Region

Frontalangriff: Kontroverse um Werbekampagne des GZF

Unter anderem mit Plakaten (hier in Frick) wirbt das Gesundheitszentrum Fricktal für sein Spital in Laufenburg.

Werber greift Kampagne des Gesundheitszentrums Fricktal frontal und massiv an – dieses reagiert gelassen.

Christoph Grenacher, Wort-Bändiger, ist kein Mann der leisen Töne. Dies zeigt der Kommunikationsberater und Journalist jede Woche in seiner Kolumne in der AZ – und dies zeigt er auch immer dann, wenn ihn ein Thema stark bewegt. Dann greift er in die Tasten und schreibt fadengerade, garniert oft mit «eme betzeli Mundart».

Das war beim Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) der Fall. Als dieses 2016 wegen der Reformpläne der Regierung akut gefährdet war, lancierte er kurzerhand eine Petition für den Erhalt des BZF. Sie wurde von 280 Unternehmern und Gewerbetreibenden sowie 14 Gemeinden unterzeichnet. Grenacher überreichte die Bittschrift Bildungsdirektor Alex Hürzeler und sie trug wohl dazu bei, dass die Zukunft des BZF breit diskutiert wurde – und dass es das BZF heute noch gibt.

Und das ist gerade jetzt bei jener Institution der Fall, die fast das gleiche Akronym hat wie das BZF: dem Gesundheitszentrum Fricktal, also dem GZF. Grenacher stört sich an der aktuellen Werbekampagne des Unternehmens für sein Spital in Laufenburg – und er hinterfragt sie sowohl inhaltlich als auch handwerklich.

Seinem Ärger Luft verschafft der Kommunikationsberater, der in Kaisten, Ortsteil Ittenthal, lebt und arbeitet, mit einem dreiseitigen offenen Brief an Katharina Hirt, Verwaltungsratspräsidentin des GZF, und an CEO Annelies Seiler. Den Claim, «im Spital Laufenburg laufts!», disqualifiziert er dabei kurzerhand als «blutleeren und wenig träfen Kernsatz, noch missverständlich dazu».

Von der Kampagne würde er erwarten, dass sie aufzeigt, was ein Spital im Fricktal besser macht als andere Mitbewerber. Diesen Anspruch löst die Kampagne seiner Ansicht aber nicht ein und so schlussfolgert er: «Kein Ansatz, keine Idee, keine Cleverness in den Botschaften, schon gar keine Exzellenz in der visuellen Aufbereitung.» Einzig den Ansatz, handelnde Menschen ins Zentrum der Kampagne zu stellen, findet er richtig – so es denn dem GZF um eine Imagekampagne gehe.

Böse Zungen könnten nun argwöhnen, Grenacher, der Kommunikationsberater, sei einfach sauer, dass er sich den Werbeauftrag, den nicht unlukrativen, nicht selber angeln konnte. Dem sei nicht so, schreibt er gleich selber, er sei «Ihnen überhaupt nicht böse, dass ich bisher wie künftig nie für Sie arbeiten durfte und arbeiten will».

Grenacher will Diskurs

Die Frage bleibt allerdings: Darf (und soll) ein Werber einen öffentlichen Diskurs über eine Werbekampagne lancieren, die von einem privaten Unternehmen – und das ist das GZF – lanciert wird? Ist das nicht allein Sache des Unternehmens? Grenacher, der genau diesen öffentlichen Diskurs will, findet: nein. Und er begründet dies damit, dass viele Leistungen, die das GZF erbringt, von den Krankenkassen und vom Kanton finanziert werden und das Geld, das in die Kampagne investiert wird, damit «ein klein bisschen auch unser Geld ist». Eine seiner vielen Fragen an die GZF-Leitung lautet denn auch: «Was kostet das Ganze?»

Infrage stellt Grenacher zudem, wie «opportun, aber auch wertschöpfend» es sei, mit werberischen Mitteln in die Diskussion um die Aargauer und Fricktaler Spitallandschaft einzugreifen. Hintergrund dafür ist zum einen die neue Spitalliste, die der Regierungsrat im Juni veröffentlichen will. Zum anderen die «Vision Spitallandschaft 2035», in der die Spitalversorgung im Aargau grundsätzlich überprüft und überdacht werden soll. In diesem Prozess werden auch Fragen beantwortet werden (müssen), welche Leistungen die Spitäler in den Regionen noch anbieten können und sollen – und ob, spezifisch für das Fricktal, zwei Spitäler in einer eher kleinen Region noch sinnvoll sind.

Grenacher ortet zudem einen Widerspruch in den Aussagen: Wenn die letztjährige Reorganisation am Standort Laufenburg, wie im Jahresbericht des GZF von Anneliese Seiler vermerkt, gelungen sei und von der Bevölkerung angenommen wurde, dann brauche es jetzt doch keine Kampagne, die den Leuten sage, dass es in Laufenburg nach wie vor ein Akutspital gebe.

Den happigsten Vorwurf äussert Grenacher in der Mitte des Briefes: «Das Spital Laufenburg hat seit Ewigkeiten primär ein Vertrauensproblem», schreibt er und führt, quasi als Beweisführung, mehrere Vorfälle der letzten Jahre an wie jenen von 2011, als Ärzte, die keinen universitären Doktor-Titel hatten, als «Dr. med.» angeschrieben durch die Gänge des GZF liefen. «Der grundsätzliche Vertrauensverlust, nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei den zuweisenden Ärzten ist (leider) immer noch nicht behoben», will Grenacher wissen. Nun lasse sich aber dieser verloren gegangene Kredit «nicht einfach im Fundbüro abholen». Vertrauensaufbau sei jahrelange Kleinarbeit in Demut.

GZF spricht von «Frust-Dumping»

Und wie reagiert das GZF auf den Brief, die Fragen und den Ton? Recht gelassen. «Es gibt vereinzelt Menschen, die Vorbehalte und Unmut auf fragwürdige Weise kundtun», schreibt GZF-Sprecherin Miriam Crespo auf Anfrage der AZ in einem kurzen Statement zum offenen Brief. Auf die Vorwürfe oder Fragen geht sie darin nicht ein.

Für diese Art von «Frust-Dumping» stehe das GZF nicht zur Verfügung, schreibt Crespo. «Vielmehr konzentrieren wir unsere Kompetenzen, unsere Ressourcen und unser Engagement auf diejenigen Menschen im Fricktal, die sich mit uns an einem konstruktiven Dialog beteiligen und sich für eine gute Versorgung in ihrer Region starkmachen.» Für all diese engagierten Menschen – «von unseren Mitarbeitenden über die ansässigen Hausärzte, von den Patienten und der Fricktaler Bevölkerung bis hin zu unseren zahlreichen politischen Partnern» – sei diese Kampagne und die Botschaft: «Im Spital Laufeburg laufts!»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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