An Chancen, eine eigene CD zu produzieren, hat es dem Countrysänger Rolf Fritschi aus Eiken in seiner über 30-jährigen Karriere nicht gemangelt. Er bekam Angebote von Produzenten aus dem In- und Ausland. Doch für ihn war immer klar: «Wenn es denn sein soll, dann werde ich nicht irgendwo in einem kleinen Studio in der Schweiz aufnehmen, sondern dann fliege ich nach Nashville.» Ein Weg, den auch schon andere heimische Country-Musiker eingeschlagen haben: Der Sissacher Andy Martin zum Beispiel ist seit 25 Jahren im Musikgeschäft und unterstützt Fritschi in der Schweiz mit seiner grossen Erfahrung. Seit Mitte der Neunzigerjahre hat Martin neun eigene Alben in Nashville produziert. «Etwas anderes kommt für mich gar nicht mehr infrage», sagt er und lobt vor allem die effiziente Arbeitsweise und die hervorragende Qualität der Studios und Musiker.

An Effizienz hat es auch bei Fritschis Aufnahmen nicht gemangelt. An zwei Tagen sind die zwölf Titel seines Albums «Nashville Tonight» eingespielt worden. Neben einem eigenen Song und zwei Covertiteln hat sich der 53-Jährige neues Material ausgesucht von bisher nicht veröffentlichten Songs. Fritschi ist der traditionellen Countrymusik verbunden und will diesem Stil auch treu bleiben. Lachend meint er: «Schliesslich sollen meine Fans mich und meine Musik auf der Bühne ja wiedererkennen.» Mit diesen Vorgaben galt es, für die Titel ein passendes Arrangement zu finden. «Bandleader Larry schob zwei Bleistifte in den elektrischen Spitzer, dann die Demo-CD in das Gerät und fing beim ersten Ton an draufloszukritzeln», erzählt Fritschi. Als die Musik zu Ende war, war auch der Zettel im speziellen «Nashville Number System», einer Kombination aus Zahlen und Zeichen, bereits fertig. Fritschi nimmt es neben all der Bewunderung auch gelassen, denn er kann sowieso keine Noten lesen, sondern spielt und singt – wie viele Musiker in Nashville – nach Gehör.

Während des Einspielens sind bei den Musikern noch Ideen entstanden. Hier eine Phrasierung, da eine etwas rockigere Gitarre oder stärkere Fiddle. «Intuitiv und ganz aus dem Gefühl heraus», beschreibt Fritschi den Prozess. Produzent Billy Yates ist es gelungen, Spitzenmusiker wie Schlagzeuger Eddie Bayers (13-facher Gewinner bei den ACM-Awards) und den dreifachen Grammy-Gewinner Larry Franklin an der Fiddle zu engagieren.

Emotionale Superlative

Wenn Fritschi über Nashville spricht, schwelgt er in emotionalen Superlativen, wie «Diese Musiker sind der absolute Wahnsinn» oder «Meine Duettpartnerin Teea (Goans) singt wie ein Engel». Als Tüpfelchen auf dem i schaute an einem Morgen auch noch Dan Dugmore, eine Koryphäe unter den Pedal-Steelern (Linda Ronstadt, James Taylor) rein, um mit Fritschi seine Erinnerungen an Claude Nobs und seine damaligen Auftritte am Montreux Jazz Festival zu teilen.

«Diese Musiker sind mit Musik aufgewachsen und spielen ihre Instrumente wie im Schlaf», weiss auch Marco Gottardi, der letztes Jahr mit Produzent Reto Burrell sein Album «Carnival of Dreams» in Nashville aufgenommen hat. «Dort drüben habe ich alles viel intensiver erlebt. Ich konnte diese ganze positive Energie der mitwirkenden Künstler aufnehmen und in die Produktion stecken», meint er rückblickend.

Ähnlich empfindet es Rolf Fritschi: «Wenn ich in Nashville durch die Strassen gehe, kann ich die Musik regelrecht spüren und einatmen.» Die Produktion bezahlt er übrigens aus der eigenen Tasche. Rund 25 000 Franken kosten alleine die Aufnahmen, das Mixen und Mastern in Nashville. «Ein Haufen Geld», gibt er unumwunden zu und ergänzt rasch: «Doch mir ist dieser Traum jeden Rappen wert».

Rolf Fritschi und Band(inkl. CD-Taufe) am Samstag, 2. März, 19.30 Uhr beim 29. Internationalen Country Music Festival im Schützenhaus Albisgüetli, Zürich.

Info www.rolf-fritschi.ch / www.albisguetli.ch