Rheinfelden
Für die Sicherung des Schweizer Luftraums

Milena Burmeister lässt sich bei der Skyguide zur Flugsicherungsfachfrau ausbilden. Dabei erlebt sie spannende und eindrückliche Momente. So zum Beispiel als sie mit einem Piloten sprach – kurz bevor dieser abstürzte.

Catarina Martins
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Milena Burmeister an ihrem Ausbildungsplatz. Sie lässt sich zur Skyguide ausbilden. cim

Milena Burmeister an ihrem Ausbildungsplatz. Sie lässt sich zur Skyguide ausbilden. cim

Das Gespräch mit Milena Burmeister beginnt bei einem Spaziergang durch die Rheinfelder Altstadt. Es ist einer der wenigen Tage, an denen die junge Frau sich einen entspannten Moment gönnt. Die Rheinfelderin lässt sich in Wangen bei Dübendorf bei der Flugsicherungsorganisation Skyguide zur Flugsicherungsfachfrau ausbilden.

Es ist eine Ausbildung, die nicht nur mit viel Verantwortung und konzentriertem Lernen verbunden ist, sondern auch einiges an Flexibilität und Spontanität abverlangt, zumal in Schichten gearbeitet wird und die Arbeitszeiten von Tag zu Tag variieren können. «Ich brauche eine Tätigkeit, die mich geistig herausfordert und bei der ich nie auslernen werde. Dieser Beruf bietet mir genau das», erläutert die 22-Jährige.

Skyguide

Skyguide ist eine Flugsicherungsorganisation, deren Aufgabe es ist, den schweizerischen Luftraum sicher und effizient zu bewirtschaften. Die privatrechtliche Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Genf beschäftigt mehr als 1300 Mitarbeiter schweizweit und führt jährlich fast 1,2 Millionen zivile und militärische Flugzeuge sicher durch den Schweizer Luftraum, dem dichtesten und komplexesten in Europa.

Unter http://www.skyguide.ch gibt es weitere Informationen zum Beruf der Flugsicherungsfrau/-mann.

Die Heimweh-Luzernerin

Burmeister kommt ursprünglich aus dem Dorf Greppen im Kanton Luzern. Mit acht Jahren zog sie zu ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach Rheinfelden ins Städtli. «Ich habe mich hier augenblicklich heimisch gefühlt und vor allem der Stadtpark hat es mir sehr angetan», lächelt Milena Burmeister.

Aussenstehende würden Rheinfelden als Dorf bezeichnen, während die Rheinfelder vehement ihre Stadt als solche verteidigen. Für Burmeister war die Zähringerstadt aber von Anfang an eine Stadt. «Man muss es sich so vorstellen: Greppen war damals ein sehr kleines Dorf mit ein paar Hundert Seelen. Als ich nach Rheinfelden umzog, hatte ich aus diesem Grund das Gefühl, in einer Grossstadt zu leben», schmunzelt die 22-Jährige.

Bei allem Wohlfühlen, ihre Heimat vermisste sie dennoch lange, vor allem die Berge und den schönen Vierwaldstättersee. Milena Burmeister fand aber schnell Anschluss, und heute ist sie froh, in der Zähringerstadt zu leben.

Wissbegierige junge Frau

Die Fricktalerin wollte ursprünglich «International Management» an der Fachhochschule in Basel studieren. Die FMS Basel war damals ein Weg dorthin. Im Anschluss an die Fachmaturitätsschule absolvierte sie ein Marketingpraktikum in Basel und legte nebenbei ein höheres Wirtschaftsdiplom an der Huber-Widemann-Schule HWS in Basel ab.

Die diplomierte Wirtschaftsfachfrau nahm nach dem Marketingpraktikum und zeitgleich mit der HWS auch noch eine Stelle bei der W.&G. Schaub AG in Zeiningen an. «Die Arbeit dort war spannend und abwechslungsreich», so eine zufriedene Burmeister.

Eine grosse Herausforderung

Mit der Fachmaturität in der Tasche stellte Milena Burmeister fest, dass sie die Aufnahmebedingungen für die Fachhochschule in Basel nicht erfüllte. Die junge Frau liess sich davon nicht entmutigen und schaute nach vorne. «Ich wollte wissen, was ich mit der Fachmaturität machen konnte und informierte mich», erzählt die junge Frau, während sie in ihrem Cappuccino herumrührt. Eher zufällig sei sie auf die Homepage der Skyguide gestossen, erklärt Milena Burmeister.

