Nette Toilette
Fricktaler machen kein Geschäft mit dem Geschäft

Fricktaler Passanten mit Harndrang stehen die WC-Türen vieler Restaurants offen. Wer mal muss, der darf auch, ohne etwas konsumieren zu müssen. «Vielleicht kehrt er das nächste Mal ja ein», sagt eine Wirtin.

Nadine Pfeifer
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Wer mal muss, der darf im Fricktal auch, ohne etwas konsumieren zu müssen.

Wer mal muss, der darf im Fricktal auch, ohne etwas konsumieren zu müssen.

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In Städten wie Luzern oder Biel erlauben gewisse Gastronomiebetriebe im Rahmen von «Nette Toilette» Passanten, ihre Toilette gratis und ohne Konsumzwang zu benützen. Im Fricktal braucht es dafür kein Projekt.

«Wer aufs WC muss, der geht und dann geht er wieder. Vielleicht kehrt er das nächste Mal ja ein», sagt Annerös Rickenbach, Gastgeberin im Adler in Gipf-Oberfrick. Statt einer Konsumpflicht oder einer Benutzungsgebühr setzen auch andere Gastgeber darauf, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Florian Bader, Wirt in der Sonne in Eiken, sagt: «Das fällt nicht so ins Gewicht und vielleicht kommt man dann wieder mal.» Franz Brogle, Gastgeber in der Pinte in Sisseln, sagt: «Ich will niemandem das WC verbieten. Man muss zwischenmenschlich auch etwas vernünftig sein.»

Fläschli füllen kostet

Nicht überall sind WC-Gäste gleich häufig. Martina Welti, Geschäftsführerin in Fricks Monti, erklärt: «Wir sind nicht gerade an der Busstation, es kommt also eher selten vor. Grundsätzlich darf aber jeder zur Toilette oder auch mal kurz telefonieren. Da ist ja jeder mal froh drum.» Lea Stierli, Rezeptionistin im Restaurant und Hotel Schiff in Rheinfelden, sagt: «Bei schönem Wetter oder auch an Fasnacht kommt es schon ab und zu vor. Wenn es nur einzelne sind und nicht zwanzig auf ein Mal ist das aber kein Problem.»

Das Restaurant Warteck in Laufenburg hat sich wegen der vielen Velo-Touristen etwas überlegen müssen. Geschäftsführerin Erika Lagler sagt: «Auf die Toilette darf man jederzeit gratis. Aber viele nehmen noch die Flasche mit, um sie am Hahn aufzufüllen. Dafür verlangen wir dann 50 Rappen.»

Im Restaurant Taube in Zeiningen hat man erst nach einem Umbau gemerkt, wie viele Leute unbemerkt zur Toilette gegangen sind. Gertrud Schaffner sagt: «Vorher konnte man eben noch direkt aufs WC und musste nicht durchs Restaurant. Seit jeder bei uns vorbeilaufen muss, ist das WC deutlich weniger benutzt.» Der Ochsen Wölflinswil, der mitten im Dorf liegt, hat auch ausreichend Ansturm. «Wir wissen, dass wir da gar nicht hinschauen dürfen, wenn ein Anlass ist im Dorf», sagt Wirtin Anita Lenzin.

Ohne «Grüezi»

Manchem eilt der Gang zur Toilette so sehr, dass die Zeit um nach Erlaubnis zu bitten, nicht reicht. Laura Lüdi, Gastgeberin im Landgasthof Krone in Möhlin, sagt: «Mir ist wichtig, dass die Leute kurz fragen und nicht einfach reinstürmen. Das ist aber eher selten.»

Gertrud Schaffner, Wirtin in der Taube in Zeiningen, sagt: «Wenn jemand nicht grüsst, dann sagen wir, wenn sie fertig sind und wieder gehen einfach ‹Adé, danke!› Dann merken sie, dass wir sie gesehen haben.»

Grundsätzlich sind alle befragten Gastgeber gewillt, ihre Toilette nicht nur Gästen zur Verfügung zu stellen. Anna Kaufmann, Chefin im Fabriggli in Wallbach, sagt: «Manche haben halt das Portemonnaie nicht dabei oder keine Zeit. Wir werden ja nicht ausgenutzt und vielleicht sind wir dann auch mal froh darum.»