Fricktal
Weil wenig Bienen flogen: Dieses Jahr landen deutlich weniger Äpfel in der Mostpresse

Seit einigen Wochen laufen die Mostpressen im Fricktal. Die angelieferte Menge kann dabei nicht mit anderen Jahren mithalten. Mit der Qualität aber sind die Betriebe durchaus zufrieden – auch wenn der Süssmost nicht ganz so süss ist wie auch schon.

Nadine Böni
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In der historischen «Fledermosti» in Hellikon landen dieses Jahr deutlich weniger Äpfel in der Presse als in anderen Jahren.

In der historischen «Fledermosti» in Hellikon landen dieses Jahr deutlich weniger Äpfel in der Presse als in anderen Jahren.

Zvg

Der Herbst ist die Zeit der bunten Blätter, der nebligen Morgenstunden – und des Süssmosts. Seit einigen Wochen laufen im Fricktal die Pressen. Wobei: Die Mosterei hat in diesem Jahr deutlich später begonnen als in anderen Jahren. «Wir sind etwa zwei Wochen später dran», sagt Daniela Birri, die mit ihrem Mann Ruedi in Zeihen mostet. Ähnlich tönt es bei Dieter Bürgi in Olsberg und Ernst Schlienger in Hellikon.

Der Grund dafür ist, wenig überraschend, der verregnete Sommer. «Viele Obst- und Gemüsekulturen konnten in diesem Jahr erst etwas später geerntet werden», sagt Bürgi. Das schlechte Wetter hat dabei nicht nur Einfluss auf den Erntezeitpunkt, sondern vor allem auch auf die geerntete Menge. Schlienger, der in der «Fledermosti» in Hellikon mostet, sagt:

«Wir erhalten von unseren Kundinnen und Kunden deutlich kleinere Mengen angeliefert.»

Auf etwa 50 Prozent schätzt Bürgi die Menge im Vergleich mit anderen Jahren; Birri gar nur auf rund einen Drittel. Damit bilden die Fricktaler Mostereien keine Ausnahme: Diese Woche teilte der Schweizer Obstverband mit, dass 2021 deutlich weniger Mostäpfel und -birnen verarbeitet würden. Waren es im Vorjahr schweizweit noch rund 86'000 Tonnen, sind es dieses Jahr voraussichtlich knapp 67'000 Tonnen.

Frost, Fäulnis und schlechte Bestäubung

Grund dafür sind mehrere wetterbedingte Effekte. Etwa die Nässe im Sommer, die für überdurchschnittlich viel Fäulnis sorgte. «Teilweise begannen die Äpfel schon am Baum zu faulen», sagt Daniela Birri. Ausserdem spielte das Wetter genau in der entscheidenden Phase nicht mit: der Blust.

Honigbienen fliegen nur bei Schönwetter und Temperaturen ab etwa 12 Grad. Schlienger erklärt:

«Während der Blust war es regnerisch. Die Bienen sind selten geflogen, weshalb auch die Bestäubung nicht gut funktionierte.»

Dieter Bürgi setzt bei der Bestäubung auch aus diesem Grund vermehrt auf Wildbienen. Diese würden schon bei deutlich kühleren Temperaturen ausfliegen und liessen sich auch von Regen nicht aufhalten, erklärt er.

Dieter Bürgi mostet in Olsberg.

Dieter Bürgi mostet in Olsberg.

Nadine Böni (14. August 2018)

Für die kleinere Erntemenge macht Bürgi denn auch nicht in erster Linie das schlechte Wetter während der Blust verantwortlich. Bei ihm war vielmehr der Frost das Hauptproblem. «Während des Frosts über die Ostertage sind viele Blüten erfroren», sagt er.

Weniger süss, aber trotzdem gut

Frost hin, Regen her – die Qualität des diesjährigen Mosts scheint trotz allem zu stimmen. «Natürlich hätten die Äpfel noch etwas Sonne vertragen», sagt Ernst Schlienger. Der Süssmost sei dieses Jahr nicht ganz so süss wie in anderen Jahren, sagt auch Dieter Bürgi. Aber: «Er ist deshalb keineswegs schlechter.»

Auch Daniela Birri ist zufrieden. Dem durchzogenen Erntejahr 2021 gewinnt sie ausserdem etwas Positives ab: «Stimmt das Wetter nächstes Jahr, haben die Bäume genug Energie und es gibt eine wirklich tolle Ernte.»

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