Fricktal
Vier Kantonalparteien sind für Stein, drei für Rheinfelden – ist das die Vorentscheidung in Sachen Mittelschule?

Frick, Rheinfelden oder Stein? Bis am Samstag lief die Anhörung zum künftigen Standort der Fricktaler Mittelschule. Auch die Kantonalparteien von links bis rechts haben ihre Meinung kundgetan. Einen klaren Sieger gibt es dabei nicht – wohl aber neu einen klaren Aussenseiter.

Thomas Wehrli
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Die Anhörung zur Mittelschule im Fricktal ist seit Samstag vorbei, die kantonalen Parteien haben – wie auch lokale Sektionen und weitere Institutionen – ihre Meinung zu den drei Standorten Frick, Stein und Rheinfelden kommuniziert.

Keine der Kantonalparteien spricht sich für Frick aus.

Keine der Kantonalparteien spricht sich für Frick aus.

Paul Gürtler / Aargauer Zeitung

Diese fällt, zumindest bei den kantonalen Parteien, recht deutlich aus. Oder zweideutig, wenn man will, denn vier Parteien sprechen sich für Stein, drei für Rheinfelden aus. Mit anderen Worten: Keine Kantonalpartei sieht die Mittelschule Fricktal, die im Sommer 2029 eröffnet werden soll, in Frick.

Aktuell hat Stein die Nase vorne

SVP, FDP, EVP und Die Mitte präferieren Stein als Standort.

SVP, FDP, EVP und Die Mitte präferieren Stein als Standort.

Zvg / Aargauer Zeitung

Die Bewerbung aus dem oberen Fricktal dürfte es damit schwerhaben, zumal der Regierungsrat die Zahl der möglichen Standorte in der Botschaft an den Grossen Rat – sie dürfte im Herbst vorliegen – wohl auf maximal zwei reduzieren dürfte und am Schluss der Grosse Rat über das Projekt entscheidet. Würden die Fraktionen geschlossen stimmen, käme Stein im Grossen Rat aktuell auf rund 40 Stimmen mehr als Rheinfelden.

SP, Grüne und GLP sind für Rheinfelden als Mittelschulstandort.

SP, Grüne und GLP sind für Rheinfelden als Mittelschulstandort.

Zvg / Aargauer Zeitung

Doch zum einen stimmen die Fraktionen eher selten geschlossen, zum anderen kann sich die Stimmung, angeregt durch ein gutes Lobbying, im weiteren Projektverlauf durchaus noch verändern. Kommt hinzu, dass die meisten Parteien grundsätzlich alle drei Standorte – also auch Frick – für geeignet erachten. Doch auf was stützt sich ihre Präferenz?

Eine Umschau unter den Parteien:

  • Die SVP, mit 43 Sitzen die grösste Fraktion im Grossen Rat, spricht sich für Stein aus. Als Gründe führt sie die Kosten, die fristgerechte Realisierung sowie «regionalpolitische Überlegungen zur Stärkung der ländlichen Gemeinden» an. Noch nicht optimal ist derzeit in Stein, das betonen mehrere Parteien, die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. «Die Erschliessung des ÖV ist wie in Rheinfelden im mittleren Bereich», schreibt die SVP. Allerdings sei ein Vorteil, dass die Schüler den ÖV nach Stein antizyklisch nutzen und so zu einer Entlastung zum Pendlerverkehr nach Basel beitragen könnten.
  • Die SP, mit 23 Sitzen die zweitstärkste Kraft im Grossen Rat, spricht sich dagegen für Rheinfelden aus. Vor allem «das Argument der zu nutzenden Synergien mit dem Berufsbildungszentrum sowie das grosse Einzugsgebiet der Schülerinnen und Schüler» gewichtet die Partei stark. Auch könnte eine überregionale Zusammenarbeit angestrebt werden.
  • Für die FDP, die 21 Grossräte stellt, ist Stein der Favorit – unter anderem wegen der guten Platzverhältnisse, der möglichen Synergien und weil die Gemeinde bereits als Mittelschulstandort im Schulgesetz verankert ist. Die Partei spart aber auch mit Kritik am Regierungsrat nicht: «Es ist zu bedauern, dass der Regierungsrat im Anhörungsbericht keine klare Empfehlung abgibt und vielmehr den regionalpolitisch schwierigen Entscheid abschiebt.»
  • Die Mitte (vormals CVP) stellt 18 Grossräte und spricht sich ebenfalls für Stein aus. Die Partei hebt die zentrale Lage, das Entwicklungspotenzial sowie das Synergiepotenzial mit den Sportanlagen und den Chemie- und Pharmaunternehmen hervor. Stein hat laut der Partei «ebenfalls leichte Vorteile betreffend die Aufenthaltsqualität gegenüber den andern beiden Möglichkeiten». Für die Grünen – sie stellen 14 Grossräte – ist Rheinfelden die erste Wahl. «Der Mittelschulstandort soll nicht für die Regionalentwicklung missbraucht werden», schreibt die Partei mit Blick auf Stein und Frick. Für Rheinfelden spricht, dass der Bildungsraum Nordwestschweiz gestärkt und ein interkantonaler Austausch möglich ist. Zudem biete Rheinfelden die besten kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aller drei Standorte. Die Grünen erwarten, dass der Standortentscheid «umgehend gefällt» wird. Sie sind überzeugt: «Weitere Evaluationen sind nicht zielführend.»
  • Die GLP, die im Grossen Rat auf 13 Sitze kommt, möchte die Mittelschule Fricktal ebenfalls in Rheinfelden realisiert sehen. Die Partei hält einen gemeinsamen Standort für die berufliche wie für die gymnasiale Ausbildung für sinnvoll; die Mittelschule käme in Rheinfelden ­unmittelbar neben das Berufsbildungszentrum Fricktal zu stehen. Die Partei mahnt zudem: «Sollte sich der Standort Rheinfelden durchsetzen, so ist in den weiteren Planungsschritten den Aspekten der Erschliessung der Schule für den Veloverkehr besondere Beachtung zu schenken.»
  • Die EVP, die sechs Grossräte stellt, spricht sich für Stein aus. Der Standort zeichne sich durch seine ruhige, eher ländliche Lage mit genügend Platz aus, schreibt die Partei und sieht hier das grösste Ausbaupotenzial und Möglichkeiten zu Kooperationen mit Unternehmen. Zudem erleichtere es die Planung, dass Stein bereits im Schulgesetz als Standort eingetragen sei.

Wo die Mittelschüler aus dem Fricktal ab 2029 die Schulbank drücken, ist also noch offen. Klar ist aber: Es wird im Fricktal sein, denn der Grundsatz, dass das Fricktal eine eigene Mittelschule erhält, ist bei den Kantonalparteien unbestritten.