Eiken
Fricktaler fordern von ihrem Landammann Unterstützung und Zeichen aus Aarau

Am Landammann-Stammtisch äusserten die Teilnehmer ihren Unmut über die geplante Streichung der TNW-Subventionen. Auch Sisslerfeld, Frühfranzösisch und ein Kanton Fricktal wurden thematisiert.

Marc Fischer
Merken
Drucken
Teilen
Roland Brogli am Landammann-Stammtisch in Eiken.
5 Bilder
Die Gaststube war gut gefüllt.
Der Fricktaler Landammann-Stammtisch fand im Eiker Rössli statt.
Landammann Brogli hörte die Sorgen und Nöten der Fricktaler an.
Zum Wohl - Der Landammann stiess mit allen Anwesenden an.

Roland Brogli am Landammann-Stammtisch in Eiken.

Emanuel Freudiger

Pünktlich um 19 Uhr tritt Landammann Roland Brogli am Donnerstag in die Gaststube des Eiker «Rössli». Fricktaler Halt auf seiner Stammtisch-Tour durch den Kanton. Viele sind ins «Rössli» gekommen. Vier Tische sind gefüllt. Der Landammann nimmt zunächst am eigentlichen Stammtisch Platz. Ein bisschen Small-Talk. Mit Stangen und Chübeli prostet man sich zu. Macht Duzis. An diesem Abend ist der Landammann für alle der Roland.

«Stammtische sind wichtig für das Zusammenleben in der Schweiz», betont Gerhard Keller, Vorstandsmitglied von Gastro Aargau, «fürs Vereinsleben und für die Politik.» Er begrüsst «unseren Landammann» zum «Heimspiel». Dann geht das Politisieren los. Das Konzept ist einfach. Der Roland hört sich Sorgen und Nöte an. Manchmal auch Lob. Erklärt. Beruhigt. Findet auch mal etwas «bireweich» oder «Mumpitz». Am Stammtisch darf man das. Nach einer gewissen Zeit wechselt er den Tisch. Schliesslich sollen alle loswerden können, was ihnen unter den Nägeln brennt.

Kampf um die TNW-Subvention

Und dort brennt vor allem eines: An allen vier Tischen muss der Landammann zur geplanten Streichung des Kantonsanteils an die Abos des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) Stellung nehmen. «Das könnt ihr uns nicht wegnehmen», ruft einer. «Dass der Vorschlag ausgerechnet von einem Regierungsrat kommt, in dem zwei Fricktaler, ein Sozialdemokrat und eine Grüne sitzen, macht es noch unverständlicher», echauffiert sich ein anderer.

Roland Brogli beschwichtigt. Er wisse um die Brisanz. «Einer hat mir einen Brief geschrieben und gefordert, der Sparonkel müsse aus dem Fricktal wegziehen. Aber wir müssen aus diesem Thema die Emotionen rausnehmen.» Er verweist darauf, dass der Input in der Vernehmlassung von FDP, SVP und dem Aargauischen Gewerbeverband gekommen sei. Er erklärt: «Der Kanton subventioniert nur im TNW die Abos direkt. Die Fricktaler sind also privilegiert. Im übrigen Kanton empfindet man das als Ungerechtigkeit.» Und er bedauert. «Am besten wäre es, wenn sich A-Welle und TNW auf ein Tarifmodell einigen könnten. Dies funktioniert seit Jahren nicht.»

Die Fricktaler sind mit «ihrem» Landammann nicht einverstanden. «Irgendwo müssen wir auch einen kleinen Vorteil haben.» Und überhaupt, wie man sich in Aarau die Kürzung vorstelle? «Vielerorts zahlen die Gemeinden ihren Schülern das Abo. Also führt die Streichung des Kantonsanteils zu deutlichen Mehrkosten in den Gemeinden.» Wieder beschwichtigt Brogli. Die Umsetzung sei noch nicht fixiert und finde frühestens auf 2016 statt.

Wie weiter mit dem Sisslerfeld?

Vom TNW springt die Diskussion in unterschiedliche Richtungen. Mal zum dualen Bildungssystem. «Die Lehrlinge und Fachhochschulabsolventen dürfen nicht vernachlässigt werden. Sie brauchen oft sogar zwei Abos für den öffentlichen Verkehr. Die Grenzen von A-Welle und TNW sollten fliessender oder durchlässiger werden», forderte einer. Mal zum Frühfranzösisch. «Wir müssen doch zuerst eine Landessprache lernen. Und es kann doch nicht sein, dass wir eine andere Reihenfolge haben als in Basel. Die Jungen gehen doch dort ins Gymi», ärgerte sich ein anderer. Und irgendwann – die «Rössli-Ruth» und der «Rössli-Peter» haben den Fleischkäse mit Härdöpfelsalat schon längst serviert und die leeren Teller wieder abgeräumt – kommt die Idee des Kantons Nordwestschweiz oder des Kantons Fricktal auf den Tisch: «Für Aarau gehören wir doch sowieso nicht richtig dazu.»

An mehreren Tischen wird auch das Sisslerfeld thematisiert. «Was passiert jetzt dort, Roland, nachdem die Kantonalbank ihr Land verkauft hat?» – «Der Kanton ist daran interessiert, dass es vorwärts geht», antwortet der Landammann, «wir arbeiten daran und sind meines Erachtens auf einem guten Weg.» Er gibt aber auch zu, dass er «keine Freude» gehabt habe, als er vom Entscheid der Aargauischen Kantonalbank gehört habe. «Vor allem die Information hätte besser laufen müssen. Wir sind’s aber am Auffangen.» Und in Bezug auf die künftige Nutzung des Industrielands spricht der Landammann den Anwesenden aus dem Herzen: «Es muss wertschöpfungsintensives Gewerbe sein. Und eher kein Logistikbetrieb.»

So vergehen die drei Stammtisch-Stunden im Nu. Kurze Gespräche über Hüftoperationen und Kirschenernte sorgen für Auflockerung. Und kurz vor 22 Uhr greift einer für ein Ständchen zur Handorgel. Dann ist es Zeit für den Landammann. Der Chauffeur wartet und am nächsten Morgen klingelt früh der Wecker. Brogli reist nach Dresden an den Schweizer Tag. Hält dort eine Ansprache. Doch die Fricktaler betonen noch ein letztes Mal ihre Botschaft an «ihren» Landammann: «Roland, wir brauchen Zeichen aus Aarau. Und deine Unterstützung.»