Frick
Fricktaler Kammerchor verabschiedet sich mit grandiosem Konzert

Nach 50 Jahren und 222 Konzerten ist der Kammerchor Geschichte. Zum Abschluss gab er drei Konzerte. Der fulminante und doch etwas wehmütige Abschied wurde mit stehenden Ovationen bedacht.

Charlotte Fröse
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Mit einem grandiosen Konzert verabschiedete sich der Fricktaler Kammerchor unter der Leitung von Urs Stäuble vor begeistertem Publikum.

Mit einem grandiosen Konzert verabschiedete sich der Fricktaler Kammerchor unter der Leitung von Urs Stäuble vor begeistertem Publikum.

Charlotte Fröse

Was vor 50 Jahren begann, endete am späten Sonntagnachmittag, nach genau 222 Auftritten, mit einem grandiosen Abschiedskonzert in der katholischen Kirche in Frick vor einem begeisterten Publikum. Der Fricktaler Kammerchor, der von Urs Stäuble gegründet wurde und den er seither leitete, ist damit Geschichte. Das Konzert setzte mit berührender Musik von Schubert und Brahms einen eindrücklichen Schlusspunkt.

Leidenschaftlich dargebrachter Chorgesang, hohe gesangliche Präsenz und auserlesene musikalische Qualität zeichneten das Konzert aus. Neben dem Chor waren die Sängerin Leila Pfister (Alt) und das Instrumentalensemble mit Isabelle Schnöller (Flöte), Renate Steinmann und Elisabeth Kohler (Violine), Lea Boesch (Viola), Bettina Messerschmidt (Violoncello) und Moritz Baltzer (Kontrabass) zu hören. Zur Aufführung gelangten drei epochale Chorwerke von Johannes Brahms (1833–1897) in einer Kammerfassung von Urs Stäuble.

Uraufführung «Schicksalslied»

Eröffnet wurde das Konzert mit dem «Schicksalslied» von Friedrich Hölderlin, das von Johannes Brahms für Chor und Orchester komponiert wurde, von Urs Stäuble als Kammerfassung erarbeitet wurde und als Uraufführung erklang. Darin wird der schicksallosen Ruhe und der seligen Heiterkeit der Götterwelt das Leiden des menschlichen Daseins gegenübergestellt.

Eine thematische Fortsetzung fand das Konzert mit dem ersten Satz des Streichquartetts Nr. 13 a-Moll, auch bekannt als «Rosamunde-Quartett», von Franz Schubert (1797–1828). Drei Strophen der «Harzreise im Winter» von Johann Wolfgang von Goethe hat Johannes Brahms entnommen, um daraus seine «Rhapsodie für eine Altstimme, Männerchor und Orchester» zu komponieren. Die Schilderung frostiger und lebloser Landschaften vermittelt eine krisenhafte Situation und melancholisch-weltschmerzliche Stimmung. Versöhnlich der Schluss, mit dem Flehen um die Gnade der Liebe.

Die Solistin Leila Pfister interpretierte das Werk mit ihrer getragenen, warmen und modulationsreichen Stimme vollkommen. Der zweite innige Satz von Schuberts Streichquartett leitete über zur trostreichen Schönheit von Schillers «Nänie». Nänie ist die Bezeichnung für einen Trauergesang, der Leichenzüge im antiken Rom begleitete. Die Komposition von Johannes Brahms kann als sanft, undramatisch und versöhnlich beschrieben werden. Die letzte Zeile des Trauerliedes lautet: «Denn das Gemeine geht klaglos zum Orkus hinab.»

Wehmütiger Abschied

Was im gewissen Sinn auch für das Ende des Kammerchors steht. Denn beinahe still und leise, jedenfalls ohne grosses Dazutun, aber mit einem grandiosen und vom Publikum mit stehenden Ovationen bedachten Konzert trat der Fricktaler Kammerchor zwar nicht in Unterwelt ein, sondern nur von der Bühne ab. Dennoch schwang eine grosse Portion Wehmut sowohl beim Publikum wie bei den Sängern mit.

Das Konzert in der katholischen Kirche in Frick war eines von insgesamt drei Konzerten zum Abschied. In der Stadtkirche Lenzburg und in der Klosterkirche Wettingen trat der Kammerchor zuvor auf.