Fricktal
«Nicht nur der Sport fehlt – wir vermissen auch das ganze Drumherum»

Ganz egal, ob Eishockey, Fussball oder Volleyball: Im Amateursport sind derzeit kaum Aktivitäten möglich. Für die Sportlerinnen und Sportler ist das keine einfache Situation – und auch die Vereine befürchten negative Konsequenzen.

Nadine Böni
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Nur zu gern würden die Eishockeyaner des EHC Rheinfelden derzeit über einen Treffer jubeln – die Saison aber ist abgebrochen.

Nur zu gern würden die Eishockeyaner des EHC Rheinfelden derzeit über einen Treffer jubeln – die Saison aber ist abgebrochen.



Eh-Presse/28. Februar 2019

Wäre es ein normales Jahr, würde der EHC Rheinfelden jetzt wohl mitten in der strengsten Phase der Saison stecken, den 2.-Liga-Playoffs. Dort schafften es die Eishockeyaner in den letzten Jahren immer mindestens in die Halbfinals. Und dieses Jahr? Ist natürlich alles anders. Genau ein Saisonspiel konnte im Herbst noch gespielt werden, dann wurde die Saison zunächst unter- und schliesslich vor einigen Wochen abgebrochen.

Ähnlich erging es den 2.-Liga-Volleyballerinnen von Volley Smash 05 Laufenburg-Kaisten. Hier wurde im Frühjahr bereits die vergangene Saison abgebrochen, im Herbst dann – nach erst einem Spiel – auch die neue Saison 2020/21. Die 2.-Liga-Fussballer des FC Wallbach derweil durften vor dem Unterbruch immerhin zehn Spiele austragen. Noch ist unklar, ob ihre Saison fortgeführt wird.

Im Herbst durfte der FC Wallbach noch jubeln – inzwischen ist unklar, ob und wie die Saison in der 2. Liga fortgesetzt wird.

Im Herbst durfte der FC Wallbach noch jubeln – inzwischen ist unklar, ob und wie die Saison in der 2. Liga fortgesetzt wird.

Edgar Hänggi/Eh-Presse

Den Fricktaler Amateursportlerinnen und -sportlern sind derzeit also disziplinenübergreifend die Hände und Füsse gebunden. Die Fünf-Personen-Regelung und teilweise gesperrte Sportanlagen und -hallen verhindern auch Trainings. «Die Situation ist nicht einfach», sagt Michael Eppler, Trainer der ersten Mannschaft beim EHC Rheinfelden. «Nicht nur der Sport fehlt. Wir vermissen auch das ganze Drumherum.» Das «Kabinenleben», wie Eppler es nennt. Nach einem strengen Arbeitstag mal Dampf ablassen etwa, mit den Mannschaftskollegen Witze reissen, ein Bier trinken – oder auch die Alltagssorgen besprechen.

Es fehlt ein liebgewonnenes Hobby, eine Leidenschaft

«Der soziale Aspekt ist im Amateursport mindestens so wichtig wie die sportliche Komponente», sagt Giuseppe Oliva, Trainer der ersten Mannschaft beim FC Wallbach. Und es fehlt schlicht ein liebgewonnenes Hobby, eine Leidenschaft. Oliva ist seit Jahren im regionalen Fussball tätig. Ebenso lange waren seine Kalender nach dem Fussball getaktet, es gab stets fixe Trainings- und Spieltage. Jetzt sitze er abends manchmal auf dem Sofa und wisse nicht, was für ein Wochentag sei. Er lacht und sagt:

«Zeit auf dem Fussballplatz ist für mich Zeit, die ich mit Menschen verbringe, welche die gleiche Leidenschaft haben, die gleichen Emotionen erleben. Das fehlt mir persönlich sehr.»

Die Sportlerinnen und Sportler versuchen teilweise, alternative Möglichkeiten zu finden. Die Fussballer des FC Wallbach etwa treffen sich in kleinen Gruppen, um gemeinsam joggen zu gehen. «Alles im erlaubten Rahmen», betont Oliva.

Die Volleyballerinnen von Smash 05 trainieren derweil weiterhin gemeinsam – über Videokonferenz. Trainiert wird nur mit dem eigenen Körpergewicht oder einfachen Hilfsmitteln aus dem Haushalt. So kommen auch mal volle Getränkeflaschen als Hanteln zum Einsatz. «Es geht einerseits darum, körperlich etwas zu machen. Andererseits können die Teammitglieder so den Kontakt zueinander halten», sagt Trainer Mike Fehlmann.

Sorgt die Pandemie für Mitgliederschwund?

Irgendwie Kontakt halten, das Vereinsleben – obwohl es derzeit inexistent ist – nicht aus den Augen verlieren. Das ist auch die Devise der Vereine. Sie fürchten, dass die Zwangspause dazu führen könnte, dass Mitglieder abwandern. «Gerade im Juniorenbereich ist das eine Gefahr», sagt Fehlmann. «Entsprechend wichtig ist es, dass wir ein Zugehörigkeitsgefühl zum Verein schaffen.» Das sieht auch Michael Eppler vom EHC Rheinfelden so. Seit einiger Zeit besuchen deshalb regelmässig Spieler der ersten Mannschaft die Trainings der Junioren, die unter Auflagen weiter möglich sind. «Das sorgt für grossen Lerneffekt und Spass – aber eben auch für Identifikation mit Verein. Die schwierige Situation hat den Verein so auch zusammengeschweisst.»

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