«Vorhang zu und alle Fragen offen: So funktioniert nur ein Kartell der Schweiger.» Es sind markige Worte, die Christoph Grenacher an die Fricktaler Grossräte richtete. Weiter fordert der Initiant der Petition «Ja zum BZF» eine laufende und transparente Kommunikation. Die Stimmbürger hätten ein Recht darauf, zu erfahren, «wie Politiker in einer bestimmten Sache nicht nur denken, sondern auch zu handeln gedenken».

Auslöser der Kritik: Grenacher wirft den Fricktaler Grossräten vor, sich in der Parlamentsdebatte zum Standortkonzept für die Aargauer Berufsschulen zu wenig für das Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF) eingesetzt zu haben. Bereits in seiner az-Kolumne hatte Grenacher unter dem Titel «Pappnasen à gogo» das Vorgehen der Grossräte kritisiert und unter das Motto «ducken und schweigen» gestellt.

Gemeinsame Marschrichtung

Dies stösst den Fricktaler Grossräten sauer auf. Bereits auf die Kolumne hatten sie in einem gemeinsamen Brief reagiert und geschrieben: «In der Politik gibt es bekanntlich eine Zeit zum Reden und eine Zeit, um aufs Maul zu hocken und im Hintergrund konstruktiv zu arbeiten.» Letzteres hätten sie im Vorfeld der Debatte im Grossen Rat gemacht, bekräftigen Grossräte aus allen Parteien.

«Wir haben alle am gleichen Strick gezogen», sagt etwa Christoph Riner (SVP). Franco Mazzi, FDP-Grossrat und Präsident des BZF-Schulvorstands, führt an: «Wir haben im Vorfeld der Fraktionssitzungen und der Debatte gemeinsam mit dem BZF eine Marschrichtung erarbeitet und uns dann daran gehalten.» Roland Agustoni (GLP) sagt es so: «Politik findet nicht nur in der Presse statt.»

Martin Steinacher – auch der CVP-Grossrat sitzt im BZF-Vorstand – betont, dass drei Fricktaler sich bereits in der 13-köpfigen grossrätlichen Bildungskommission für das BZF eingesetzt haben. Agustoni legt zudem Wert auf die Feststellung, dass die Fricktaler Grossräte sich in der Debatte zu Wort gemeldet haben. «Ich habe den regierungsrätlichen Vorschlag unterstützt und Eintreten gefordert», so Agustoni. Daniel Vulliamy (SVP) habe sein Votum wenig später im Namen aller Fricktaler unterstützt. «Auch dieses Vorgehen war abgesprochen. Wäre es zu einer Detailberatung gekommen, wären weitere Fricktaler bereitgestanden», ergänzt Franco Mazzi und fragt rhetorisch: «Ist es sinnvoll, dass wir solche Absprachen im Vorfeld in den Medien kommunizieren, damit alle die Strategie bereits kennen?»

Peter Koller (SP) ist denn auch überzeugt, dass die Fricktaler Grossräte die richtige Strategie gewählt haben. «Wenn alle von uns in der Debatte geredet hätten, hätten wir die anderen nur verärgert.» Und: Der Status quo sei die zweitbeste Variante. Dies sieht auch Gertrud Häseli (Grüne) so. Nach den Fraktionssitzungen sei absehbar gewesen, dass der regierungsrätliche Vorschlag chancenlos sei. Deshalb sei sie überzeugt, dass man sich für die beste Variante fürs BZF entschieden habe, die möglich war. «Politik funktioniert schliesslich immer mit Mehrheiten», so Häseli.

Mühe mit dem Stil

Für Irritationen sorgt bei den Grossräten auch das Vorgehen von Christoph Grenacher. «Ich bin ihm dankbar für seinen Einsatz fürs BZF», sagt etwa Franco Mazzi, «aber ich habe mich gewundert über die Art und Weise, wie er Rechenschaft verlangte.» Und Peter Koller sagt: «Ich kommuniziere gerne, aber nicht mit der Pistole auf der Brust.» Zudem sei es ein No-Go, die Grossräte als Pappnasen zu bezeichnen.

Die «Pappnasen» nimmt Christoph Riner locker: «In der Politik muss man einen breiten Rücken haben.» Doch auch er plädiert für das Arbeiten im Hintergrund. «Es ist nicht immer das am wichtigsten, was in den Medien erscheint. Politische Knochenarbeit schafft es oft nicht auf die Titelseiten.» Und Roland Agustoni fasst zusammen: «In der Politik ist oft Fingerspitzengefühl gefragt und nicht plakative Kommunikation.» Er jedenfalls handle lieber nach dem Motto «Tue Gutes und rede darüber» als umgekehrt.