Fricktal
Wer bekommt die Mittelschule Fricktal? Am Freitag legt der Regierungsrat die Karten auf den Tisch

Das Fricktal bekommt 2029 eine eigene Mittelschule. Offen ist, ob sie nach Frick, Stein und Rheinfelden kommt. Am Freitag legt Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Botschaft an den Grossen Rat vor. Die Fricktaler Grossräte erwarten, dass der Regierungsrat Farbe bekennt und sich für einen, maximal zwei Standorte ausspricht. Für Zündstoff sorgt Gertrud Häseli (Grüne): Sie will die Mittelschule statt der Berufsschule.

Thomas Wehrli
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Eine Frage bewegt das politische Fricktal seit Monaten: Wer bekommt den Zuschlag für die Mittelschule Fricktal, die im Sommer 2029 eröffnet wird? Fällt die Wahl auf Stein, Rheinfelden oder doch auf Frick?

Am Freitag lichtet sich der Nebel – zumindest etwas. Denn Ende Woche stellt Bildungsdirektor Alex Hürzeler in Aarau die Botschaft an den Grossen Rat vor. Dieser wird den Standortentscheid letztlich fällen.

Am Freitag legt Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Botschaft an den Grossen Rat vor.

Am Freitag legt Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Botschaft an den Grossen Rat vor.

Colin Frei (14. Januar 2020)

Höchste Zeit also, nochmals etwas im Nebel zu stochern. Nimmt man die Antworten der Kantonalparteien in der Anhörung als Referenz, hat Frick die schlechtesten Karten. Für die Gemeinde im oberen Fricktal sprach sich keine Kantonalpartei aus. Die anderen beiden Standorte dagegen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für Stein sprachen sich in der Anhörung vier Parteien – SVP, FDP, Die Mitte und EVP – aus, für Rheinfelden mit SP, Grüne und GLP deren drei.

Würden alle Grossräte geschlossen nach der Präferenz in der Anhörung stimmen, so käme Stein auf rund 40 Stimmen mehr als Rheinfelden. Doch zum einen ist es wenig wahrscheinlich, dass alle Grossräte geschlossen der Parteiparole folgen, zum anderen fliesst bis zum Entscheid im Grossen Rat – er wird im nächsten Frühjahr fallen – noch viel Wasser den Rhein hinunter. Sprich: Den Standortgemeinden bleibt noch Zeit, hinter den Kulissen für sich zu lobbyieren.

Grossräte erhoffen sich eine klare Ansage

Dies setzt allerdings voraus, dass der Regierungsrat am Freitag nicht mit einem Einer-, sondern einem Zweier- oder sogar dem Dreiervorschlag aus der Anhörung ins Rennen steigt. Dass er alle drei Standorte im Rennen belässt, ist wenig wahrscheinlich: Frick dürfte ausscheiden.

Geht es nach den Parteien, hat der Standort Frick die schlechtesten Karten.

Geht es nach den Parteien, hat der Standort Frick die schlechtesten Karten.

Paul Gürtler (30. März 2021)

Dies aus drei Gründen: Erstens schnitt der Standort Frick in der Bewertung, die der Kanton für den Anhörungsbericht vorgenommen hat, am schlechtesten ab. Zweitens spricht sich keine Kantonalpartei für den Standort aus.

Drittens ärgerten sich einige Parteien, dass der Regierungsrat im Anhörungsbericht keine klarere Priorisierung vorgenommen hat. Die FDP etwa schrieb:

«Es ist zu bedauern, dass der Regierungsrat im Anhörungsbericht keine klare Empfehlung abgibt und vielmehr den regionalpolitisch schwierigen Entscheid abschiebt.»

Mehrere Grossräte sagen denn auch im Gespräch, sie erwarten vom Regierungsrat, dass er nun Farbe bekennt.

Soll die Mittelschule die Berufsschule ersetzen?

Gertrud Häseli.

Gertrud Häseli.

Zvg / Aargauer Zeitung

Zu ihnen gehört Gertrud Häseli (Grüne). Sie wünscht sich ein Einerticket – und auf diesem soll Rheinfelden stehen. Häseli geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht die Mittelschule nicht als Ergänzung zum Berufsbildungszentrum Fricktal (BZF), das auf dem gleichen Areal zu Hause ist, sondern als dessen Nachfolgerin. «Wir haben zu viele Berufsschulen», ist sie überzeugt und verweist auf sinkende Schülerzahlen. Es biete sich hier für den Bildungsdirektor eine gute Gelegenheit, die Berufsschulstandorte zu optimieren.

