Technologie

Fricktaler Power-Würfel bringen Strom nach Afrika

In Tansania ist derzeit ein Pilotprojekt im Gang. HO

In Tansania ist derzeit ein Pilotprojekt im Gang. HO

Mit einer neuen Technologie will eine innovative Fricktaler Firma die Energieversorgung revolutionieren.

Über eine Milliarde Menschen leben weltweit ohne Elektrizität. «Dabei ist Strom etwas vom Wichtigsten, das es braucht, um sich in Entwicklungsländern eine Existenz aufzubauen», sagt der ehemalige Informatiker Alessandro Medici. Auf einer Weltreise war der gebürtige Rheinfelder, der mittlerweile in Laufenburg wohnt, selber in Gegenden ohne Strom unterwegs – und kam mit der Idee zurück, die Energieversorgung in Drittweltländern zu revolutionieren.

Der Kerngedanke: Es braucht ein Konzept für eine einfache Solaranlage, die bei Bedarf erweitert werden kann. Der Ansatz: Schwarm-Elektrifizierung. «Kurz gesagt, entwickeln wir ein Internet der Energie», sagt Medici. Der Name: «Power Blox». Zusammen mit Armand Martin gründete Alessandro Medici die gleichnamige Firma, die aktuell fünf Mitarbeiter hat – und fand Investoren.

Stapelbare Würfel

Nach zwei Jahren intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit und Investitionen von rund einer Million Franken ist der 52 Kilogramm schwere Strom-Würfel nun marktreif. Er funktioniert erstaunlich einfach: Man schliesst ein Solarpanel an, und dieses speist die Batterie. Dort kann die Energie entweder gespeichert oder direkt via zwei Steckdosen und einen USB-Anschluss genutzt werden. «Erfahrungsgemäss reicht ein Tag Sonne für eine volle Ladung», so Medici. Gespeichert werden können 1,2 Kilowattstunden Strom. «Das reicht, um etwa einen Tag lang Licht in eine Hütte in Afrika zu bringen, dort einen Kühlschrank zu betreiben und Laptop oder Handy zu laden.»

Alessandro Medici zeigt, dass «Power Blox» funktioniert.

Alessandro Medici zeigt, dass «Power Blox» funktioniert.

Die einzelnen Würfel können zu Türmen gestapelt und miteinander verbunden werden. «So haben die Nutzer eine höhere Batterie-Kapazität und Produktionsleistung», so Medici. In Dörfern in Entwicklungsländern können so Mini-Stromnetze entstehen. «Bisher war die Stromversorgung top-down organisiert», sagt Medici, «es brauchte einen Netzbetreiber.» Mit «Power-Blox» seien die einzelnen Stromproduzenten durch das Schwarmprinzip gleichberechtigt.

Derzeit laufen Pilotprojekte. In Tansania etwa, aber auch in der Schweiz, wo Medicis Idee in Alphütten oder als mobile Ladestation für Handys an Festivals auf Interesse stösst. Im März werden weitere 100 Würfel ausgeliefert unter anderem in den Südsudan – sofern die Transportwege offen sind. «Danach gehen wir endgültig in die Massenproduktion», so Medici. Hilfswerke in Afrika zählen ebenso zu den Kunden wie Safari-Lodges. In der Schweiz kostet ein «Power Blox»-Würfel rund 2000 Franken.

So einfach die Funktionsweise heute daherkommt, so kompliziert war die Entwicklung. Ein grosser Teil davon hat in Zeiningen bei der Firma Innosystem stattgefunden. «Das war für uns ein Glücksfall», betont Medici. «Die kleine, aber hochqualifizierte Firma ermöglichte uns Innovation und Flexibilität.» Es habe «ein richtiger Silicon-Valley-Groove» geherrscht.

Harter Konkurrenzkampf

Entstanden ist dabei das eigentliche Herzstück von «Power Blox»: eine ausgeklügelte Software. «Mit unserem System muss der Nutzer keine Konfigurationen machen.» Anders ist es bei Konkurrenzprodukten. Dort müssen bis zu 250 Parameter manuell eingestellt werden. «Dank dieser Software haben wir die Technologieführerschaft in diesem Bereich inne», sagt Medici stolz.

Allerdings: Die Konkurrenz schläft nicht. Konzerne wie Tesla investieren derzeit stark in die Forschung auf diesem Gebiet, und auch in China versuchen Anbieter laut Medici, ähnliche Systeme auf den Markt zu bringen. «Genau dasselbe darf allerdings niemand machen, die internationalen Patente sind angemeldet», betont er. Der Druck ist dennoch gross, es gilt den Markt zu besetzen und den Vorsprung zu halten. «Die nächsten Schritte müssen deshalb wohlüberlegt sein.» Angedacht ist eine Partnerschaft mit einem Grossunternehmen zur Unterstützung bei Produktion und Vertrieb. «Und wir überlegen, wie wir die Technologie auch ausserhalb der Würfel nutzen können», so Medici.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1