Kommunikationsgruppen auf dem Handy – sogenannte Chats – gehören vielerorts zum Alltag an Oberstufenschulen dazu. Viele Lehrer empfinden es als praktisch, wenn sie Hausaufgaben oder kurzfristige Informationen mit dem Smartphone an die ganze Klasse weitergeben können. Und Schüler profitieren davon, Aufträge und Dokumente bequem und jederzeit abrufen zu können – das Handy ist ja heute eh meistens dabei.

Ende Mai hat Whatsapp die Alterslimite auf 16 Jahre erhöht, um die Anforderungen der neuen Europäischen Datenschutz-Grundverordnung zu erfüllen (die AZ berichtete). Als die «Sonntagszeitung» dann vermeldete, die Chat-Plattform sei jetzt für unter 16-Jährige «illegal», ging ein Raunen durch die Lehrerzimmer.

Zwar relativierte Medienjurist Martin Steiger mittlerweile auf seinem Blog, dass dies nicht stimme, denn es gebe keinen Straftatbestand, der eine solche Nutzung von Whatsapp unter Strafe stelle. Und doch sind Fricktaler Schulen seit der Verschärfung des Whatsapp-Reglements verunsichert, was sie noch dürfen und was nicht.

«Wir machen uns Gedanken, wie wir in Zukunft mit Whatsapp umgehen wollen», sagt Philipp Fischer, Gesamtschulleiter der Oberstufe GipfOberfrick. Man wolle abwarten, was der kantonale Schulleiterverband an seiner Sitzung Mitte Monat berät und ob gegebenenfalls eine Weisung herausgegeben werde.

Keine Chats mehr in Laufenburg

An der Kreisschule Regio Laufenburg ist man weiter gegangen. «Wir verzichten aktuell auf die Nutzung von Klassenchats», sagt Schulleiter Siegbert Jäckle. Er hofft, dass das kantonale Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) bald entsprechende Richtlinien herausgebe. Lothar Kühne, Schulleiter der Oberstufe Frick, wünscht sich eine einheitliche Lösung. «Es sollte nicht jede Schule ihren eigenen Umgang mit dem Thema haben», sagt er.

Die von der AZ angefragten Schulen haben alle grundsätzlich keine internen Weisungen, ob und wie in Whatsapp-Chats kommunziert werden soll. «Das entscheidet jeder Lehrer für sich», sagt Kühne. «Manche Lehrer haben auch eine eigene Internetseite, um Informationen an Eltern oder anstehende Prüfungen aufzuschalten», sagt Fischer. Auf solche Seiten hätten jeweils auch die Eltern Zugriff.

Neben der Kommunikation mit Whatsapp nutzen viele Fricktaler Schulen auch altbekannte Mittel, um Informationen an die Schüler und die Eltern zu bringen. «Bei uns gibt es noch das klassische Rundtelefon», sagt Lothar Kühne. Also jene Liste, die die Schüler abtelefonieren müssen, wenn beispielsweise ein Lehrer krank ist und eine Stunde ausfällt. Auch per E-Mail werde viel an die Eltern verschickt.

Noch kein Thema in Primarschule

Auch Markus Obrist, Schulleiter vom Kindergarten und der Primarschule in Münchwilen, hat den aufgekommenen Diskurs über Klassenchats mitbekommen. «Bei uns kommunizieren Lehrpersonen nicht über Whatsapp», sagt er. Das liege aber nicht an einer entsprechenden Weisung, sondern daran, dass das Bedürfnis nach dieser Art von Kommunikation wohl noch nicht in der Primarschule angekommen sei.

Obrist kann sich aber gut vorstellen, dass der Wunsch nach einem Whatsapp-Chat bei den Fünft- und Sechstklässler in den nächsten Jahren aufkommen könnte. «Ich möchte das Thema deshalb bald an einer Teamsitzung ansprechen», sagt er.