Gansingen
Verwurzelt mit dem Wald: Alfred Bühler hat in seinen 35 Jahren als Revierförster einen grossen Wandel erlebt

Am 1. April 1986 trat der damals 25-jährige Alfred Bühler seine erste Försterstelle in Gansingen an. Heute, 35 Jahre danach, ist fast nichts mehr so wie einst. Aber Bühler weint den alten Zeiten keine Träne hinterher. Und auch wenn es bis zur Pensionierung noch dauert – die Weichen für die Zukunft hat der 60-Jährige schon gestellt.

Hans Christof Wagner
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Alfred Bühler, hier mit Hund Mino, ist seit 1986 Förster in Gansingen.

Alfred Bühler, hier mit Hund Mino, ist seit 1986 Förster in Gansingen.

Hans Christof Wagner

Alfred Bühler fasziniert das. Wie der Förster mit dem arbeitet, was vor 100 Jahren gepflanzt worden ist. Wie in der Forstwirtschaft die Rädchen ineinandergreifen. Wie sie die Weichen für die Zukunft schon heute stellt – für das, was in 100 Jahren ist.

Seit 1986 hat Bühler auch schon viele Weichen gestellt. Damals übernahm der Freiämter, frisch von der Försterschule, in Gansingen sein erstes eigenes Revier. Der Start war harzig. Bühler erinnert sich:

«Der vorherige Stelleninhaber war ein halbes Jahr zuvor verstorben. So musste ich alles selbst herausfinden.»

Aber der Wille sich einzuarbeiten, überwand alle Hindernisse. Bühler wollte schon immer Förster werden: «Ich bin in der Natur aufgewachsen», erzählt er. Der Frühling sei seine liebste Jahreszeit: «Wenn das Laub an den Bäumen austreibt und das Leben wieder von Neuem erwacht», sagt er. Dann weiss er, dass er den richtigen Beruf ergriffen hat. Und auch wenn der Büroanteil heute grösser geworden ist: Draussen sein, mit Jagdhund Mino an der Seite, kann er immer noch viel.

Aus diesen Stämmen werden Hackschnitzel zum Verbrennen.

Aus diesen Stämmen werden Hackschnitzel zum Verbrennen.

Hans Christof Wagner

Seit 1986 hat er viel Wandel miterlebt. Mal wurde das Revier grösser, dann fielen durch Fusionen wieder Gemeinden weg. 2020 kam das Revier Laufenburg-Sulz hinzu. Aus dem Gansinger Revierförster wurde der Leiter von Forst und Dienste Laufenburg-Gansingen, wie der neue Verbund heisst.

Und der Betriebsname drückt es aus: Für das achtköpfige Team ist der Wald schon lange nicht mehr nur der alleinige Arbeitsplatz. Das Spektrum ist mit Strassenunterhalt, Naturschutz und weiteren Dienstleistungen heute so breit wie nie. Bühler:

«Wir leisten heute nur noch die Hälfte der Arbeitszeit im Wald ab.»

1986 und die Jahre danach war das noch anders. Bühler erinnert sich: «Zu der Zeit hat sich der Forst noch ausschliesslich über den Holzverkauf finanziert. Es war hart und gefährlich.»

Im Dauerwald bilden die Bäume ein Ökosystem

Aber seit dem Verfall des Holzpreises, den der Sturm Lothar 1999 mit eingeleitet hat, gehört das der Vergangenheit an. Wobei Bühler im neuen Aufgabenspektrum auch Vorteile sieht: Der wirtschaftliche Druck auf den Forst hat abgenommen. Grossflächiges Holzen, um mit tiefen Holzpreisen dennoch noch Gewinne zu erwirtschaften, werde unnötig.

Ohnehin war Bühlers Philosophie von Anfang an die massvolle Nutzung der Bestände. Sein Konzept ist das des Dauerwaldes – einer Mischung aus diversen Baumarten unterschiedlichen Alters, die zusammen ein Ökosystem bilden. Daraus werden dann nur Einzelstämme entfernt und deren Holz zu Geld gemacht.

Wobei für Bühler als Förster aber klar ist: Den Wald sich selbst zu überlassen, ohne ihn zu bewirtschaften, ist für ihn keine Lösung. Er sagt: «In Form der Dauerwald-Bewirtschaftung kann er seine Funktionen am besten entfalten und dem Klimawandel trotzen.»

Ein Forstrevier ist immer auch Freizeitareal – auch das Gansinger Revier mit dem Cheisacherturm.

Ein Forstrevier ist immer auch Freizeitareal – auch das Gansinger Revier mit dem Cheisacherturm.

Hans Christof Wagner

Und mit Funktionen meint er nicht nur die als Holzlieferant, sondern auch als Sport- und Naherholungsstätte. Denn die Zeiten, in denen der Förster noch allein auf weiter Flur durch sein Revier streifen konnte, sind auch vorbei. Bühler weiss:

«Der Druck auf den Wald als Freizeitraum ist enorm geworden, seit Corona mehr denn je.»

Vor 35 Jahren trat er seine Gansinger Stelle an. Mit bald 61 macht er sich inzwischen auch Gedanken, was nach seiner Pensionierung kommt. Was er von seinem Wissen und von seiner Philosophie weitergeben kann.

Gut, dass die nächste Bühler-Generation schon mit im Boot ist: Sohn Andreas ist der Vizechef von Forst und Dienste. Auch der ist, wie der Vater, von Kindesbeinen an nur immer im Wald gewesen und kennt das Revier aus dem Effeff. Das sind sicher gute Voraussetzungen, um einmal den Chefposten vom Vater zu «erben».