Tsunami

Fricktaler Würfel bringen Strom ins Krisengebiet

Katastrophenhilfe aus dem Fricktal: Power-Blox-Würfel werden in Belp ins Flugzeug verladen und nach Palu geflogen.

Vor zwei Wochen brachte ein Tsunami Tod und Zerstörung auf die indonesische Insel Sulawesi. Für die Trinkwasseraufbereitung im Katastrophengebiet liefern die «Power-Blox»-Würfel Strom. Sie stammen von einer Fricktaler Firma.

Ein Erdbeben und ein Tsunami haben auf der indonesischen Insel Sulawesi vor zwei Wochen für Tod und Zerstörung gesorgt. Über 2000 Menschen kamen bei der Naturkatastrophe ums Leben, rund 5000 sind weiterhin vermisst. Mittlerweile ist die internationale Hilfe angelaufen und auch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) hat 13 Expertinnen und Experten in die Stadt Palu entsandt – und diese haben erstmals zehn Stromwürfel der Fricktaler Firma Power-Blox im Gepäck.

Die Firma, die ursprünglich in Laufenburg gegründet wurde und nun nach einem Abstecher nach Brugg in Frick ansässig ist, hat ihre Forschungen und Entwicklungen mit der Idee gestartet, die Energieversorgung in Drittweltländern zu revolutionieren. Sie setzt dabei auf das Schwarmprinzip. Die stapelbaren Stromwürfel können direkt an eine Energiequelle - bislang hauptsächlich ein Solarpanel – angeschlossen werden. So wird eine integrierte Batterie gespeist. Dort kann die Energie entweder gespeichert oder direkt via Steckdosen und USB-Anschluss genutzt werden.

Marktreif wurde der Würfel vor gut anderthalb Jahren. Mit der DEZA stehe man schon länger in Kontakt, sagt Alessandro Medici, Mitgründer und Chief Technology Officer von Power-Blox. Zur Trinkwasserdesinfektion in Krisengebieten brauche es eine Elektrolyse und dafür wiederum Strom, so Medici. Die Stromlösung für die Wasseraufbereitung hat Power-Blox zusammen mit der DEZA erarbeitet. «Wir haben eine Spezialversion unseres Würfels entwickelt», erklärt Medici. In diesen könnten kleine Batterien, die im Handgepäck in die Krisenregion mitgenommen werden können, eingesetzt werden.

«Überhaupt wird man im humanitären Bereich langsam auf uns aufmerksam», sagt Medici. Möglich, dass durch den ersten Einsatz im Katastrophen-Gebiet diese Aufmerksamkeit weiter zunimmt, wenn andere Hilfsorganisationen die Fricktaler Würfel ebenfalls zu Gesicht bekommen.

Pilotprojekt in Mali

Der Ansatz, in Drittweltländern die Stromversorgung mit den Würfeln auf ein neues Level zu heben, stellte sich als schwierig heraus, gibt Medici zu. «Es ist nicht einfach, an Projekte heranzukommen. Diese sind oftmals sehr umfassend, was bedeutet, dass es auch lange Entscheidungswege gibt.» Zusammen mit einem belgischen Partner läuft jedoch derzeit etwa ein Pilotprojekt in einem kleinen Dorf in Mali. An einen Power-Hub mit 14 Stromwürfeln sind dort 70 Haushalte angeschlossen. Die Stromabnehmer bezahlen im PrepaidSystem. In nächster Zeit sollen vier weitere Dörfer in Mali und eines in Burkina Faso mit solchen Stromstationen ausgerüstet werden. «Dort sind auch mehrere Power-Hubs pro Dorf geplant», so Medici. Ziel sei es dabei, möglichst wenige Leitungen zu verlegen.

Weiter könne der Würfel auch zur Basis eines Geschäftsmodells in abgelegenen Regionen werden, sagt Medici. Beispielsweise wenn sich jemand mit dem Würfel auch ein Multi-Ladegerät anschafft und dann andere Dorfbewohner gegen ein Entgelt ihre Handys dort laden können.

Elektrifizierung von Alphütten

Doch nicht nur in Drittweltregionen oder in Krisengebieten stehen die Power-Blox im Einsatz. Auch in der Schweiz sorgen die Würfel für Strom. «Wir haben eine Ausschreibung der Swisscom zur Elektrifizierung von Alphütten gewonnen», so Medici. Mit den Ausschlag gegeben habe sicherlich die einfache Installation der Würfel, die ohne Spezialisten möglich ist, ist der Power-Blox-Gründer überzeugt. Und so sind derzeit Swisscom-Installeure landauf, landab unterwegs und installieren in Alphütten wöchentlich bis zu 25 Solarpanels und Stromwürfel.

In den nächsten Jahren will Power-Blox weiter in die Forschung und Entwicklung investieren und kontinuierlich wachsen. Derzeit hat die Firma sieben Angestellte, plus vier Personen, die bei Partnern angestellt sind, aber fast ausschliesslich für Power-Blox arbeiten. «Es war viel Arbeit, den Menschen unsere Herangehensweise und unsere Idee näher zu bringen», sagt Medici. «Ich habe aber den Eindruck, dass wir mittlerweile ernst genommen werden.»

Und wie sieht es in Sachen Konkurrenz aus? Gibt es noch keine Grosskonzerne, die die Power-Blox-Idee kopieren? «Wir sind immer noch die Einzigen, die im Wechselstrom-Bereich den Schwarm-Ansatz so verfolgen», sagt Medici. Und man habe die Idee weltweit mit Patenten geschützt. Allerdings werde die Konkurrenz gleichwohl zunehmen, «je bekannter wir werden».

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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