Rheinfelden

Fricktaler will rumänische Kriminaltouristen mit Film abschrecken – Bund unterstützt ihn nicht

Repression ist gut, Prävention besser: Michael Derrer will mit Aufklärungsarbeit den Kriminaltourismus einschränken.

Repression ist gut, Prävention besser: Michael Derrer will mit Aufklärungsarbeit den Kriminaltourismus einschränken.

Michael Derrer aus Rheinfelden will einen Film drehen, um Kriminaltouristen abzuschrecken – doch weder der Kanton noch der Staat hilft ihm dabei.

Michael Derrer, Laienrichter, Justizdolmetscher, Hochschuldozent und Unternehmensberater krempelt die Ärmel hoch. Dies schon seit drei Jahren im Kampf gegen den Kriminaltourismus aus Osteuropa.

Reisen nach Rumänien, Gespräche mit dortigen hochrangigen Politikern und Journalisten sowie Eindrücke aus Gerichtsverhandlungen haben die These des 51-Jährigen aus Rheinfelden bestätigt. «Junge Menschen, denen die Straffälligkeit im Ausland als eine mögliche Option präsentiert wird, werden von kriminellen Banden angeworben und von diesen als Kanonenfutter verwendet.»

Bei der Anwerbung der Kriminaltouristen zeichneten die Banden ein Bild einer «zahnlosen Schweizer Justiz». Gleichzeitig werden Diebstähle und Einbrüche verharmlost, nach dem Motto, «das sei nicht viel schlimmer als Schwarzarbeit», so Derrer.

In einer Kampagne hat Derrer rund 30 Artikel und Interviews in der rumänischen Medienlandschaft platziert, um dieses verharmlosende Bild richtigzustellen (die AZ berichtete). «Das reicht natürlich noch lange nicht», sagt Derrer. «Es ist eine zielgruppengerechte Kommunikation über die geeigneten Kanäle notwendig.»

Daher verfolgt Derrer die Idee, eine Reportage über die Repressionen von Einbruchsdiebstählen in der Schweiz durch ein rumänisches Fernseh-Team drehen zu lassen. «Der Film kann Interviews mit Häftlingen, Polizisten und Staatsanwälten oder Polizeiaktionen wie den Einsatz von Helikoptern oder Hunden zeigen», sagt Derrer.

Der Film solle jedoch nicht nur die Konsequenzen der Straffälligkeit aufzeigen, sondern auch Alternativen zu dieser. «Eine Idee ist, Szenen von erfolgreich integrierten Rumänen, die in Westeuropa einen Arbeitsplatz gefunden haben, in den Dokumentarfilm zu integrieren», sagt Derrer. Anschliessend könnten Sequenzen dieser TV-Reportage via Youtube und Facebook gezeigt werden, um die Reichweite zu steigern. Für dieses Vorhaben und weitere Massnahmen schätzt Derrer die Kosten auf 75'000 bis 100'000 Franken.

Ziel der Medienkampagne sei es, die Zahl von rumänischen Kriminaltouristen in der Schweiz um 20 Prozent zu senken. «Konservativ geschätzt, bedeutet dies Einsparungen von fünf bis zehn Millionen Franken pro Jahr», sagt Derrer. Sobald durch die Medienkampagne nur ein einziger Kriminaltourist davon abgehalten werde, in die Schweiz zu reisen, seien die Kosten der Kampagne bereits amortisiert. So verursache ein Kriminaltourist, der nach acht Monaten Untersuchungshaft in der Schweiz gerichtlich verurteilt wird, Kosten von rund 80'000 Franken, so Derrer.

Derrer sucht Unterstützung

Um das Projekt zu stemmen, hat Derrer einen Finanzierungsantrag bei der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren gestellt. Zwar habe diese das Projekt begrüsst, konnte jedoch keinen positiven Bescheid aufgrund des internationalen Charakters der Massnahmen und der damit verbundenen Kompetenzüberschreitung geben, sagt Derrer.

Auch eine politische Ebene höher erhielt Derrer für die Finanzierung eine Absage. Das Bundesamt für Polizei begründete diese damit, dass der Kriminaltourismus aus Rumänien keine kriminalstrategische Priorität darstellt, so Derrer.

Verhehlen kann Derrer nicht, dass er nach den Absagen ein wenig irritiert war. «Die Ursache eines wichtigen Problems ist erkannt und eine Lösung liegt vor – doch das System dreht im alten Takt weiter und produziert enorme Kosten.» Für Derrer ist klar, dass sich der Staat nicht nur darauf beschränken könne, Verbrecher zu fassen und zu bestrafen, viel mehr müsse er alles in Bewegung setzen, damit Verbrechen erst gar nicht stattfänden.

Das Aus für die Kampagne bedeuteten die Absagen nicht. «Ich werde nun schauen, ob ich bei privaten Unternehmen auf Unterstützung stosse.»

Autor

Dennis Kalt

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