Fricktal
Spontane Aktionen: Narren zeigten am Wochenende, dass der Fasnachtsgeist trotz Corona lebt

In Laufenburg ziehen die Narronen durch die Stadt, in Kaisten spielt die Guggenmusik auf, in Rheinfelden wird Frau Fasnacht ausgehängt und begraben – in den Hochburgen wurde im kleinen Rahmen zelebriert. Die Polizei hatte keinen Grund, zu intervenieren.

Dennis Kalt
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Am Sonntag sassen «drei Narre uf Hansels Chare» und zelebrierten im coronakonformen Rahmen Fasnacht in der Laufenburger Altstadt.

Am Sonntag sassen «drei Narre uf Hansels Chare» und zelebrierten im coronakonformen Rahmen Fasnacht in der Laufenburger Altstadt.

Bild: zvg (14. Februar 2021)

Prächtige Kostüme, laute Tschättermusik, grosse Kinderaugen – es ist eine Szene, wie sie aus den Fricktaler Fasnachtshochburgen nicht wegzudenken ist. An diesem Fasnachtssonntag hätte die fünfte Jahreszeit mit seinen Umzügen und Guggenkonzerten – nach dem dritten Faissen am Donnerstag – den nächsten närrischen Paukenschlag gesetzt. Doch hat die Pandemie, wie schon so vieles zuvor, auch das bunte Treiben vertilgt.

In der Laufenburger Altstadt ertönen die Trommeln

Doch so mancherorts wollten die Narren eben doch zeigen, dass der Geist der Fasnacht auch angesichts der Absagen offizieller Veranstaltungen existiert. So etwa in der Altstadt von Laufenburg, in der es am Sonntag «eine coronagerechte Aktion der Narronen mit den Tambouren auf der Brücke gab», wie René Leuenberger von der Narro-Altfischerzunft 1386 Laufenburg sagt.

«Drei Narre uf Hansels Chare»: In einer spontanen Aktion zelebrierten die Narronen die Fasnacht in der Laufenburger Altstadt und spielten auf der alten Brücke auf.

zvg

Eine zweite spontane Aktion sei auf Initiative dreier Zunftbrüder entstanden. Mit einem kleinen Traktor, der ein altes Rossfuhrwerk im Schlepptau hatte – «drei Narre uf Hansels Chare» –, zogen die Narronen durch die Altstadt und riefen die typischen Fasnachtsverse aus. Leuenberger sagt:

«Es gab keine Ansammlungen, die Menschen schauten von ihren Fenstern aus zu.»

Es sei ein komisches Gefühl gewesen, verkleidet durch die leeren Altstadtgassen zu ziehen. «Ich denke, wir haben die Möglichkeiten, Fasnacht coronagerecht zu zelebrieren, ausgeschöpft», sagt Leuenberger.

Am Donnerstagmorgen, so Narrenvater Marco Zaugg, habe um 5 Uhr spontan die Tschättermusik im Dorf aufgespielt. An den Abenden der folgenden Tage seien zudem drei bis vier Fünfergruppen, bestehend aus Privatpersonen, beim Haldejoggeli-Platz gestanden, «damit man sieht, dass Fasnacht ist», sagt Zaugg.

Polizei Oberes Fricktal hatte ein ruhiges Fasnachtswochenende

Die Polizei Oberes Fricktal hatte in Sachen Fasnacht ein ruhiges Wochenende, wie Polizeichef Werner Bertschi berichtet. «Wir hatten lediglich eine Meldung aus Kaisten, wo sich rund 20 verkleidete Personen versammelt hatten. Bei der Vorsprache durch die Polizei verhielten sich die betreffenden Personen absolut kooperativ.» Die Patrouille vor Ort habe zudem festgehalten, dass die Coronavorschriften bezüglich des Abstands und der Maskenpflicht eingehalten wurden. Die Personen habe man soweit notwendig ermahnt. «Sonst gab es keine Vorkommnisse», so Bertschi.

Marcello Flückiger, Vizepräsident der Fasnachtsgesellschaft Rheinfelden, bezeichnet die Tage nach dem dritten Faissen in der Altstadt als trostlos. Dennoch habe man Frau Fasnacht am Donnerstag am Obertorturm aufgehängt. Am Sonntag dann, so Flückiger, trugen vier Mitglieder der Grüttgrabe-Geischter einen Sarg über die Geiss- und Marktgasse zur Schifflände, um Frau Fasnacht dort zu begraben. Flückiger sagt:

«Von der Aktion wurden Fotos gemacht, um über die sozialen Medien zu zeigen, dass – obwohl man sich nicht treffen darf, um zu feiern – gleichwohl Fasnacht ist.»

Eigentlich, so Flückiger, verbrenne man Frau Fasnacht für gewöhnlich unter Aufsicht der Feuerwehr. «Darauf haben wir dieses Mal verzichtet und stattdessen einen Feuerwerk-Vulkan abgebrannt.»

Ähnlich wie im oberen Fricktal bezeichnet Hansueli Loosli, Leiter der Regionalpolizei unteres Fricktal, das Fasnachtswochenende als ruhig.

Zweiter Golfkrieg beschäftigte Fricktaler Narren

Gut 30 Jahre ist es her, als irakische Truppen nach Kuwait einmarschierten. Im Januar 1991 begann eine Koalition, angeführt von den USA mit Kampfhandlungen zur Befreiung Kuwaits. Auch Deutschland unterstützte die Koalition finanziell und mit Infrastruktur. Aufgrund des öffentlichen Drucks in Deutschland wegen der Involvierung in den Zweiten Golfkrieg sagten die Karnevalshochburgen die Rosenmontagsumzüge damals ab, die Verbände der Schwäbisch-Alemannischen Fasnacht folgten.

René Wendelspiess, damals Präsident der Fasnachtsgesellschaft Rheinfelden, erinnert sich. «Aus Solidarität haben wir darauf verzichtet, am dritten Faissen Frau Fasnacht aufzuhängen. In diesen Tagen fand in Rheinfelden gar keine Fasnacht statt.» Den Rheinfelder Cliquen stellte man jedoch frei, andernorts Fasnacht zu feiern. So nahmen etwa die Grüttgrabe-Geischter am Umzug in Kaiseraugst teil.

Hingegen fanden in Laufenburg Anlässe auf der Schweizer Seite wie Tschättermusiken oder auch der Kinderball statt, wie René Leuenberger von der Narro-Alt-Fischerzunft 1386 Laufenburg sagt. «Wir können es am Hochrhein nicht ändern, was in der grossen Politik passiert, darum machen wir Fasnacht und leben unsere Tradition.»

In Kaisten, so Narrenvater Marco Zaugg, seien die grossen Figuren nicht beleuchtet gewesen. «Dies aus Solidarität.» Man entschied sich jedoch schliesslich, die Dorffasnacht wie gewohnt zu feiern.