Frankenstärke
Fricktaler Betriebe spüren Preisdruck und ausländische Konkurrenz

NIcht alle, aber einige Branchen spüren im Fricktal den starken Franken. Während die Holzbranche vergleichsweise gut mit der Frankenstärke umgehen kann, ist die Situation für andere Unternehmen angespannt.

Nadine Pfeifer
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Handwerker spüren, dass sich vermehrt Handwerker aus dem Ausland um Aufträge bemühen und sie auch ausführen. (Archiv/Christine Bärlocher)

Handwerker spüren, dass sich vermehrt Handwerker aus dem Ausland um Aufträge bemühen und sie auch ausführen. (Archiv/Christine Bärlocher)

Christine Bärlocher/Ex-Press

Stellenabbau, Kurzarbeit, Schliessungen– Begriffe, die man seit dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs für den Euro aufzuheben, immer wieder hört. Auch im Fricktal ist die Marktlage durch den starken Franken für diverse Branchen angespannt. Obwohl die meisten Firmen in der Region bisher einen Stellenabbau umgehen konnten, stehen sie vor einer ungewissen Zukunft.

«Dank individuellen Lösungen konnten wir bis heute verhindern, dass wir Kunden verlieren. Geändert hat sich jedoch der Preisdruck. Dieser ist durch die aktuelle Lage deutlich stärker ausgeprägt», sagt Robert Reimann, CEO der Jakob Müller AG in Frick. Die Textilmaschinenfirma sei zwar gut ausgelastet, in Sicherheit wägt man sich aber nicht. «Im ersten Halbjahr 2015 stand weder Kurzarbeit noch ein Stellenabbau zur Diskussion. Sollte sich der Euro-Wechselkurs aber nicht zumindest auf ein Niveau von Fr. 1.10–1.15 verbessern, werden wir einen deutlich spürbaren Margenverlust nicht verhindern können. Es bleibt somit auch für uns eine angespannte Situation.»

Stark branchenabhängig

Die Bedrohung für einzelne Betriebe ist sehr branchenabhängig. Fritz Gloor, Präsident des Gewerbevereins Rheinfelden, sagt: «Für die Handwerker ist spürbar, dass sich vermehrt Handwerker vom Ausland um Aufträge bemühen und auch ausführen. Massnahmen wie Stellenabbau oder Kurzarbeit sind mir bisher aber zum Glück keine bekannt.»

Die Holzbranche kann zum Beispiel gut mit der Frankenstärke umgehen. Lorenz Obrist von der Balteschwiler AG in Laufenburg sagt: «Auftragseingang und Umsatz haben sich im Januar und Februar erfreulich entwickelt. Unser Exportanteil ist sehr klein. Wir haben bis dato keine Exportkunden verloren.»

Besorgter zeigt sich Markus Hasler, Inhaber der Hasler Gartenbau GmbH in Zuzgen: «Ich mache mir sehr viele Gedanken. Unsere Leistungen sind Luxusprodukte, wenn weniger Geld vorhanden ist, wird in unserer Branche sicher gespart.» Obwohl die Auslastung der Gartenbaufirma zur Zeit gut ist, spürt Markus Hasler die Verunsicherung. «Unser Ziel ist es aber, dagegen anzukämpfen.» Die Firma konnte dank der guten Auslastung sogar neue Mitarbeiter einstellen. «Wir versuchen, unseren Betrieb in dieser schwierigen Zeit zu festigen», sagt Hasler. Dennoch stellt sich für ihn die Frage: «Wie kann ich, meine ‹teuren, regionalen Mitarbeiter› längerfristig noch rechtfertigen?»

Währungsnachteil ist nicht neu

Eine Frage, die sich Detailhändler weniger häufig stellen. Marco Veronesi, Präsident von Pro Altstadt, dem Dachverein für Detaillisten und Dienstleister in der Rheinfelder Altstadt, sagt: «Die Detaillisten sind meistens nur Ein- bis Zweimannbetriebe. Ein Stellenabbau ist deswegen kaum eine Option.» Besonders Mode- und Reiseanbieter sind jedoch von ausländischer Konkurrenz betroffen. Ob diese nun Existenzängste haben? Veronesi relativiert: «Nach ein paar Wochen sollte man noch keine wirtschaftlichen Existenzängste haben müssen. Das sind allenfalls emotionale Ängste. Schliesslich haben wir schon seit vielen Jahren einen Währungsnachteil.»

Diese Aussage bestätigt auch die Schenker Schweiz AG in Eiken. Marc Hofmann, Leiter Marketing und Kommunikation, sagt: «Auch ohne die Aufhebung des Euro-Mindestkurses bestehen konjunkturelle Unsicherheiten. Rückschlüsse aus der momentanen Lage lassen sich wohl erst in einigen Monaten ableiten.» Als Transport- und Logistikunternehmen ist die Schenker Schweiz AG von Import und Export abhängig. Wenn die Frankenstärke zwar Einbussen beim Export mit sich bringt, profitieren sie von steigenden Importen.