Fricktal/Südbaden
Da staunt sogar der Experte: Regionale Heimatforscher graben wieder Neues und Unbekanntes aus

Der Rhein bildet lange schon die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Und doch waren und sind beide Flussseiten eng miteinander verknüpft. Die 94. Jahresschrift «Vom Jura zum Schwarzwald», herausgegeben von der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde, zeigt das.

Hans Christof Wagner
Drucken
Teilen
Am neuen Band «Vom Jura zum Schwarzwald» haben wieder einige Autoren mitgeschrieben, zur Freude von Linus Hüsser (oben links).

Am neuen Band «Vom Jura zum Schwarzwald» haben wieder einige Autoren mitgeschrieben, zur Freude von Linus Hüsser (oben links).

hcw (Möhlin,
24. September 2021)

Der 94. Jahrgang der Schriftenreihe «Vom Jura zum Schwarzwald», herausgegeben von der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde, ist erschienen. Schriftleiter Linus Hüsser sagte bei der Vorstellung in der Villa Kym in Möhlin:

«Uns geht der Stoff nie aus. Ich hätte mit dem mir vorliegenden Material wieder zwei Bände füllen können.»

Doch auch schon der jetzt neu erschienene ist mehr als 130 Seiten stark und umfasst sieben Aufsätze.

Hüsser räumte es auf Nachfrage ein: Der Beitrag «Ist bey uns gott sey dank die hebam wohlerfahren: Zur Umsetzung der habsburgischen Hebammenreformen im Fricktal» hat ihn, den Kenner der Regionalgeschichte, überrascht.

Von Paris zurück nach Stein

Autorin Sophie Fäs aus Möhlin, deren Masterarbeit an der Uni Basel dem Beitrag zugrunde liegt, arbeitet darin heraus, wie die Frauen in den Fricktaler Dörfern Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts ihr Recht wahrnahmen, die für sie zuständigen Hebammen eigenständig zu wählen – und das in aller Öffentlichkeit. «Das Thema hat mich so fasziniert, dass ich darüber auch meine Doktorarbeit schreiben werde», sagte Fäs zur AZ.

Was hat das Steiner Lindt-Haus an der Holzbrücke mit dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zu tun? So manches – wie der im Band publizierte Aufsatz von Eveline Klein, Leiterin des Bad Säckinger Stadtarchivs, zeigt. Bindeglied ist Rittmeister Arnold Malzacher, der an dem Krieg vor 150 Jahren teilnahm und dessen Bruder in Stein eine Zigarren- und Tabakfabrik betrieb – eben in jenem Lindt-Haus am Rheinufer.

Ebbe im Portemonnaie der Weberin

Von einer Zeit, in der Fricktaler zum Arbeiten nach Deutschland gingen, handelt der Beitrag von Reinhard Valenta, früherer Kulturamtsleiter der Stadt Wehr: «Das Webbüchlein der Frau Rosa Kramer: Löhne und Gehälter in der hochrheinischen Textilindustrie um 1900.» Weil dieses Dokument erhalten geblieben ist, konnte Valenta rekonstruieren, was seinerzeit Arbeiter, das heisst überwiegend Arbeiterinnen, verdienten.

Nun mag die Textilindustrie als solche Wohlstand in die Region gebracht haben. Aber, so Valentas Tenor: In Rosa Kramers Portemonnaie war dennoch meist Ebbe und vieles leisten konnte sie sich von ihrem schmalen Salär nicht. Und sie erlebte die Lohnungleichheit in ihrem Betrieb tagtäglich. Hatten doch die leitenden Angestellten und die Firmenchefs weit mehr in der Tasche als sie.

Aktuelle Nachrichten