Die Wogen gingen in Gipf-Oberfrick hoch, als Anton Mösch, damals noch Gemeindeammann von Frick, vor einigen Jahren laut über eine Fusion der beiden Kommunen nachdachte. Schliesslich waren Frick und Gipf-Oberfrick ja bis 1804 eins.

Eine Reunion? Eine Wiederheirat nach der (Kampf-)Scheidung? Nie und nimmer, polterten die einen, sicher nicht in den nächsten Jahren, sagten die Gemässigten. Nur eine Frage blieb bis dato offen: Was denkt die Dorfbevölkerung darüber?

Nun herrscht Gewissheit: 62 Prozent wollen keine Fusion. Dies geht aus der Bevölkerungsbefragung der Gemeinde hervor, an der sich satte 33 Prozent der Einwohner über 16 beteiligt haben. Für 34 Prozent wäre ein Zusammengehen mit einer Nachbargemeinde vorstellbar, 4 Prozent machen dazu keine Aussage. Ob die Haltung der Fusionsgegner fundamentaler Natur ist oder ob sie nur temporären Charakter hat, muss offenbleiben: Der Gemeinderat fragte nur den Fusionswillen für die «nächsten 5 bis 10 Jahre» ab.

Gemeinderat erfreut

Der Gemeinderat nimmt das Ergebnis «sehr erfreut» zur Kenntnis, wie Frau Gemeindeammann Regine Leutwyler gestern bei der Präsentation der Resultate sagte. «Es entspricht der Haltung des Gemeinderates über die letzten Legislaturen.» Der Weg führe weiter über die Zusammenarbeit, die man stärken wolle. Am sinnvollsten beurteilen die Einwohner diese Grenzüberschreitung in den Bereichen Verkehr, Schule und Jugendarbeit.

Gerade Ersteres, der Verkehr, entpuppt sich auch in Gipf-Oberfrick als Fluch und Segen zugleich. Man schätzt und wünscht sich zwar eine möglichst gute Verkehrsanbindung, stört sich aber gleichzeitig an der stets wachsenden Verkehrsbelastung.

Eine Entlastung wünschen sich viele Gipf-Oberfricker dabei besonders: einen besseren und sichereren Weg zum Bahnhof in Frick. Dieser ist als «Anschluss Nord» auch angedacht, als Verbindungsstrasse von Gipf-Oberfrick über den Bahnhof Frick bis zum Kreisel «Bölli». Ein altes Anliegen, weiss auch Gemeinderat Jos Bovens, ein Projekt, «bei dem es nur mit kleinen Schritten vorwärts geht». Das liegt vor allem daran, dass mit den SBB, dem Kanton sowie den Gemeinden Frick und Gipf-Oberfrick mehrere Parteien mit zum Teil recht unterschiedlichen Interessen am Tisch sitzen. «Man musste sich zuerst finden», so Bovens.

Wunsch nach einem Dorfzentrum

Gefunden haben die 972 Einwohner, die sich an der Befragung beteiligt haben, eine Wohngemeinde, in der sie sich ausgesprochen wohlfühlen. An die 90 Prozent bewertet die Lebensqualität mit 7 bis 10 – von maximal 10 Punkten. Besonders schätzen sie die ruhigen Wohnlagen, die Grünflächen, das Naherholungsangebot sowie die Einkaufsmöglichkeiten. Was vielen fehlt, ist einerseits ein Dorfzentrum, ein Treffpunkt, ein Dorfkaffee. Andererseits soll die Gemeinde bei der Thematik «Wohnen im Alter» aktiver werden, soll dafür sorgen, dass in Gipf-Oberfrick mehr altersgerechter Wohnraum entsteht. Beides ist im Zentrum möglich: Vis-à-vis der Kirche besitzt die Gemeinde noch 6847 Quadratmeter schönstes Land.

Der Haken dabei: Das Land liegt derzeit in der Landwirtschaftszone und muss zuerst umgezont werden, ein Vorgang, den der Kanton nur mehr ungern sieht (und oft auch ablehnt). Bovens ist dennoch guten Mutes, dass der Kanton in diesem Fall Ja sagt, denn das Land ist von Wohngebieten nahezu umzingelt.

Gemeinde soll langsamer wachsen

Nicht noch mehr umzingelt werden wollen derweil viele Gipf-Oberfricker: 74 Prozent sagen: Es braucht nicht mehr Bauland; 24 Prozent sind sogar der Meinung: Auch das bestehende Baugebiet muss nirgends besser ausgenutzt werden. Und 58 Prozent wollen, dass die Gemeinde bevölkerungsmässig langsamer wächst als in der Vergangenheit, 12 Prozent plädieren gar für ein Nullwachstum. Maximal 5000 Einwohner – das ist für 55 Prozent das Maximum der Gefühle. Aktuell zählt Gipf-Oberfrick rund 3500 Einwohner.

Handlungsbedarf orten zwei Drittel der Befragten beim Thema Littering. Man habe derzeit keine grossen Probleme, versichert Bovens. «Die Leute wollen, dass es so bleibt.» Dies ist auch für Leutwyler ein Hauptfazit aus der Befragung: Die Umfrage zeige, dass Gipf-Oberfrick viele Qualitäten hat. «Diese gilt es, zu erhalten und auszubauen.» Oder wie es Bovens auf einen Kurznenner bringt: «Die Qualität über die Quantität zu stellen.»

Gestellt werden die Resultate der Befragung nun vor allem in einen Kontext: Sie bilden die Basis für die Entwicklung des Leitbildes, das seinerseits wiederum die Grundlage für die künftige Raum- und Verkehrsplanung ist. Bei Letzteren arbeitet man eng mit Frick zusammen. Nicht als Ehe-, aber doch als Konkubinatspartner.