Mit der Realität haben Kindergeschichten wie jene von Grisu, dem Drachen, der Feuerwehrmann werden will, oder jene vom «Füürwehrmaa Sämi» nur noch wenig zu tun. Kaum noch ein junger Mensch tritt freiwillig der Feuerwehr bei.

Das bekommen auch die lokalen Feuerwehren zu spüren; die Feuerwehr Oberes Fricktal besonders schmerzlich. Die neuste Entwicklung: Die Jugendfeuerwehr muss Ende Jahr eingestellt werden. Es sind nur noch wenige Kinder und Jugendliche, die dabei sind. Der Aufwand lohnt sich so für die Leiter nicht mehr. Einige der Jugendlichen rutschen dafür in die Feuerwehr nach.

Es braucht mehr Spezialisten

Mit 76 Feuerwehrleuten ist die Feuerwehr Oberes Fricktal (bestehend aus den Gemeinden Hornussen, Bözen, Effingen Elfingen und Zeihen) mit dem Minimum an Leuten besetzt. Erschwerend hinzu kommt, dass die Feuerwehr ab dem Jahr 2015 in der nächsthöheren Grössenklasse eingestuft wird, weil die Gemeinden gewachsen sind. Die Anforderungen werden höher, es braucht mehr Spezialisten in den Bereichen Verkehr oder Sanität.

Doch mit der Rekrutierung von Nachwuchs tut sich die Feuerwehr schwer. Kommandant Reto Bürgi steckt zwar viel Energie und Zeit in die Werbung, bislang ohne grossen Erfolg. «Viele sind heute nicht mehr bereit, sich freiwillig zu engagieren», erklärt Bürgi einen der Gründe. Dazu komme, dass viele Unternehmen die Absenzen nicht mehr tolerieren, wenn ein Feuerwehrmann zu einem Einsatz gerufen wird. Da müsse auf politischer Ebene etwas gehen, findet Bürgi.

Dazu kommt das Image-Problem. Das Klischee wie jenes von trinkenden Feuerwehrmännern mache oft die Runde. «Das ist längst nicht mehr so», wehrt sich Bürgi. «Nach einer Übung gibt es kaum noch Grüppchen, die in eine Beiz gehen. Und mit den Promille-Vorschriften hat sich dies sowieso erledigt.»

Trotz Mangel an Leuten: Auf die Zwangsrekrutierung will Bürgi vorläufig noch verzichten. «Es macht keinen Sinn, unmotivierte Leute in der Feuerwehr zu haben», sagt er. «Die können die Stimmung drücken und sind möglicherweise unzuverlässig. Der Mehraufwand, um dann Bussen auszustellen, ist für uns viel zu gross.» Noch hat die knappe Besetzung der Feuerwehr Oberes Fricktal keine Konsequenzen auf den Service, da im Notfall auch die umliegenden Feuerwehren aufgeboten werden können.

Schrumpft die Mitgliederzahl aber weiter, besteht Handlungsbedarf seitens der Gemeinderäte und der Gebäudeversicherung. Zwangsrekrutierung dürfte dann doch zum Thema werden. Vorschläge gegen den Mitgliederschwund hätte Bürgi schon. Da wäre die Idee, dass die Unterhaltsmitarbeiter der Gemeinden Feuerwehrdienst leisten müssten – vertraglich festgehalten. Einige tun dies bereits, allerdings auf freiwilliger Basis. Vorhaben, die einfacher umzusetzen sind – wie eine Facebook-Seite oder den Einsatz von jüngeren Feuerwehrleuten bei Werbe-Übungen – sollen nächstens in Angriff genommen werden. Auch auf spannende Übungen legt Bürgi viel Wert.

Frick ohne Probleme

Bezüglich Mitgliederzahlen schielt Bürgi etwas neidisch nach Frick. Die dort ansässige Stützpunkt-Feuerwehr hat keinerlei Rekrutierungsprobleme. Auch schon mussten Anwärter nach Hause geschickt werden. «Holz alänge», sagt Kommandant Andreas Fahrni. Für ihn ist klar, dass Frick durch den Stützpunkt und vom Standort profitiert. «Unser Einzugsgebiet in den drei Gemeinden (Frick, Gipf-Oberfrick, Oeschgen) ist mit fast 10 000 Einwohnern gross.»

Ein Rezept, das in Frick gut funktioniert: «Unsere Übungsleiter sind angehalten, immer wieder neue, interessante Übungen vorzubereiten. Das motiviert und spricht sich herum», sagt Fahrni. «Den ultimativen Tipp für andere Feuerwehren habe aber auch ich nicht.»