Fricktal

Frösche und Kröten in Eimern über die Strasse – doch die Naturschützer machen sich Sorgen

Während der Amphibienwanderung transportieren Naturschützer auch im Fricktal Frösche und Kröten über die Strassen. Archiv/Hanspeter Bärtschi

Während der Amphibienwanderung transportieren Naturschützer auch im Fricktal Frösche und Kröten über die Strassen. Archiv/Hanspeter Bärtschi

Die Amphibienwanderung ist im Gang – Fricktaler Naturschützer und Schüler sind im Einsatz für Frösche und Kröten.

Jeden Frühling machen sich Amphibien – hauptsächlich Grasfrösche, Erdkröten und Bergmolche – auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Dies sind stille Gewässer wie Weiher oder Teiche im Wald oder in Waldnähe, wie Bruno Schelbert, Projektleiter in der kantonalen Sektion Natur und Landschaft, sagt. Führt die Route dieses Amphibienzugs über Strassen, ist die Wanderung für die Tiere mit einem grossen Risiko verbunden.

Der Kanton sei derzeit daran, seine Liste mit den wichtigsten Amphibienzugstellen zu überarbeiten, sagt Schelbert. Grundsätzlich gebe es aber im Fricktal, gerade in den Gemeinden entlang des Rheins, viele Amphibiengewässer und demzufolge auch viele Amphibien. Doch nicht nur entlang des Rheins gibt es bekannte Zugstellen. «Die höchstgelegene Zugstelle befindet sich im Gebiet der Pilgerhöfe in Oberhof», so der Experte.

Nächte sind noch zu kalt

Die Wanderung der Frösche, Kröten und Molche hat gemäss Bruno Schelbert in der vergangenen Woche langsam eingesetzt. Aufgrund der langjährigen Erfahrungen gehe man beim Kanton davon aus, dass über 90 Prozent der Amphibien zwischen dem 24. Februar und dem 12. April wandern, erklärt Schelbert. «Dieses Jahr hat der Zug am 25. Februar begonnen.» In den letzten Tagen habe er sich aber wieder ziemlich abgeschwächt. Grund dafür sind die kalten Nächte. «Amphibien wandern nur, wenn es nachts wärmer ist als fünf Grad», so Schelbert. Der Grossteil der Wanderungen stehe also noch bevor.

Dies ist auch den Fricktaler Naturschutzvereinen bekannt. Am Wochenende stehen etwa die Mitglieder des Naturschutzvereins Kaiseraugst zum Schutz der Amphibien im Einsatz. «Im Bereich des Hardweihers errichten wir entlang der Strasse einen Amphibienschutzzaun», sagt Paul Füglistaller, Präsident des Naturschutzvereins Kaiseraugst. Dieser verhindert, dass die Tiere die Strasse überqueren, und leitet sie in eine Unterführung, die ihnen seit einigen Jahren ein sicheres Unterqueren der Strasse ermöglicht.

Schutzzäune und Kübel

Auch in Herznach waren die Naturschützer in den letzten Tagen aktiv. Am Donnerstag haben sie an der Bergwerkstrasse den Zaun aufgestellt und Eimer vergraben, in denen die Tiere dann morgens über die Strasse getragen werden können. Um die 1000 Tiere pro Jahr habe man in den vergangenen Jahren so sicher auf die andere Strassenseite transportiert, sagt Verena Kläusler, Präsidentin des Naturvereins Herznach-Ueken.

Das gleiche System wird auch im Mettauertal angewendet, wie Ruedi Bölle, Präsident des Natur- und Vogelschutzverein Güch, sagt. Vor der Ortseinfahrt Mettau haben Bölle und seine Mitstreiter den Schutzzaun bereits vor einigen Tagen aufgestellt «und alle 20 bis 30 Meter einen Kübel vergraben». Bölle bestätigt jedoch die Beobachtungen von Bruno Schelbert. «Letzte Woche hatten wir an einem Morgen 25 Tiere in den Kübeln.» Diese Woche konnten dagegen noch keine Tiere über die Strasse getragen werden. Dennoch hat Bölle im naheliegenden Weiher bereits 60 bis 70 Laichballen gezählt. «Viele Frösche und Kröten wandern hangabwärts zum Weiher und müssen die Strasse gar nicht überqueren.»

Ruedi Bölle hofft, dass noch viele querende Tiere und viele Laichballen dazu kommen. Denn er macht sich etwas Sorgen um den Amphibienbestand. «Früher transportierten wir jährlich rund 700 bis 1000 Tiere über die Strasse. In den letzten beiden Jahren waren es nur noch rund 300.» Gesicherte Aussagen, warum dies so sei, könne man noch nicht machen, so Bölle weiter. Man vermute aber, dass es mit den heissen, trockenen Sommern zusammenhänge.

Schul-Aktion in Mumpf

Erstmals über die Strasse getragen werden Kröten und Frösche in Mumpf an der Kapfstrasse. In den vergangenen Jahren wurde die Strasse jeweils während der Amphibienwanderung über Nacht gesperrt. Dieses Jahr wurden im Rahmen eines Schulprojekts Schutzzäune montiert und Schüler transportieren die Tiere morgens in den Eimern über die Strasse und zählen die Exemplare.

Einen anderen Ansatz wählt der Naturschutzverein Frick. «Wir stellen in den kommenden Tagen 16 Warnschilder auf», sagt Präsident Thomas Zehnder. Die Hinweistafeln werden an der Peripherie der Gemeinde platziert. Seit Jahren setzen die Fricker auf diese Art der Prävention, haben aber für dieses Jahr neuer Schilder angefertigt. Die Naturschützer wollen die Automobilisten damit für die Amphibienwanderung sensibilisieren und erreichen, dass sie langsamer fahren.

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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