Laufenburg

Für ihn ist Heimat keine feste Grösse, sondern ein steter Suchprozess

Der pensionierte Radioreporter Martin Blümcke in seinem Büro in der Altstadtvon Laufenburg.cth

Der pensionierte Radioreporter Martin Blümcke in seinem Büro in der Altstadtvon Laufenburg.cth

Der Historiker Martin Blümcke ist ein ausgezeichneter Kenner der Laufenburger und Baden-Württemberger Geschichte. Dabei lebt der pensionierte Radioreporter erst seit 15 Jahren in Laufenburg. Am 6. Juli feiert er seinen 80. Geburtstag.

Der Historiker Martin Blümcke ist nicht nur ein ausgezeichneter Kenner der Laufenburger und Baden-Württemberger Geschichte, sondern auch ein kurzweiliger Erzähler. Dabei lebt der pensionierte Radioreporter erst seit 15 Jahren in Laufenburg. Heute, am 6. Juli, feiert er seinen 80. Geburtstag.

Die Ledertasche mit dem Aufnahmegerät mit dem runden Aufkleber «Süddeutscher Rundfunk» steht im Arbeitszimmer von Martin Blümcke unter dem Dach eines alten Handwerkerhauses in badisch Laufenburg, so, als habe er sie eben erst hingestellt. Dabei hat Blümcke in Laufenburg längst eine neue Heimat gefunden, «meine fünfte», wie er lächelnd sagt. Vor 15 Jahren ist er als frisch pensionierter Radioredaktor von Stuttgart zu seiner Familie nach Laufenburg gezogen. Blümcke hatte während 34 Jahren beim Süddeutschen Rundfunk gearbeitet, erst als Redaktor, sehr schnell als Redaktionsleiter der Sendung «Land und Leute». Bei einer Reportage in Laufenburg lernte er seine Frau Barbara Rueb kennen und hatte darauf zwei Lebensmittelpunkte: Stuttgart und Laufenburg.

Blümcke berichtete am Radio über Bräuche wie die Fasnacht, Denkmalschutz, historisches Handwerk oder Schlösser in Baden-Württemberg. Von 1982 bis 2011 gab er die Zeitschrift «Schwäbische Heimat» heraus, dazu schrieb er zahlreiche Bücher.

Verloren und wieder gefunden

Martin Blümcke kramt ein altes Schwarz-Weiss-Foto hervor, das ihn als kleinen Jungen mit seiner Schwester zeigt. Der hübsche Knabe lächelt zuversichtlich und freundlich in die Kamera. «Meine Mutter legte grossen Wert darauf, dass wir immer hübsch angezogen waren.» Blümckes Kindheit in Brandenburg wurde vom 2. Weltkrieg jäh unterbrochen. Die Familie flüchtete vor der Roten Armee, liess die Heimat hinter sich.

Auf eine wohlbehütete Kindheit folgten Wanderjahre und die Gewissheit, dass Heimat keine feste Grösse ist, sondern immer wieder neu gewonnen und gefunden werden muss. Und dass man sich auch in der Fremde durchaus zu Hause fühlen kann. Blümcke erinnert sich an Zeiten, in denen ein Blatt Papier und ein Bleistift wertvolle Güter waren. Fern der Familie, bei Verwandten in Mönchengladbach, besuchte er das Gymnasium und studierte später in Tübingen Geschichte, Deutsch und Volkskunde.

Was ihn immer begleitete, war die Frage: «Warum sind die Dinge so, wie sie sind? Welche Geschichten stecken hinter dem, was heute sichtbar ist?» Diesen Fragen geht er aus einem inneren, ureigenen, bis heute lebendig gebliebenen Interesse nach. Blümcke recherchiert nicht nur gerne, er ist auch ein begnadeter Erzähler und Vermittler. Er erzählt bedächtig, ruhig, schaut seine Zuhörer an und findet mit Leichtigkeit die passenden Worte. «Es bereitet mir Freude, bei den Zuhörern Interesse an Dingen zu wecken, die ihnen auf den ersten Blick als selbstverständlich erschienen.» Blümcke ist ein geborener Kommunikator, der auch gut zuhören und schreiben kann. Alles Verdienste, die dazu beitrugen, dass er 2012 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse erhielt, die höchste Auszeichnung in Deutschland.

Nachlässe als Schatztruhen

Immer wieder werden Blümcke Familiendokumente zugetragen. Sein sorgfältiger Umgang mit Nachlässen ist bekannt. Dabei entdeckt er immer wieder Erstaunliches. Doch Blümcke ist nicht nur Bücherwurm und Archivar, sondern auch ein geselliger Mensch. In Laufenburg hat er gute Freunde gefunden. Sein immenses Wissen wird beidseits des Rheins sehr geschätzt.

So arbeitet er regelmässig bei Ausstellungen des Museums Schiff mit, ist Stadtarchivar von badisch Laufenburg und Archivar der Pfarrei Hochsal. Beim Aktenstudium legt er heute gerne eine Pause ein und trinkt in einem der Laufenburger Beizlein ein Bierchen. Auf dem Weg zur Maillart-Brücke, zeigt er nebenbei auf die Mauervorsprünge, an denen einst die alte Laufenburger Holzbrücke befestigt war. Ein Detail, das nur wenigen Leuten auffällt.

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