«Wir können so auch Kosten sparen. Die Mittelschule kann die durch die Aufgabe des BZF frei werdenden Räume nutzen und es braucht nur noch eine Erweiterung.»

Gar nichts von dieser Idee hält Alfons P. Kaufmann (Die Mitte). «Ich werde alles daransetzen, dass die Mittelschule nicht auf Kosten der Berufsschule kommt.» Sein Ziel ist es vielmehr, das Berufsbildungszentrum in Rheinfelden zum Kompetenzzentrum für Gesundheit auszubauen. «Mit den Kliniken in der Region und der Pharmaindustrie sind wir dafür prädestiniert.»

Rheinfelden bewirbt sich mit dem Standort Engerfeld um die Fricktaler Mittelschule.

Rheinfelden bewirbt sich mit dem Standort Engerfeld um die Fricktaler Mittelschule.

Zvg / Aargauer Zeitung

Auch bei Einervorschlag kann der Grosse Rat frei entscheiden

Beim Mittelschulstandort erwartet Kaufmann, dass der Regierungsrat am Freitag mit einem Zweiervorschlag aufwarten wird. «Ich vermute aufgrund der Anhörung, dass es Stein und Rheinfelden sein werden.» Das vermutet auch Elisabeth Burgener (SP). Sie würde es allerdings begrüssen, wenn der Regierungsrat mit einem Einerticket käme und so klar Position beziehen würde:

Alfons P. Kaufmann.

Alfons P. Kaufmann.

Zvg / Aargauer Zeitung
«Dann wäre für die Beratungen im Grossen Rat klar, was der Regierungsrat will.»

Sie macht zugleich klar: «Der Entscheid im Grossen Rat könnte auch bei einem Einervorschlag noch zu Gunsten von einem anderen Standort fallen.» Bleibt es beim kommunizierten Zeitfahrplan, wird Burgener eine besondere Rolle beim Entscheid zukommen: Sie wird dannzumal als Grossratspräsidentin die Abstimmung leiten.

Ein klares Votum für einen einzigen Standort wünscht sich auch Bruno Tüscher (FDP). «Das vereinfacht die Beratungen im Grossen Rat», ist er überzeugt. Sein persönlicher Favorit ist Stein.

Für den Standort Stein sprachen sich vier Kantonalparteien aus.

Für den Standort Stein sprachen sich vier Kantonalparteien aus.

Zvg / Aargauer Zeitung

Schwieriger Entscheid in einem emotionalen Thema

Auch Béa Bieber (GLP) wünscht sich, dass der Regierungsrat sagt, was er will. «Ich hoffe, dass der Regierungsrat eine klare Position einnimmt und nicht alles an das Parlament delegiert.» Schon für die Anhörung hatte sie sich einen klareren Positionsbezug erhofft.

Béa Bieber.

Béa Bieber.

Markus Raub / Zvg
«Ich erwarte eine klare Empfehlung. Entweder sagt er uns, weshalb er einen Standort bevorzugt, oder dann, weshalb er einen nicht will.»

Skeptischer ist Désirée Stutz (SVP). Sie rechnet nicht damit, dass der Regierungsrat einen Standort aus dem Rennen nimmt. Denn:

«Die Schule ist ein hochemotionales Thema und der Entscheid entsprechend schwierig.»

Auch Stutz wünscht sich natürlich, dass der Regierungsrat wie bei anderen Geschäften klar Position bezieht und den optimalen Standort benennt. Nur eben: «Bei der Standortwahl für die Mittelschule spielen viele Interessen mit und alle Vertreter weibeln für ihr Anliegen.»

Welches Fazit lässt sich nun aus der Nebelstocherei ziehen? Dass der Standortentscheid eine heisse Kartoffel ist und eine Frage am Freitag sein wird, ob sie Bildungsdirektor Hürzeler in die Finger nimmt – oder sie schnell, weil heiss, an den Grossen Rat weiterreicht.

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