Sie interessierte sich schon immer für das Reisen, wollte aber nicht in einem Reisebüro arbeiten. Ein Freund aus Island, der in der Aviatik tätig ist, brachte sie erst auf die Idee, in dieser Branche Fuss zu fassen.

Im Januar 2010 ging Burmeister dann an einen Infonachmittag der Skyguide in Wangen bei Dübendorf und bewarb sich im März für einen Ausbildungsplatz als Flugsicherungsfachfrau. «Flugsicherungsfachpersonen sind die zentrale Anlaufstelle für offizielle Luftfahrtdaten. Fluggesellschaften und Pilotinnen benötigen für den sicheren Flugbetrieb verlässliche Luftfahrtinformationen», beschreibt die Skyguide kurz den Beruf.

Bald mit eidgenössisch angerkanntem Diplom

Die Flugsicherungsfachpersonen können zu Beginn während einer Schicht an drei Arbeitspositionen tätig sein. Sie werden entweder in der Flugverarbeitung eingesetzt oder verarbeiten Meldungen zur Vorbereitung und sicheren Durchführung eines Flugs, wie zum Beispiel über Luftraumbeschränkungen oder den Pistenzustand, und leiten diese dann an Kunden weiter.

Der dritte Aufgabenbereich ist das Aufdatieren der Luftfahrthandbücher, die sogenannten Gesetzbücher der Luft (Aeronautical Information Publication AIP), in denen verzeichnet ist, welche Bereiche überflogen werden dürfen. «Der Job ist mit grosser Verantwortung verbunden.

Damit die Sicherheit des Flugverkehrs gewährleistet ist, müssen die richtigen Daten an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt ankommen», erklärt Maude Rivière, Pressesprecherin der Skyguide in Wangen bei Dübendorf. Flugsicherungspersonen erhalten bald auch eidgenössisch anerkanntes HF-Diplom, so Rivière weiter.

Ein anspruchsvoller Weg

Der Weg in die Welt von Skyguide ist anspruchsvoll. Zu den Anforderungen gehören unter anderem eine Berufslehre oder die Fachmatur, mindestens das First Certificate of English, das DELF B2 und ein Jahr Berufserfahrung. «Zuerst steht ein Eignungstest mit den Fluglotsenanwärtern an, gefolgt von drei mündlichen Prüfungen und einem Interview. Man muss sich auf etwas fokussieren können, multitaskingfähig sein, schnell denken und handeln können», erläutert Milena Burmeister.

Die Rheinfelderin bestand das anspruchsvolle Aufnahmeverfahren und ist seit November 2010 bei der Skyguide und wird voraussichtlich Ende dieses Jahres mit ihrer Ausbildung fertig sein.

Eine Schattenseite des Berufs

Das Eindrücklichste, was Milena Burmeister bisher erlebt hatte, war der Absturz eines Piloten eines Kleinflugzeugs, mit dem sie kurz zuvor noch Kontakt gehabt hatte, doch zum Glück sind solche Erlebnisse selten. «In solchen Fällen stehen den Mitarbeitern speziell ausgebildete Personen zur Seite. Sie hören den betroffenen Mitarbeitern zu, damit diese sich mitteilen und das Erlebte verarbeiten können», erläutert Pressesprecherin Maude Rivière.

Heute kann sich Milena Burmeister nicht mehr vorstellen, irgendwo anders zu leben als in Rheinfelden. All ihre Freunde sind in der Stadt des Bieres wohnhaft oder leben in der näheren Umgebung. Seit fünf Jahren spielt die junge Frau zudem bei der Gugge «Gasseschränzer Rhyfälde» Granitblock und ist auch fast genauso lange im Füürball-OK. Wegziehen kommt daher nicht infrage. Des Weiteren schätzt Burmeister die Lage der Stadt und die guten Zugsverbindungen zu ihrem Ausbildungsplatz.

Burmeister ist sehr zufrieden mit der Ausbildung bei Skyguide und denkt auch nicht mehr ans Studieren. «Vermissen tue ich in dieser Hinsicht nichts. Mein berufliches Ziel ist es, lange bei der Skyguide zu bleiben und mich intern weiterzuentwickeln» erklärt die junge Rheinfelderin beim Verlassen des Cafés.