricktal, wie eben Karin Brand und Marina Grüner.

Gartenarbeit und Freundschaft

Es ist zum einen die Gartenarbeit, die den beiden Spass macht. «Als ich vor zehn Jahren hier angefangen habe, hatte ich davon keine Ahnung», erzählt Brand. «Heute kann ich zumindest das Unkraut von Blumen unterscheiden.» Die drei Frauen lachen und Adelheid Enderle ergänzt: «Heute könnte sie sich sogar alleine um den Friedhof kümmern, so viel weiss sie über dessen Eigenheiten.»

Der kurze Dialog macht klar: Zur Projektgruppe gehört mehr als Gartenarbeit. Es ist da auch ein sozialer Aspekt, Kontakte unter Gleichaltrigen, Gleichgesinnten. Freundschaften auch. Einmal in der Woche kommen die Freiwilligen am Nachmittag auf den Friedhof, um zu gärtnern. Und jeweils um 16.30 Uhr erklingt ein Glöcklein. Dann essen die Helferinnen und Helfer gemeinsam Zvieri. Ein Plan regelt, wer wann Kuchen, Brötchen und Kaffee mitbringen soll. «Die Gruppe bedeutet mir viel. Es ist schön, gemeinsam etwas zu schaffen», sagt Brand und Grüner stimmt nickend zu: «Untereinander gibt es einen tollen Zusammenhalt.»

Faszinierende Geschichten

Und dann ist da noch die Geschichte des Friedhofs und der hier begrabenen Menschen, die beide Frauen fasziniert. Der Au-Friedhof diente der Bevölkerung von Bad Säckingen von 1815 bis 1958 als letzte Ruhestätte.

Hier liegen bescheidene Bürger und angesehene Persönlichkeiten – und auch Menschen aus Schweizer Dynastien. Eine von ihnen ist die Familie Bally. «Sie stammte aus der Schweiz, prägte in Bad Säckingen aber zur Zeit der Industrialisierung das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben», erzählt Enderle.

Im vergangenen Jahr hat sie ein Buch veröffentlicht mit Geschichten über 70 Gräber auf dem Friedhof. «Diese Geschichten zeigen, welchen Wert dieser Platz für Säckingen hat», sagt Marina Grüner. «Es ist ein historischer Ort, der viel darüber aussagt, von wo die Menschen hier kommen.»

Das Ziel der beiden Fricktalerinnen und der ganzen Gruppe ist daher klar: Den Friedhof mit seinen Gräbern vor dem Verfall zu bewahren und das Areal zu pflegen. Ausserdem können sich beide vorstellen, dereinst selber auf dem Friedhof die letzte Ruhestätte zu finden. Urnenbestattungen in bestehende Gräber sind erlaubt. «Der Ort ist idyllisch und man hat eine wunderbare Aussicht auf die Schweiz», sagt Grüner. «Wieso also nicht?»

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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