Fricktal
Immer mehr Leute überlassen das Möbelschleppen den Zügelfirmen – gerade in der Pandemie

Die Coronakrise hat die Lust der Leute auf Tapetenwechsel nicht schmälern können. Doch die Last des Umzugs überlassen sie immer mehr professionellen Zügelfirmen. Auch im Fricktal freuen sich diese über volle Auftragsbücher. Und es gibt noch mehr Gründe, warum das Virus deren Geschäft aktuell Flügel verleiht.

Hans Christof Wagner
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Mitarbeiter der Zügelfirma Maya bei der Arbeit.

Mitarbeiter der Zügelfirma Maya bei der Arbeit.

Bild: Hans Christof Wagner (Rheinfelden, 12. April 2021)

Immer mehr Menschen überlassen während der Pandemie das Schleppen der Möbel bei einem Umzug einer professionellen Firma. Muhris Bakimci, Inhaber von Maya Umzüge in Rheinfelden, berichtet etwa:

«Von 2019 auf 2020 hatte ich rund 20 Prozent mehr Aufträge. Und für dieses Jahr liegt die Steigerung in etwa noch einmal in dieser Grössenordnung.»

Einzig im ersten Monat des Lockdowns 2020 habe er Einbussen gehabt. Doch seitdem sei das Geschäft stetig nach oben gegangen und umfasse jetzt durchschnittlich 90 Zügleten pro Monat. «Im März 2021 waren es sogar 120», erzählt Bakimci.

Und er hätte noch mehr Jobs übernehmen können, hätte er die personellen Ressourcen dafür. Bakimci: «Ich musste im März sicher 20 Kunden absagen.» Er sagt: «Ich könnte zu meinen 32 Mitarbeitern aktuell weitere einstellen und mehr Lastwagen kaufen.»

Noch mehr Lagerfläche für Möbeleinlagerungen

Doch vorerst dient sein neuestes Projekt dazu, mehr Lagerflächen an seinem Rheinfelder Unternehmenssitz zu schaffen. Für 3,5 Millionen Franken soll die bestehende 4000 Quadratmeter-Lagerfläche noch einmal wachsen.

Bakimci macht die Erfahrung: Bei vielen Zügleten können die Möbel nicht in die neue Wohnung – weil diese noch nicht fertig ist oder, falls zwei zusammenziehen, der Platz nicht für alles reicht. Dann wird der Hausrat zwischengelagert – in Bakimcis Rheinfelder Unternehmen.

Guter Jahresbeginn für Sun Xpress in Frick

Auch bei Sun Xpress in Frick läuft das Zügelgeschäft. «2021 hat für uns gut angefangen», sagt Inhaber Ferhat Teke. 2015 gegründet, hat sein Unternehmen inzwischen vier Fixangestellte, sechs Helfer auf Abruf, einen Lastwagen, drei Kleintransporter und einen Möbellift.

Je mehr Fahrzeuge, desto besser im Moment. Weil wegen der Mindestabstände weniger Mitarbeiter im Zügelauto sitzen dürfen, müsse er für einen Job mehr Fahrzeuge als normal einsetzen, erklärt Bakimci. Das treibe die Spritkosten nach oben. Abstandhalten, Handdesinfektion, Maskenpflicht – all das kennzeichnet die Branche im Moment. Und Teke sagt:

«Die Masken schränken schon sehr ein. Bei der ohnehin schon schweren Arbeit fällt damit das Atmen noch schwerer.»

Und dennoch berichtet Bakimci: «Wir sind jeden Tag ganz nah am Kunden, aber bisher hatten wir wegen Corona keine Ausfälle.» Keiner seiner Leute habe sich bisher in Quarantäne befunden oder sei selbst infiziert gewesen.

2000 gegründet, ist Bakimci mit Maya Umzüge 21 Jahre im Geschäft – und hat damit auch Veränderungen in der Branche wahrgenommen. Er sagt: «Am Anfang wollten die Kunden oft nur einen Transporter von uns mieten. Die Züglete haben sie dann selbst gemacht.»

Ein Möbellift macht die Arbeit leichter.

Ein Möbellift macht die Arbeit leichter.

Bild: Hans Christof Wagner

Ein paar Freunde anrufen, einen Kasten Bier hinstellen, und an einem Samstag ist alles erledigt – das war früher. Bakimci: «Selbst anpacken will heute keiner mehr.» Oder es darf keiner mehr aufgrund der Coronakontaktbeschränkungen. Teke schränkt aber ein: «Die Jüngeren machen das schon oft noch selbst.» Breitere Treppenhäuser und grosse Lifte in den modernen Überbauungen machten die Züglete leichter.

Zahl der Zügelfirmen in der Region fast verdreifacht

Das Gros der Aufträge kommt für Maya Umzüge und Sun Xpress aus dem Fricktal selbst. Aber auch schweizweit sind die beiden Unternehmen aktiv. Teke berichtet: «Wir haben auch schon Jobs in Lausanne und Graubünden übernommen.»

Umgekehrt tummeln sich auch viele Schweizer Zügelfirmen in der Region. Schon allein die Zahl der Mitbewerber im Aargau, Baselland und Basel sei auf 65 angestiegen. Muhris Bakimci schätzt, dass sich deren Zahl seit 2000 fast verdreifacht hat.