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Fricktaler Surflehrer strandet in der alten Heimat: «Wir haben in der Schweiz den Joker gezogen»

Christian Wunderlin aus Stein arbeitete als Surflehrer in der ganzen Welt. Jetzt wohnt er wieder im Fricktal – für wie lange, ist offen. Zu seiner Heimat sagt er: «Ich schätze die Schweiz sehr. «Wir haben hier wirklich den Joker gezogen, gerade im Vergleich mit anderen Ländern, die ich schon gesehen habe.»

Mauritius, Kapverden, Fuerteventura, Dominikanische Republik, Ägypten und zuletzt Teneriffa – Christian Wunderlin hat dort gelebt, wo andere Ferien machen.

Rund 15 Jahre lang war der heute 46-Jährige an den schönsten Flecken dieser Welt als Surflehrer und Leiter von Surfstationen tätig. Vor einem Jahr kehrte er zurück in seine Heimat. Und die ist: das Fricktal.

Aufgewachsen ist Wunderlin in Stein, in einem Haus direkt am Rhein. «Unsere Mutter wusste, dass sie meinen Bruder und mich nicht vom Fluss wird fernhalten können. Also brachte sie uns ganz früh das Schwimmen bei», erzählt er.

Die Liebe zum Wasser hat er damals entdeckt. Surfen aber, das war noch weit weg.

Erst absolvierte Wunderlin eine kaufmännische Lehre. Mehr, «weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte», als aus echter Begeisterung für den Job.

Einige Jahre arbeitete er bei einer Versicherung, bis es ihn erstmals für über ein Jahr in die Ferne zog. Südamerika, Australien, Asien, die USA.

Wunderlin wollte die Welt sehen. «Ich arbeitete immer so lange in der Schweiz, bis ich wieder genug Geld für die nächste Reise gespart hatte», sagt er.

«Ich hatte erst Bedenken, ob ich hier glücklich werden kann»: Fricktal-Rückkehrer Christian Wunderlin.

«Ich hatte erst Bedenken, ob ich hier glücklich werden kann»: Fricktal-Rückkehrer Christian Wunderlin.

Neue Destinationen

Die Begeisterung für den Surfsport entdeckte er nicht irgendwo in der Ferne, sie packte ihn in der Schweiz.

Ein Freund zeigte ihm das Windsurfen. Und er verbrachte Stunden auf dem Gardasee in Italien, um es zu lernen. «Von da an änderten sich meine Reise-Destinationen.»

Er erzählt von den frühen Morgenstunden auf dem Wasser vor Teneriffa. Von den Momenten, wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist, den Himmel aber langsam erhellt.

Wenn über der Insel absolute Stille liegt und er draussen auf dem Meer auf die ersten Wellen wartet. «Um es mal philosophisch auszudrücken: Ich glaube, da bin ich am nächsten daran, eins zu werden mit der Welt und dem Universum», sagt Wunderlin.

Zurück in die Schweiz

Es ist das, was ihm am meisten fehlt in der Schweiz: Das Meer und die Weite des Horizonts, die ihm das Gefühl der Freiheit geben.

Seit einem Jahr lebt Christian Wunderlin mit seiner Freundin wieder in der Heimat. Er hätte noch länger auf Teneriffa bleiben können, sie aber zog es zurück zur Familie.

«Die Nähe der Familie, die Sicherheit in der Schweiz und die Möglichkeiten, die einem dieses Land bietet – all das schätze ich sehr», sagt Wunderlin. «Wir haben in der Schweiz wirklich den Joker gezogen, gerade im Vergleich mit anderen Ländern, die ich schon gesehen habe.»

Drei Standbeine hat er sich hier aufgebaut. Er arbeitet als Schwimmlehrer, hilft als Badmeister aus und hat einen Surf-Shop (www.stonesurf.ch) in Stein. Dort bietet er Kurse im «Stand-up-Paddling», «Wind- und Kite-Surfen» an. Er möchte andere für seine Leidenschaft begeistern, denn: «All das ist auch im Fricktal möglich», sagt er.
Trotz des Lobes für die alte und neue Heimat – Wunderlin hält sich die Möglichkeit offen, der Schweiz wieder einmal «bis bald» zu sagen. «Wie lange wir bleiben? Keine Ahnung. Das Fricktal ist jetzt einfach mal die nächste Destination. Was kommt, werden wir sehen.»

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