Alterssiedlungen
Frühzeitige Vorsorge: günstige Alterswohnungen sind Mangelware

Damit sie möglichst spät ins Altersheim müssen, suchen sich viele Leute frühzeitig eine Alterswohnung. Es fehlen günstige Angebote. Xaver Wittmer von Pro Senectute Aargau sieht in einkommensabhängigen Mieten bei Alterswohnungen eine Möglichkeit.

Aline Wüst
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49 Wohnungen bietet die «Casa Schneggli» in Reinach.

49 Wohnungen bietet die «Casa Schneggli» in Reinach.

Peter Siegrist

Es ist das Hauptthema, wenn bei Brigitta Bettin das Telefon klingelt: Alterswohnungen – wie findet man eine, wie bezahlt man sie? Leider kann die Leiterin der Informationsstelle Alter in Aarau keine Liste zücken und die passende Wohnung vermitteln. Aber sie kann weiterhelfen mit Adressen. Und sie kann Hoffnung geben. Denn sie erlebt es oft, dass die Leute ein bisschen verloren seien bei der Suche nach einer passenden Wohnform für das Alter.

Alterswohnungen sind gesucht. Der Begriff Alterswohnung aber, der ist dehnbar. Darum gibt es im Kanton auch keine Liste mit Wohnmöglichkeiten fürs Altern.

So gibt es Wohnungen, die schlicht altersgerecht gebaut sind – keine Treppen, Handgriffe, zentral gelegen. Es gibt Alterswohnungen, die angegliedert sind an Alterszentren – wer nicht kochen mag, kann im Zentrum essen. Und dann gibt es unabhängige Alterswohnungen, in denen bei Bedarf eine Vielzahl von Dienstleistungen angefordert werden kann. Zum Beispiel in der «Casa Güpf» in Wohlen oder in der «Casa Schneggli» in Reinach. Investorin ist dort die Aargauische Pensionskasse.

Diese Art des Wohnens ist gefragt. Neue «Case» sind im Aargau geplant. Zum Beispiel in Seengen. Trotzdem erstaunlich: In der «Casa Schneggli», die im April vergangenen Jahres den Betrieb aufnahm, sind laut Betreibern noch mehr als ein Dutzend der 49 Wohnungen leer. Jens Diewald, Geschäftsleiter der beiden Alterssiedlungen, erklärt: «In eine Alterswohnung zu ziehen, ist eine schwierige Entscheidung. Viele Leute brauchen lang, bis sie sich definitiv entscheiden.» Diewald ist überzeugt, dass für die «Case» spreche, dass sie nichts mit Altersheimen zu tun hätten.

Einkommensabhängige Mieten

Eine Wohnung in Reinach kostet zwischen 1090 und 1680 Franken ohne Nebenkosten. Diewald ist der Meinung: «Das ist für jeden erschwinglich.»

Doch genau der Preis ist bei der Suche oft ein Stolperstein. «Die Alterswohnungen sind oft wunderschön, aber für viele Leute zu teuer», sagt Brigitta Bettin von der Informationsstelle Alter Aarau. Und auch Xaver Wittmer von Pro Senectute Aargau kennt das Problem. «Der Bedarf nach erschwinglichen Wohnformen für das Alter ist gross.»

Viele alte Menschen lebten von AHV und Ergänzungsleistungen. Und sie wohnten nun jahrelang in der gleichen Wohnung, in welcher der Mietzins kaum angepasst wurde. Es sei schwierig, für diese Menschen eine erschwingliche Alterswohnung zu finden. Die mögliche Folge: Diese Leute sind früher auf einen Platz in einem Alters- und Pflegeheim angewiesen. «Das ist volkswirtschaftlich die teurere Variante», sagt Wittmer. Eine mögliche Lösung wären für ihn einkommensabhängige Mieten bei Alterswohnungen.

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