Tierisch

Ganz und gar nicht bissig: Fricktaler Biber sind total friedlich

Rund 300 Biber leben im Aargau, der Bestand soll einfacher reguliert werden können. Thinkstock

Rund 300 Biber leben im Aargau, der Bestand soll einfacher reguliert werden können. Thinkstock

70 Reviere gibt es im Aargau, 12 befinden sich in der Region. Fälle, in denen Menschen gebissen wurden, sind hier nicht bekannt.

Rheinschwimmer in Schaffhausen wurden diese Woche von Meldungen über einen beissenden Biber erschreckt. Ein Junge und eine Frau wurden beim Schwimmen im Rhein von einem Biber gebissen und trugen Wunden davon, die teilweise genäht werden mussten. Auch im Fricktal und im angrenzenden südbadischen Raum ist der Biber wieder heimisch, nachdem er vor 60 Jahren noch ausgerottet war. Und einer der Nager sorgte vor zwei Jahren in Bad Säckingen für Schlagzeilen, als er einen Hund biss.

Trotzdem gibt Christian Tesini von der Sektion Jagd und Fischerei des Kantons Aargau Entwarnung. «Die Gefahr, dass es in der Region zu Biss-Attacken von Bibern kommt, ist sehr gering», sagt er. «Personen wurden im Kanton Aargau unseres Wissens noch keine von Bibern gebissen.» Und auch bei den gebissenen Hunden ist die Anzahl mit bislang nur vier registrierten Fällen gering.

Biber tauchen bei Gefahr ab

Angriffe von Bibern auf Menschen oder Haustiere sind auch aufgrund ihres natürlichen Verhaltens aussergewöhnlich. «Biber lassen sich grundsätzlich nicht stören», erklärt Christian Tesini. Im Wasser oder in Wassernähe seien sie den meisten anderen Tieren überlegen. «Biber suchen bei Gefahr das Wasser auf und tauchen ab. Wird die Gefahr als gross eingeschätzt oder ist sie sehr nah, schlagen sie beim Abtauchen mit dem Schwanz auf die Wasseroberfläche, um Artgenossen zu warnen», beschreibt der Fachmann das Verhalten der Nagetiere.

«Instinktiv aggressiver gegenüber Fremdem» seien einzig säugende Muttertiere, führt Tesini weiter aus. Normalerweise kommt der Bibernachwuchs in den Monaten Mai und Juni zur Welt. Aktuell ziehen die Mütter also ihre Jungen auf. Diese verbringen ihre ersten Lebenswochen jedoch ausschliesslich im Bau. «Nach Möglichkeit und Wissen sollte man sich nicht zu nahe an die Baue begeben», empfiehlt Tesini deshalb.

Derzeit leben im gesamten Kanton Aargau rund 300 Biber – verteilt auf etwa 70 Reviere. Etwa ein Dutzend der Reviere befindet sich gemäss der letzten Erhebungen im Fricktal. «Die Anzahl der Biber im Fricktal ist stabil», sagt Christian Tesini. «Heute wissen wir von Bibervorkommen im Kaisterbach, bis vor kurzem im Etzgerbach und natürlich am Rhein.» Auch der Fischingerbach und die Sissle würden immer wieder von Bibern als Lebensraum ausgesucht, aktuell seien dort aber keine Reviere bekannt.

Potenzial für Reviere ausgeschöpft

Ein Biber-Revier erstreckt sich je nach Nahrungsangebot und Jahreszeit über eine Uferlänge von einem bis fünf Kilometern. «Der Rhein ist dabei relativ dicht besiedelt. Dort ist das Potenzial für neue Reviere ausgeschöpft», sagt Tesini. Diese sind nötig, da die Jungbiber ab dem zweiten Lebensjahr damit beginnen, sich eigene Reviere zu suchen. Die Seitenbäche eigneten sich jedoch gemäss Tesini in gewissen Abschnitten ebenfalls gut. Allerdings gibt es zwei Nachteile: Dort ist für die Biber die Gefahr relativ gross, beim Aufsuchen der Gewässer überfahren zu werden. Und manchmal ist in den Bächen auch keine Revierbildung möglich, «weil nur ein Biber das Gewässer aufgesucht hat und nicht je ein Tier beider Geschlechter».

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