Fricktal
Mit Sicherheit ein gutes Gefühl – dieses Pilotprojekt will dafür sorgen, dass Menschen länger zu Hause leben können

Das Pilotprojekt «Betreutes Wohnen in der Gemeinde» hat zum Ziel, dass Menschen auch im Alter oder wenn sie gesundheitliche Beeinträchtigungen haben, zu Hause leben können. Das Projekt ist vorerst auf drei Jahre ausgelegt. Und obwohl die Pandemie den Start erschwert, sind die Initianten zuversichtlich, dass es eine Zukunft hat.

Thomas Wehrli
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Zum Basismodul können auch weitere Dienstleistungen – etwa im Bereich der Pflege – hinzu gebucht werden.

Zum Basismodul können auch weitere Dienstleistungen – etwa im Bereich der Pflege – hinzu gebucht werden.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Die Idee ist simpel, aber hat Zukunft: Menschen sollen auch im Alter oder wenn sie gesundheitliche Beeinträchtigungen haben und keine Angehörigen in der Nähe sind, zu Hause leben können. Dazu brauchen sie vorab zweierlei: Die für sich akkurate Betreuung respektive Pflege – und die Sicherheit, dass im Notfall jemand da ist.

Genau dies will das Pilotprojekt «Betreutes Wohnen in der Gemeinde» (BWG) bieten. Die Kunden sind dabei in ein Notrufsystem eingebunden; löst ein Kunde einen Notruf aus, kommt eine Fachperson der Spitex vorbei – und dies rund um die Uhr. Dazu können weitere Module von Spitex Regio Frick oder Pro Senectute Aargau gebucht werden, etwa im Pflegebereich oder in der Alltagshilfe.

Pilotprojekt wurde 2020 gestartet

Gestartet haben die Partner – neben der Spitex Regio Frick und Pro Senectute Aargau sind der Verein für Altersbetreuung im oberen Fricktal (VAOF) sowie die sechs Gemeinden Frick, Gipf-Oberfrick, Oeschgen, Wittnau, Wölflinswil und Oberhof dabei – das vorerst auf drei Jahre angelegte Projekt im Juli 2020.

«Der Start war wegen der Coronapandemie harzig», blickt Projektleiterin Roberta Samero auf die letzten Monate zurück. Sie ist überzeugt:

«Ohne Corona hätten wir deutlich mehr Kunden.»

Denn die Pandemie erschwerte den ersten Schritt, den jedes Projekt machen muss, massiv: das Sich-bekannt-Machen.

«Jede Aktion oder Infoveranstaltung, die wir geplant hatten, mussten wir wieder streichen», sagt Samero. Viel erwartet hatten sie sich von «Gewerbe vor Ort», der Gewerbeausstellung in Frick im Oktober. Doch auch diese fiel Corona respektive der Zertifikatspflicht zum Opfer.

Standaktionen sollen das Projekt bekannt machen

Nun gelte es, neue Wege zu finden, um sich bekannter zu machen, so Samero. Eine ist ein Informationsabend am 21. Oktober, der vom Verein Fürenand Wölflinswil-Oberhof für die Bevölkerung organisiert wird, eine weitere sind Standaktionen. Die erste vor dem Volg in Wittnau «kam gut an», freut sich Samero. Die nächste findet diesen Freitag von 9 bis 11 Uhr vor der Löwen-Apotheke in Frick statt.

Aktuell sind sechs aktive Kunden beim Pilotprojekt dabei, weitere Kunden waren zwischenzeitlich an Bord. Samero:

«Wir haben festgestellt, dass das Angebot häufig gebucht wird, wenn eine Notsituation eintritt.»

Eine solche tritt beispielsweise ein, wenn der Partner stirbt und der Zurückbleibende im Alltag auf Hilfe angewiesen ist. So war es bei einer Kundin, die dann vorübergehend ins Pflegeheim kam und hier wenig glücklich war.

Dank BWG lebt sie heute wieder zu Hause – und ist happy. Im Jahresbericht des VAOF erzählt sie: «Ich konnte mein Leben wieder selber in die Hand nehmen.» Sie habe ihren Alltag zurückbekommen und fühle sich gut betreut und auch in der Nacht gut versorgt. «Zum Glück musste ich den Hilferufknopf nicht oft drücken, aber es hat immer gut geklappt und ich habe schnell Hilfe bekommen.»

Projekt entlastet die Angehörigen

Eine Entlastung, das hört Samero immer wieder, ist das Projekt insbesondere auch für die Angehörigen. Und zwar doppelt:

«Sie haben die Gewissheit, dass das Familienmitglied schnelle und professionelle Hilfe bekommt, und sie können sich wieder um das Wesentliche kümmern.»

Insgesamt zieht Samero nach rund der Hälfte der Projektzeit «eine positive Bilanz». Man passe das Konzept fortlaufend aufgrund der Erfahrungen an. «Dabei legen alle Partner eine grosse Flexibilität an den Tag.» Das sei nicht selbstverständlich, so die Projektleiterin. Sie ist überzeugt: «Es ist ein gutes Angebot, das der Region eine Aufwertung bringt.»

Es gilt nun, das Projekt weiter zu entwickeln und zu verfeinern. Dazu haben die beteiligten Organisationen eine externe Evaluationsfirma beigezogen, die das Angebot anhand von Befragungen von Kunden und Angehörigen analysiert und auswertet und begleitet.

Das Pilotprojekt ist dabei ergebnisoffen. «Wir wollen mit dem Projekt herausfinden, ob ein solches Produkt gefragt ist oder wie es gegebenenfalls angepasst werden muss», sagt Samero. Es sei allen Partnern klar, dass dabei auch ein Nein herauskommen könne. «Verloren ist aber auch dann nichts. Die Erfahrungen können wir in ein Folgeprojekt einspeisen.»

Weiter Weg bis Angebot selbsttragend ist

Finanziert wird das Pilotprojekt primär mit Geldern aus dem Swisslos-Fonds und der Age-Stiftung. Damit es langfristig angeboten werden kann, muss das Angebot mittelfristig selbsttragend werden. «Dazu sind rund 70 Kunden nötig», sagt Samero. Dass es bis dahin ein weiter Weg ist, weiss die Projektleiterin, aber:

«Die Zahlen stehen derzeit nicht im Vordergrund, sondern das Sammeln von Erfahrungen.»

Es gelte, einen guten Weg zu finden, die den Menschen in der Region nütze.

Sie selber glaubt an das Projekt. «Die Betreuung zu Hause hat Zukunft – nicht nur für ältere Menschen, sondern auch für Jüngere mit gesundheitlichen Einschränkungen oder als postoperative Übergangslösung.»

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