«Rheinfelden hat den Wakker-Preis verdient», sagt Henri Leuzinger, schnappt seine Jacke und startet mit dem az-Journalisten zum Stadtrundgang der etwas anderen Art. Fünf Orte hat der Raumplaner und Fotograf ausgesucht, die er für besonders liebens- und preiswert hält; fünf Orte, die viel über das Ticken der Stadt verraten. Einer Stadt, deren Uhren etwas anders ticken. Die Uhr am Obertorturm etwa geht sieben Minuten vor, jene am Rathaus drei Minuten. So sollten einst die Bauern, die vor der Stadt die Felder bestellten, genügend Zeit haben, um zurückzueilen, bevor die Tore abends geschlossen wurden.

Station 1: Moderne Architektur – eine versteckte architektonische Perle

Station 1: Moderne Architektur

Eine versteckte architektonische Perle



«Wie viel Zeit haben wir?», fragt Leuzinger vor seinem Atelier in der Altstadt. «Eine Stunde», wiederholt er die Antwort halblaut – und beschleunigt den Schritt merklich. Es wird ein Stadtrundgang im Schnelldurchlauf, eine temporeiche Reise in die Vergangenheit und die Zukunft – mit kurzen Verschnaufpausen in der Gegenwart.
Henri Leuzinger, das ist ein starkes Stück Rheinfelden. Leuzinger ist Geograf, Raumplaner, Fotograf, Publizist, Chronist – und seit 2009 Geschäftsführer des Aargauer Heimatschutzes. Er ist das städtebauliche Gewissen – nicht nur für Rheinfelden.
Station 2: Rheinbrücke – die Verbindung

Station 2: Rheinbrücke



Auf dem Weg zur ersten Station, den «bemerkenswerten Baukörpern» an der Baslerstrasse, die zeigen, dass eine moderne, verdichtete Bauweise durchaus attraktiv sein kann, erinnert sich Leuzinger an jenes Jahr zurück, als Laufenburg den Wakker-Preis erhielt. 1985 war es und in Rheinfelden war man «schon recht neidisch».
Rheinfelden entwickelte sich auch preislos prächtig, gerade ab den 1990er-Jahren, als der nächste Bauschub auf die Stadt zurollte – und «eine gute Konstellation in Verwaltung und Stadtrat die Weichen richtig stellte», sagt Leuzinger, sodass der Stadtzug Richtung qualitatives Wachstum fuhr.
Station 3: Alter Stadtpark – die Erholungszone

Station 3: Alter Stadtpark

Station 4: Der neue Rheinsteg – das Projekt auf dem Prüfstand

Station 4: Der neue Rheinsteg

Das stellte man auch beim Schweizer Heimatschutz fest, nahm das Zähringerstädtchen als Wakker-Preis-Kandidaten auf den Radar. «Einige Projekte existierten damals erst auf Papier und waren noch nicht realisiert.» Heute sind sie es. Deshalb bekommt Rheinfelden den Preis jetzt, «zur richtigen Zeit», findet Leuzinger. Er bleibt beim Salmenpark stehen, jenem markanten Neubaukomplex am Westeingang der Stadt und zeigt auf die Strasse Richtung Altstadt, die dereinst ein Boulevard sein wird, «wenn es klappt». Die Gebäude weisen den Weg in die Altstadt und laden die Leute gleichzeitig ein, in die neuen Quartiere zu flanieren, hier einzukaufen «und dies auf eine sehr attraktive, verkehrsberuhigte Weise».

Station 5: Mühlegässli – die verborgenen Winkel

Station 5: Mühlegässli

Weiter geht es zur alten Rheinbrücke, die Marktgasse hoch, vorbei am Mühlegässli mit seinen zähringischen Winkeln. Beim Bauamt reist Leuzinger einen Zwischenstopp, zeigt auf die Fassade. «Das war früher ein Schopf», erklärt er. Beim Ausbau, Jahrzehnte ist es her, habe man versucht, «Altstädtlis zu spielen», die Altstadt nachzuahmen. «Heute ist Heimatschutz klar gegen solche Pseudolösungen. Wir wollen zeigen, was neu und was alt ist.» Weiter geht es via altem in den neuen Stadtpark, «einer Perle» für die Stadt. In der Ferne sieht man jenen Ort, wo dereinst der neue Steg über den Rhein führen soll. Wenn er denn durchkommt. Aber das ist ein anderes Kapitel (Stadt-)Geschichte.