Zeihen
«Frohsinn» wurde kurz vor 100-Jahr-Jubiläum geschlossen

Erika und Kurt Birri suchen einen Käufer für das Gasthaus Frohsinn und die Nebengebäude. Im Moment nutzen sie das Säli aber noch für eine Ausstellung von selbst gefertigten Kunsthandwerken.

Karin Pfister
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Kurt und Erika Birri wirteten über 30 Jahre im Zeiher «Frohsinn». kpf

Kurt und Erika Birri wirteten über 30 Jahre im Zeiher «Frohsinn». kpf

Wer abends am «Frohsinn» vorbeifährt, sieht oft Licht brennen im Restaurant, obwohl das Gasthaus seit einiger Zeit nicht mehr geöffnet ist. «Der Gastraum ist unsere Stube», erzählt Wirtin Erika Birri, die das Restaurant in dritter Generation geführt hat.

Über 30 Jahre haben Erika und Kurt Birri in Zeihen im Restaurant Frohsinn gewirtet. Seit letztem Sommer ist das Restaurant geschlossen. Grund für das Aus waren einerseits gesundheitliche Gründe und andererseits die Veränderung bei der Kundschaft. «Das Znüni lief sehr gut, bis zum Schluss», erzählt Erika Birri. Aber abends habe sich in den letzten Jahren bemerkbar gemacht, dass die Leute – wohl bedingt durch Internet, Fernsehen und das immer grösser werdende Freizeitangebot – weniger in die Beiz gehen. «Der Stammtisch, so wie es ihn früher gab, existierte nicht mehr», so Erika Birri weiter.

Fast 100 Jahre in Familienbesitz

Dazu kamen die enormen Präsenzzeiten. Die gelernte Köchin Erika Birri hat den «Frohsinn» fast alleine geführt, ihr Mann Kurt hat immer 100 Prozent auswärts als Maschinenmechaniker gearbeitet und in seiner Freizeit im Restaurant geholfen. «Ich war von morgens um sieben bis spät abends fast durchgehend beschäftigt. Da ich seit einigen Jahren gesundheitlich angeschlagen bin, wurde dies immer schwieriger. Im letzten Sommer habe ich mir den Fuss gebrochen. Wir haben uns dann entschieden, nach den Sommerferien nicht mehr aufzumachen.»

Der «Frohsinn» ist seit fast 100 Jahren im Familienbesitz. 1913 haben Karl und Marie Birri-Welti – die Grosseltern von Kurt Birri – das Gasthaus gepachtet und 1914 gekauft. Die «Eintracht» wurde in «Frohsinn» umgetauft. Bis 1968 hat das Ehepaar gewirtet, nebenbei wurde eine kleine Landwirtschaft und eine Bäckerei geführt. Ein prägendes Ereignis in der «Frohsinn»-Geschichte war der Brand 1931, welcher das Aus für die Bäckerei bedeutete. Unter dem Zukauf von einigen Nebengebäuden wurde ein Neubau erstellt. In diesem wurde auch der Laden der Landwirtschaftlichen Genossenschaft untergebracht. Dieser wurde von Marie Birri und ihrer Tochter Hedy geführt. Hedy Birri wohnte übrigens bis vor zwei Jahren im Gebäude des Restaurant Frohsinn. Aus gesundheitlichen Gründen ist die 94-Jährige ins Altersheim Laufenburg umgezogen.

1968 übergaben Karl und Marie Birri den «Frohsinn» an Sohn Georg und Schwiegertochter Elsa. Elsa Birri war fürs Wirtshaus zuständig und Georg führte die Tankstelle in Effingen. Seit 1982 ist das Restaurant in den Händen von Erika und Kurt Birri. Erika Birri erinnert sich gerne an ihre lange Wirtetätigkeit. «Schon meine Schwiegermutter hat jeweils gesagt, Zeihen ist wie ein zweites Arosa. Wenig Nebel und viel Sonne. Wir hatten zwei Gäste aus Baden, die jeweils am Morgen angerufen und gefragt haben, ob in Zeihen die Sonne scheint. Bejahte ich, setzten sie sich ins Auto, gingen spazieren und dann bei uns essen.» Eine sehr strenge Zeit sei gewesen, als Sohn Thomas, der quasi im Restaurant aufgewachsen ist, ein Kleinkind war. «Ich musste kochen und gleichzeitig ein Baby betreuen. Ich weiss heute nicht mehr, wie ich das geschafft habe.»

Durchgangsverkehr fehlte

Ein Einschnitt sei gewesen, als in Zeihen kein Militär mehr einquartiert wurde. «Das haben wir beim Umsatz bemerkt. Und auch, dass Zeihen keinen Durchgangsverkehr hat. «Bis zum Schluss sei aber das Geschäft im Sommer gut gelaufen, auch dank der grossen Gartenwirtschaft. «Ich möchte deshalb auch gerne meiner langjährigen Kundschaft danken.»

Auch wenn man den Eindruck hat, dass Erika Birri der Abschied vom Wirten nicht ganz leicht gefallen ist, so gibt es doch auch Positives zu berichten. «Kurt und ich haben nun zusammen frei. Vorher habe ich 30 Jahre lang fast jedes Wochenende gearbeitet.» Wie es mit dem Frohsinn weiter geht, wissen sie noch nicht. Momentan suchen sie einen Käufer für das Gebäude, welches neben Restaurant auch verschiedene Säli, Nebengebäude und Wohnungen beinhaltet.

Erika Birri macht schon seit längerem Glasfusing. Die daraus entstandenen Kunsthandwerke sind nun im Säli – dort, wo früher der Volg war – ausgestellt. Jeden Montagnachmittag ist das Lädeli von 13.30 Uhr bis 16 Uhr geöffnet. Und auch der «Frohsinn» ist geöffnet. In der Gaststube gibt es Kaffee.