Vatikan

Fricktaler Seelsorger wollen kein Geld mehr für den Papst sammeln

Widerstand gegen den Papst aus dem Fricktal(Archiv)

Widerstand gegen den Papst aus dem Fricktal(Archiv)

Korruption, Verrat und Machtkämpfe im Vatikan: Jetzt haben Seelsorger aus dem Fricktal genug. Sie wollen ein Zeichen setzen und verzichten auf den Einzug des Papstopfers. Stattdessen unterstützen sie notleidende Menschen.

«Die Schlagzeilen, die uns aus dem Vatikan in diesen Wochen erreichen, machen ohnmächtig und zornig», schreiben die Gemeindeleiter des Seelsorgeverbandes Tierstein in einem Leserbrief in der az.

Sie sind erzürnt ob den jüngsten Skandalen aus dem Vatikan. «Immer neue interne Dokumente kommen auf dubiosen Wegen in die Medien. Sie erzählen von Korruption, Intrigen und Machtkämpfen, wie sie nur in einem absoluten und hierarchischen System gedeihen können.»

«Solche Schlagzeilen schädigen das Image der katholischen Kirche auch hierzulande und konterkarieren die Arbeit, die die Seelsorgenden und viele Ehrenamtliche in den Pfarreien leisten», schreiben die zehn Gemeindeleiter der römisch-kathlischen Kirche Fricktal.

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Auch die Negativ-Schlagzeilen, für die die Vatikanbank immer wieder sorgt, stosssen den Gemeindeleitern sauer auf: «Von der Bank des Kirchenstaates dürfte erwartet werden, dass sie von sich aus nach ethischen Kriterien wirtschaftet - also nichts mit Geldwäscherei und Schwarzgeld zu tun hat.»

Verzicht auf Papstopfer

Jedes Jahr müssen die katholischen Gemeinden den Papst mit dem sogenannten Peterspfenning, auch Papstopfer genannt, unterstützen. Durch die Abgabe sollen die Gläubigen ihrer Verbundenheit mit dem Papst und dessen Arbeit Ausdruck verleihen. In diesem Jahr wird Benedikt XVI. aus dem Fricktal weniger erhalten als üblich.Zehn Fricktaler Kirchgemeinden verzichten in diesem Jahr darauf, das Papstopfer einzuziehen. «Stattdessen nehmen wir die Kollekte auf für notleidende Menschen, die in unserem kirchlichen regionalen Sozialdienst Hilfe suchen.»

Für Bernhard Lindner, Gemeindeleiter von Oeschgen, geht es primär darum, ein Zeichen zu setzen: «Wir wollen damit deutlich machen, dass wir nicht alles von Seiten des Vatikans kommentarlos hinnehmen», bekräftigt er im Gespräch mit der az.

Vor allem die fehlende Transparenz stört ihn: «Normalerweise erfahren wir, was mit den Opfern geschieht», so Lindner. «Doch für welchen Zweck das Papstopfer eingesetzt wird, wissen wir nicht.»

Die Reaktionen anderer Kirchgemeinden seien unterschiedlich gewesen: «Einige haben gratuliert, andere hingegen konnten unsere Beweggründe nicht verstehen», erklärt Lindner.

Bistum Basel ist «not amused»

Nicht zu den Gratulanten gehört das Bistum Basel. «Wir sind nicht erfreut über diesen Entscheid einzelner Seelsorgenden im Fricktal», teilt Adrienne Suvada, Kommunikationsverantworliche des Bistums mit.

Sie weist darauf hin, dass das Papstopfer auch zu gemeinnützigen Zwecken eingesetzt werde. Das Nein zum Papstopfer gehe demnach am Ziel vorbei: «Den Nachteil tragen gute Projekte, denen dann die Geldmittel fehlen.»

Angst, dass weitere Gemeinden mit den Fricktalen sympathisieren könnten, hat Suvada nicht: «Wir wissen, dass dieser Aufruf nicht von allen Seelsorgenden im Dekanat geteilt wird.»

Trotzdem ist für sie klar, dass die aktuelle Situation nicht tragbar ist. Man werde deshalb das Gespräch mit den involvierten Personen suchen. «Wir sind zuversichtlich, dass hier eine mögliche Einigung erzielt werden kann.»

Rund 5'000 Franken kommen im Fricktal für das Papstopfer gewöhnlich zusammen. Eine Summe, die den Papst nicht schmerzen dürfte - solange sie ein Einzelfall bleibt.

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