Fricktal
Für die Arbeit von Asylsuchenden bei Bauern fehlte die Bewilligung

Das Migrationsamt wusste nichts von den Aktivitäten des Basler Ausländer- und Flüchtlingsdienstes im Fricktal. So wurden Asylsuchende an Bauern vermittelt, ohne dass eine Bewilligung vorlag. Auch arbeiteten sie zu einem viel zu geringen Lohn.

Walter Christen
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Für Fricktaler Bauern im Einsatz: Asylsuchende während der Kirschenernte. Annika Bütschi

Für Fricktaler Bauern im Einsatz: Asylsuchende während der Kirschenernte. Annika Bütschi

Annika Buetschi/ AZ

Unerlaubterweise hat ein Basler Ausländer- und Flüchtlingshelfer Asylbewerber als Hilfskräfte an Fricktaler Bauern vermittelt. Sie erhielten eine Entschädigung von 50 Franken pro Mann und Tag. Die illegale Arbeitsvermittlung wurde durch die Pendlerzeitung «20 Minuten» aufgedeckt, in deren Bericht es hiess, dass am Bahnhof Frick Asylbewerber mit einem Auto abgeholt wurden. Es stellte sich heraus, dass die Männer auf einem Landwirtschaftsbetrieb eingesetzt wurden.

Er hat ohne Bewilligung im Fricktal Asylsuchende vermittelt: Lukas Siegfried von Elim Open Doors, Basel.

Er hat ohne Bewilligung im Fricktal Asylsuchende vermittelt: Lukas Siegfried von Elim Open Doors, Basel.

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«Willkommene Hilfe»

«Die Asylsuchenden erwiesen sich als willkommene Hilfskräfte nicht nur in der Erntezeit, sondern auch für das Pflanzen neuer Obstbäume. Ich habe sie deshalb zweimal am Bahnhof in Frick abgeholt. Wir waren wirklich froh um die Verstärkung. Denn viele landwirtschaftliche Betriebe basieren nicht mehr auf den Strukturen, wie sie früher bestanden, wo stets viele helfende Hände aus der Familie eingesetzt werden konnten. Auch unser Betrieb nicht», schilderte die betreffende Bäuerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, und stellte zugleich fest, dass sie mit jemandem verwechselt wurde, der andere Asylsuchende für Arbeiten auf einer Baustelle abgeholt hatte.

Personen mit dem Ausweis N haben in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt und befinden sich im Asylverfahren. Währenddessen haben sie grundsätzlich ein Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Unter bestimmten Umständen kann ihnen eine unselbstständige Erwerbstätigkeit erlaubt werden. Aber ohne Bewilligung des Kantons Aargau hätten sie trotzdem nicht als Erntehelfer an Fricktaler Bauern vermittelt werden dürfen.

«Es braucht die Bewilligung des Migrationsamtes, wenn jemand Leute mit dem Status N vermitteln will», war von Sonja Richner von der Abteilung Arbeitsbewilligungen beim Amt für Migration und Integration des Kantons Aargau zu erfahren. «Bewilligt wird eine Anstellung jedoch nur dann, wenn sich auf eine offene Stelle weder Schweizer noch Ausländer mit Arbeitsbewilligung melden. Ausserdem hat die Entschädigung zu einem branchen- und ortsüblichen Tarif zu erfolgen.»

«50 Franken pro Tag zu wenig»

«Die 50 Franken, von denen hier die Rede ist, hätten wir nicht bewilligt – das ist eindeutig zu wenig», so Sonja Richner. «Es geht nicht, dass auf dem Buckel dieser Menschen Geld gespart und dann gesagt wird, dass sie auf diese Weise wenigstens eine Beschäftigung hätten und auch mal raus dürften. Es sei ja nicht so, dass die Asylbewerber irgendwo eingesperrt sind. Aber der Gesetzgeber hat die entsprechenden Weisungen aus genau dem Grund erlassen – damit Asylbewerber nicht ausgenutzt werden.»

«Nichts von Lukas Siegfried gehört»

Zur Zusammenarbeit mit Lukas Siegfried von der Basler Organisation Elim Open Doors, der die Asylbewerber im Fricktal vermittelt hat, erwähnte Sonja Richner: «Bis vor sieben Jahren war er an einem Beschäftigungsprogramm bei uns im Kanton Aargau beteiligt. Seither haben wir nichts mehr von ihm gehört. Eine Bewilligung für seine Tätigkeit im Aargau hat er nie erhalten.» Siegfried sieht das jedoch anders. Der Leiter der diakonischen Stadtarbeit in Basel hielt gegenüber der Aargauer Zeitung fest: «Dass die Aargauer Behörden nichts von meiner Tätigkeit gewusst haben, kann ich mir schlicht nicht vorstellen. Schliesslich vermittle ich jetzt schon seit einigen Jahren arbeitswillige Asylsuchende auch aus Zentren im Aargau an Fricktaler Bauern.»

Weiter stellte er die Frage in den Raum: «Wer soll den Bauern bei der Ernte helfen, wenn nicht Migranten? Für diese bedeutet der Einsatz in der Landwirtschaft eine Abwechslung in ihrem sonst wirklich tristen Alltag. Dazu erhalten sie ein Entgelt von 50 Franken pro Tag und werden verpflegt. Und die Bauern haben die Ernte im Trockenen. So ist allen geholfen.»

Um die Situation zu klären, findet nächste Woche in Aarau ein Gespräch mit Siegfried und den zuständigen Personen vom Migrationsamt statt. «Ich hoffe auf eine einvernehmliche Lösung der offenen Fragen und erkläre mich bereit, die Vermittlerrolle im Fricktal weiterhin wahrzunehmen und möchte auch Transparenz herstellen.

Die Gerüchte von Asylbewerbern, die als illegale Landarbeiter im Fricktal tätig seien, will ich ganz entschieden entkräften und bei den Fricktaler Kirschenbauern auch erwirken, dass sie dem Kanton Einblick in ihre Erntehelfer-Buchhaltung gewähren. Denn es soll ersichtlich sein, dass alles mit rechten Dingen zu- und hergeht.»

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