Acht Nachtzielgeräte hatte der Kanton Aargau bislang, die von Jägern bei Bedarf ausgeliehen werden konnten. Seit Anfang Jahr dürfen die Jäger jedoch eigene Nachtzielgeräte anschaffen. Dafür brauchen sie einerseits eine jagdrechtliche Bewilligung des Kantons und eine waffenrechtliche Bewilligung der Polizei. Schon 90 Jäger im Aargau haben die Nachtzielgerät-Bewilligung erhalten, wie Erwin Osterwalder, Fachspezialist bei der kantonalen Sektion Wald und Fischerei sagt. Rund ein Drittel der Bewilligung ging dabei ins Fricktal.

Daniel Gerber, Jagdaufseher in Magden und Olsberg, der selber eine Bewilligung hat, spricht von einem Boom auf die Nachtzielgeräte. «Die Kurse, die von der Jagdverwaltung zu diesem Thema angeboten werden, sind platschvoll», sagt er. Auch Hanspeter Gerber, Bezirksvertreter des Bezirks Laufenburg bei Jagd Aargau, hat den Kurs absolviert, «aber noch keine Bewilligung beantragt», wie er sagt. Dass das Interesse an den Nachtzielgeräten gross ist, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass es im Fricktal weiterhin relativ viele Wildschweinschäden gibt.

Die genauen Zahlen für das Jahr 2018 liegen beim Kanton zwar noch nicht vor, doch Hansruedi Apolloni, der als Schadensexperte für den Bezirk Rheinfelden zuständig ist, spricht von einem relativ hohen Niveau. Auch in den letzten Wochen seien die Wildschweine wieder aktiv gewesen. Die Schäden aus den Wintermonaten würden jedoch erst im Frühling wieder geschätzt, erklärt er. «Aber ich habe in den letzten zwei Wochen bereits Meldungen erhalten.» 

Jean-Paul Schild ist Inhaber von Schild Waffen in Wallbach. In seinem Geschäft verkauft er auch Nachtzielgeräte. Man müsse mit Kosten von 3000 bis 5000 Franken pro Gerät rechnen, sagt er. Dennoch sei die Nachfrage spürbar. Er selber ist auch als Jäger aktiv und hat eine entsprechende Bewilligung. Die Nachtzielgeräte dürfen nicht im Wald, sondern nur auf dem freien Feld eingesetzt werden. Die Wildschweine könnten dank den Geräten besser beobachtet und identifiziert werden, sagt Schild. Auch sei eine genauere Schussabgabe möglich.

Passen sich die Wildschweine an?

Daniel und Hanspeter Gerber verweisen ebenfalls auf diese Vorteile. «Doch alleine durch die Nachtzielgeräte wird die Problematik der Wildschweinschäden nicht gelöst», sagt Hanspeter Gerber. Wie auch sein Namensvetter verweist er darauf, dass die Schwarzkittel intelligente Tiere seien. «Wenn sie nun nachts mit Nachtzielgeräten gejagt werden und konstant keine Ruhe haben, werden sie ihr Verhalten rasch anpassen», so Daniel Gerber. So sei es beispielsweise denkbar, dass sie ihre Reviere schneller wechseln oder zu anderen Zeiten den Wald verlassen würden. Kurzfristig dürfte es zu mehr Abschüssen kommen, sagt Hanspeter Gerber. «Die längerfristige Entwicklung müssen wir erst beobachten.»