Kaiseraugst
Für Gewerbe stärkt ein Gasthof-Kauf die Dorfkultur – Wirte sehen darin Konkurrenz

Das Gewerbe steht hinter den Plänen des Gemeinderats, den Gasthof Alder für 2,2 Millionen Franken zu kaufen. Die Wirte in Kaiseraugst zweifeln: «Jeder Betrieb ist eine Konkurrenz».

Marc Fischer
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Die Kaiseraugster Ortsbürger entscheiden am kommenden Donnerstag, ob sie den Gasthof Adler kaufen. dka

Die Kaiseraugster Ortsbürger entscheiden am kommenden Donnerstag, ob sie den Gasthof Adler kaufen. dka

Dennis Kalt

Am kommenden Donnerstag entscheiden die Ortsbürger in einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung, ob sie den «Adler» für 2,2 Millionen Franken erwerben. Zu einem Preis also, der laut Versammlungsbotschaft deutlich zu hoch angesetzt ist.

Gemeinderat und Ortsbürgerkommission sind jedoch der Meinung, dass der Nutzen eines Gastrobetriebs, der das Dorfleben massgeblich beeinflusst, grösser sei, als die 300 000 bis 400 000 Franken, die der Kaufpreis zu hoch angesetzt ist. Ziel ist es, den «Adler», der seit rund einem Jahr geschlossen und gemäss Versammlungs-Botschaft in einem «jämmerlichen» Zustand ist, zu sanieren und wieder zu eröffnen.

Gewerbe steht hinter dem Kauf

Gleich sieht dies das Gewerbe. Fredy Kaufmann, der bis vor zwei Wochen den Gewerbe- und Industrieverein Violental präsidierte, etwa sagt: «Der Kauf durch die Ortsbürger ist die beste Lösung. So bleibt der Charakter des Restaurants erhalten und es gibt nicht ständig Wirtewechsel.» Das sei auf lange Sicht der richtige Weg.

Max Heller, alt Gemeindepräsident von Kaiseraugst: «Wir müssen den Adler retten und schauen, dass er nicht in die Hände von Spekulaten gerät.»

Max Heller, alt Gemeindepräsident von Kaiseraugst: «Wir müssen den Adler retten und schauen, dass er nicht in die Hände von Spekulaten gerät.»

archiv

Auch seine Nachfolgerin Andrea Roth stösst ins gleiche Horn: «Der ‹Adler› war als Dorfrestaurant bekannt und als solches eine Bereicherung. Ein Erhalt ist sinnvoll.» Damit unterstützen die beiden Gewerbler Gemeindepräsidentin Sibylle Lüthi, die gegenüber der az diese Woche festhielt: «Eine Dorfwirtschaft, die am Wochenende offen hat, mit einem klassischen Stammtisch und Sälen für Veranstaltungen und Vereine – das fehlt.»

Noch pointierter äussert sich alt Gemeindepräsident und Ortsbürger Max Heller: «Wir müssen den ‹Adler› retten und schauen, dass er nicht in die Hände von Spekulanten gerät.» Dafür sei die Ortsbürgergemeinde prädestiniert, denn ein Kauf des Gasthofes sei im weiteren Sinne ja auch Kulturförderung. Er vergleicht es mit der Fähre, die – obwohl defizitär – von den Ortsbürgern betrieben wird. Für ihn ist klar: «Finanziell ist das Engagement für die Ortsbürger nicht interessant, aber sie können es sich leisten.»

Weniger positiv gestimmt sind dagegen andere Wirte in Kaiseraugst. «Jeder Betrieb ist eine Konkurrenz», sagt etwa Ali Bozkurt, der im «Bahnhöfli» wirtet. Oskar Müller vom Gasthof zur Sonne sieht dies ähnlich. Er sagt jedoch auch: «Ich will nicht jammern, wir haben uns eine Stammkundschaft erarbeitet.» Weiter hat Müller festgestellt, dass immer häufiger Gemeinden Restaurants kaufen. Engagements, die nicht immer vom Erfolg gekrönt sind. Auch in Kaiseraugst setzt Müller Fragezeichen: «Es ist sicher schwierig, für den ‹Adler› einen Pächter zu finden, der die nötige Pacht erwirtschaften kann», ist Müller überzeugt.

Liebrüti weniger betroffen

Toni Brüderli vom Restaurant Liebrüti sieht für einen Pächter dagegen durchaus Chancen. «Die Lage ist gut, es sind Parkplätze vorhanden», so Brüderli, mit der Vermietung der Hotelzimmer sei es machbar, die Pacht – in der Versammlungsbotschaft ist von einem langfristigen Mietwert von 96 000 Franken pro Jahr die Rede – zu erwirtschaften. Als Konkurrenz betrachtet Brüderli den «Adler» weniger. «Eine Gemeinde braucht mehrere gute Lokale», ist er überzeugt. Zudem sei Kaiseraugst «durch die Landstrasse geteilt» und er deshalb mit seinem Restaurant in der Liebrüti weniger betroffen, als andere Restaurants im Dorf.

Ob es allerdings wirklich zu den Aufgaben einer Ortsbürgergemeinde gehört, ein Restaurant zu übernehmen, lässt auch Brüderli offen. «Wahrscheinlich ist es für die Ortsbürger einfach ‹nice to have›», so der «Liebrüti»-Wirt, «und sie besitzen ja ein genügend grosses Vermögen.»

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