Leerstand

Fricktaler Vermieter von Gewerbeflächen werden immer kulanter

In der Marktgasse in Rheinfelden stehen schon länger etliche Ladenlokale leer.

In der Marktgasse in Rheinfelden stehen schon länger etliche Ladenlokale leer.

Im Fricktal lässt die Coronakrise den Leerstand an Laden- und Büroflächen wachsen, was die Branche erfinderisch macht.

Schon im Frühjahr hätte es am Widenboulevard in Frick soweit sein sollen: Frick & Vital, nach eigenen Angaben ein Gesundheitszentrum, sollte neben der Denner-Filiale eröffnen. Dann kam Corona. Verständlich, dass nach zwei Monaten Zwangspause für die Fitness-Branche und grosser Unsicherheit bei den Hygiene-Anforderungen bis heute eine Neueröffnung in diesem Segment nicht in Frage kam. Doch jetzt soll laut Auskunft von Betreiber Tobias Grötsch die Eröffnung am 4. Dezember erfolgen. Das wird Simon Giess von der Anton Giess AG in Rheinfelden, Vermieter der Räumlichkeiten, freuen. Der kann jetzt verkünden: «Jetzt fehlt uns noch ein Mieter für die 200 Quadratmeter Gewerbefläche hinter der CSS. Dann sind alle Gewerberäume im Widenboulevard vermietet.»

Auf dem Areal Kaiserstrasse in Rheinfelden, auch unter der Regie der Anton Giess AG entstanden, warten noch etwa 500 Quadratmeter an Gewerbeflächen Giess zufolge auf Nutzer. Hatte Giess anfangs noch Käufer im Auge, denen man die Räume im Rohbau anbot, ist das Unternehmen jetzt auf Mieter fokussiert, für die es den Ausbau selbst übernimmt. «Damit dürften die Probleme, die Flächen erfolgreich zu vermarkten, der Vergangenheit angehören», glaubt Giess. Zu verkaufen komme jetzt nicht mehr in Frage

«Auch wir haben jetzt damit angefangen ausgebaut und entsprechend teurer zu vermieten, vor allem im Bürobereich», berichtet Thomas Kraft von der PSP Swiss Property, Projektleiter für den Salmenpark in Rheinfelden. Dort stehen aktuell 1800 Quadratmeter Laden- und Büroflächen leer, die zum Verkauf und zur Vermietung ausgeschrieben sind. «Wir haben unseren Leerstand laufend abgebaut», sagt Kraft. Es gebe schon Interessenten. Andererseits seien diese wählerischer geworden, könnten aus einem grossen Angebot auswählen und liessen sich auch sonst mehr Zeit als früher. Dass der Vertragsabschluss daran scheitert, dass der Vermieter zu anspruchsvoll ist oder die Miete zu hoch, glaubt Kraft nicht. Auf die Frage nach seinem Wunschmieter antwortet er: «Ein Gastronom wäre herzlich willkommen. Der wäre sicher ein Frequenzbringer.»

20 Prozent Leerstand in der Rheinfelder Altstadt

Einen solchen hätte auch die Rheinfelder Altstadt gern. Dort stehen laut Sarina Pensa von den Läden in der Markt- und Kupfergasse rund 20 Prozent leer. Sie hat als 2020 neu eingestellte City-Managerin viele Monate damit verbracht, eine Bestandsanalyse des Rheinfelder Einzelhandels zu erstellen und die Besitzverhältnisse abzuklären. Jetzt soll der Prozess weitergehen. Indem sich Lädeler und Liegenschaftsbesitzer zusammentun und das Angebot in der Altstadt so neu aufstellen, dass es gegenüber dem Einkaufstourismus und dem Online-Shopping eine Chance hat. Pensa sagt: «Meine Einschätzung ist, das Thema langfristig zu bearbeiten.» Doch auch darum, kurzfristig Leerstände zu beseitigen, kümmert sich Rheinfeldens Noch-City-Managerin – sie hat auf Ende Jahr gekündigt. Zwischennutzungen oder Pop-up-Stores, temporär als Laden genutzte Flächen, lauten die Stichwörter, gerade in der bevorstehenden Adventszeit. «Ich vermittle das, stosse bei den Hausbesitzern aber auch auf Skepsis», sagt Pensa. Manche hielten das für zu riskant.

Da ist sie schon froh, wenn es gelingt, die Schaufenster zu dekorieren. Auf dass der Leerstand nicht allzu offensichtlich ist.

Meistgesehen

Artboard 1