«Das ist eine der schönsten, gelungensten Vernissagen, die ich hier je erlebt habe», sagt einer, der es wissen muss. Hat er doch in all den Jahren seit des Bestehens der Galerie Mühle hier kaum eine der vielen Ausstellungseröffnungen verpasst. Notabene war es ein Kaister Kopf, von dem diese Aussage am späten Samstagnachmittag stammte. Ein Kaister Kopf: spielt denn das eine Rolle? Ja und Nein. Nein, weil doch die Ausstellung mit und von Gabriel Kramer nicht nur für Kaister seh- und erlebenswert ist. Ja deshalb, weil mit dem Titel «Chaisterchopf - – Chaisterwurzle» ein unmittelbarer Bezug zum Dorf und seiner Geschichte hergestellt wird.

Der in Laufenburg lebende, im Mettauertaler Ortsteil Wil aufgewachsene, aber auch in Kaisten familiär verwurzelte Gabriel Kramer auf ein einziges Kunstschaffen reduzieren zu wollen, ist schlicht nicht möglich. «Viele kennen Gabriel vor allem als Teil des Musiktrios Trionettli», meinte vor Ausstellungsbeginn eine Frau. Sein Schaffen mit Stift, Papier, Pinsel, Farbe und Leinwand oder das dreidimensionale Formen mit Ton oder beispielsweise Draht sei eher weniger bekannt.

Ein Rucksack voller Kunsttalent

Die Vielfältigkeit seines Tuns und Könnens erlebten die Besucher an der Ausstellungseröffnung eindrücklich. Schon beim Eintreten in den Galerieraum wurden die Ankömmlinge von einem bewegten Bild mit Klang begrüsst. Auf einem Podest, umgeben von einem grossen Bilderrahmen griff da einer in einer Art Vogelkostüm in die Saiten einer Gitarre – die Schreibende erlaubt sich an dieser Stelle die ziemlich gesicherte Annahme, dass es sich beim Kostümierten um den ausstellenden Künstler selber handelte.

Die vielfach in Acryl gefertigten Bilder an den Wänden sind Entdeckungsreisen der besonderen Art. Farbstark, manchmal voller witziger Ironie, teils mit surrealen Akzenten sorgen sie dafür, dass ein kurzer Blick und ein Weiterflanieren zum nächsten Werk kaum möglich ist. So viel gibt es da in einem einzelnen Werk zu sehen.

Daneben finden sich Karikaturen, Comics, echte Landkarten – aufgewertet durch nachdenklich stimmende urchige, wandernden oder radelnden Gesellen. Jasskarten erhalten eine Eigendynamik, oder eine Briefmarke hinterfragt Zeitgeschehen.

Einklang Redner und Künstler

Kaum je hat es ein Redner besser geschafft, Teil eines Gesamtkunstwerkes zu werden, wie Andreas Fröhlich. Mal mit ausschweifenden Bewegungen zu den einzelnen Werken hin, dann wieder in gelungener Reimform, und als nächstes wieder gemeinsam mit Gabriel Kramer musizierend verstand er es ausgezeichnet das Publikum in seinen Bann, und ganz besonderes in das Leben und Kunstschaffen des ausstellenden Künstlers zu ziehen. Ein Künstler, dessen Vorstellung der Redner mit der Frage begann: «Wie sagt man zu Gabriel Kramer, ein Einfallspinsel?», Zu einem der voller Einfälle steckt, diese in unterschiedlichsten Kunstformen gekonnt umsetzt. «Ich hätte gerne noch mehr gehört, bin ein wenig enttäuscht, dass es schon fertig ist», sagte eine Besucherin, als Andreas Fröhlich seine kurzweilige Laudatio und Gabriel Kramer seine unterschiedlichen Musikeinlagen beendeten. Zeit ist knapp, die Vernissage auf die Dauer einer Stunde beschränkt. Da muss auch noch der Apéro, das Betrachten der ausgestellten Werke und das Gespräch mit dem Künstler Platz finden.

Andreas Fröhlich vergass am Schluss nicht in sich reimender Form, darauf aufmerksam zu machen, dass all die Werke auch mit einem Kauf Zuhause weiter genossen werden können. «Einen Kramer kann sich leisten in Kaisten die meisten.»

Während der Öffnungszeiten an den kommenden Sonntagen, 10., 17.und 24. November jeweils 14 bis 17 Uhr ist der Künstler Gabriel Kramer in der Mühle Kaisten anwesend, porträtiert zudem Kaister und andere Köpfe.