Rheinfelden
Fricktaler Maifeier – die Demo, die «Büezer» und der «Chrampf»

Die Fricktaler 1.-Mai-Kundgebung in Rheinfelden begann mit einem Demomarsch durch die Altstadt bis zur Schifflände. Im offiziellen Teil sprach unter anderen die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri über die «Büezer» und den «Chrampf».

Walter Christen
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SP-Präsidentin Claudia Rohrer und Katrin Distler vom DGB
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SP-Nationalrätin Yvonne Feri an der 1.-Mai-Kundgebung im Fricktal.
Peter Scholer an der Maikundgebung in Rheinfelden
Oberbürgermeister Klaus Eberhardt aus Rheinfelden Baden
Die Demo ist an der Rheinfelder Schifflände angelangt
Die Genossinnen und Genossen an der Maifeier im Rumpel
Der Sprecher der Migrantenorganisation Cesidio Celidonio
Der 1.-Mai-Festplatz im Rheinfelder Rumpel.
Daniel Lampart, der Chef-Ökonom des SGB.
Die Demo, die «Büezer» und der «Chrampf»

SP-Präsidentin Claudia Rohrer und Katrin Distler vom DGB

Walter Christen

Die Fricktaler Genossinnen und Genossen genossen das Beisammensein am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, im Rumpel in Rheinfelden, wo sie Gäste beim Vereinslokal der Colonia Libera Italiana waren: Spaghetti von Enzo gab es dort und musikalische Unterhaltung mit Donato – und selbstverständlich die obligaten 1.-Mai-Reden.

Marsch von SP und Gewerkschaften

Doch vor Beginn der offiziellen Feier begaben sich die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei (SP) der Bezirke Laufenburg und Rheinfelden, zusammen mit Sympathisanten und Vertretern verschiedener Gewerkschaften, auf einen friedlichen Demonstrationsmarsch durch die Rheinfelder Marktgasse zur Schifflände hinunter, wo man sich mit der Delegation aus der badischen Nachbarschaft traf und von der Präsidentin der SP Stadt Rheinfelden, Claudia Rohrer, begrüsst wurde.

Katrin Distler vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Präsidentin des Interregionalen Gewerkschaftsrates Dreiländereck, machte darauf aufmerksam, dass in Deutschland nun der gesetzliche Mindestlohn per 1. Januar 2015 eingeführt werden könne, ein Thema, das in der Schweiz jetzt ebenfalls aktuell sei.

Der Oberbürgermeister von Rheinfelden Baden, Klaus Eberhardt, gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass Gleichgesinnte am 1. Mai über die Landesgrenze hinweg miteinander feiern und sich für ihre Ziele einsetzen können. Dies sei wichtig, um die Solidarität nach aussen zeigen zu können. Gemeinsamkeiten pflegen und sich gegenseitig austauschen sei wertvoll, so der Oberbürgermeister.

Daniel Lampart: «Geld ist da»

An der offiziellen 1.-Mai-Feier moderierten die beiden SP-Präsidenten Sukhwant Singh (Bezirk Rheinfelden) und Gunthard Niederbäumer (Bezirk Laufenburg). Der erste Redner, Chef-Ökonom Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), hielt vor rund 80 versammelten Genossinnen und Genossen fest: «Ich habe das Gefühl, wir liegen mit der Mindestlohninitiative gut.

Denn die Statistiken zeigen, dass zwar Geld da ist, von dem aber die untersten 10 Prozent nichts spüren. Das heisst, Kader und Spezialisten sind hier einmal mehr die grossen Profiteure. Wir merken, der Abstimmungskampf wird härter, von Arbeitgeberseite her wird Druck gemacht und mit verschiedensten Szenarien gedroht. Dabei würden lediglich 0,4 Lohnprozente die 4000 Franken Mindestlohn ausmachen – das ist ja wirklich vertretbar.

Schade ist übrigens, dass die Volksinitiative gegen die Masseneinwanderung am 9. Februar angenommen wurde. Dabei haben wir ja auch unverständliche Situationen, wenn von Personen im Bundesrat aus unserer Partei gesagt wird, die Einwanderung sei ein Problem. Wir sollten doch mit unseren ausländischen Arbeitskolleginnen und -kollegen am gleichen Strick ziehen.

Auf jeden Fall werden wir das Kontingent-System bekämpfen, da sonst nur die schwarzen Schafe unter den Arbeitgebern von der Situation profitieren. Unsere Antwort zum 9. Februar lautet: Wer in der Schweiz arbeitet, muss zu Schweizer Bedingungen angestellt werden. Wo wir für unsere Rechte kämpfen, bekommen wir schliesslich auch recht.»

Yvonne Feri: «Frauen-Gratisarbeit»

Auf die Situation der Frauen in der Gesellschaft machte die Wettinger SP-Gemeinde- und Nationalrätin Yvonne Feri an der Fricktaler Maifeier in Rheinfelden aufmerksam: «Die Frauen leisten vielfach Gratisarbeit in der Betreuung; die Rahmenbedingungen dafür sind in der Schweiz schlecht, und es gibt kaum ein Arbeitsrecht in dieser Sparte, das ist bittere Realität.»

Die Rednerin sprach auch die Rollenverteilung und die Gleichstellung von Mann und Frau an und verlangte eine bessere Regelung von Arbeitszeit, Urlaub, eine flächendeckende Kinderbetreuung und schliesslich auch faire Löhne: «Frauen ‹chrampfen› und bekommen keinen Lohn für das, was sie im Familienkreis an Betreuungsarbeit leisten. Und in der Berufs- und Arbeitswelt bekommen sie weniger Lohn als die Männer für dieselbe Arbeit. Es geht um Fairness und soziale Gleichstellung, wo es hapert. Das Motto der Arbeitgeber darf gegenüber ihren ‹Büezerinnen› und ‹Büezern› nicht mehr länger lauten: ‹Geiz ist geil›.»

Cesidio Celidonio, Vertreter der Sinistra Ecologia Libertà Svizzera aus Olten, führte in seiner Rede aus, dass sich seine Migrantenorganisation verpflichtet fühle, die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes zu unterstützen.