Standortsuche
Frick, Stein oder doch lieber Rheinfelden? Bei der Anhörung zur Mittelschule Fricktal sind nun auch die Parteien gefragt

Wer bekommt die Mittelschule im Fricktal? Stein, Frick und Rheinfelden sind noch im Rennen. Nun bringen sich die Parteien zur Standortfrage in Position. Als erste wagt sich die SP Bezirk Laufenburg aus der Deckung. Sie spricht sich «mit Vorbehalt» für Frick aus.

Thomas Wehrli
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Als erste Partei bezieht dei SP Bezirk Laufenburg Stellung. Sie spricht sich für den Standort Frick aus.

Als erste Partei bezieht dei SP Bezirk Laufenburg Stellung. Sie spricht sich für den Standort Frick aus.

Paul Gürtler

Es ist die regionalpolitische Frage des Jahres: Wer bekommt den Zuschlag für die Mittelschule Fricktal, in der ab 2029 rund 800 Schülerinnen und Schüler aus den Bezirken Laufenburg und Rheinfelden unterrichtet werden? Chancen dürfen sich derzeit noch alle drei Gemeinden ausrechnen, die sich als Standort beworben haben: Der Anhörungsbericht des Kantons, der Ende März publiziert wurde, hält eine Mittelschule sowohl in Frick als auch in Stein und Rheinfelden für machbar.

In der Punktewertung des Kantons schneiden Rheinfelden und Stein leicht besser ab als Frick. Dies liegt auch an den höheren Grundstückerwerbskosten in Frick. Denn während die Areale in Stein und Rheinfelden noch unbebaut sind, ist derzeit auf dem Areal in Frick eine Firma domiziliert, für die eine Ersatzlösung gefunden werden muss. Zur Diskussion steht hier der ehemalige A3-Werkhof, der dem Kanton gehört und in dem aktuell die Covid-Isolierstation für Asyl­suchende untergebracht ist.

Mittelschule bringt Steuerzahler

Wer macht schliesslich das Rennen? Jede der drei Gemeinden hätte die Schule gerne, denn eine Mittelschule im eigenen Ort ist ein erstklassiger (und unbezahlbarer) Standortvorteil. Dies gleich doppelt: Zum einen konsumieren die Schüler und Lehrer im Ort, was dem lokalen Gewerbe Wertschöpfung bringt – und in dessen Folge der Gemeinde Steuereinnahmen. Zum anderen lockt eine Mittelschule Zuzüger an, deren Kinder die Schule (dereinst) besuchen. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Gutverdiener und damit auch um gute Steuerzahler.

Hinter den Kulissen laufen denn auch viele Gespräche. Besonders im Fokus stehen dabei die Grossräte. Denn der Grosse Rat wird den Standortentscheid im vierten Quartal – auf der Basis der regierungsrätlichen Vorlage – fällen. Zwar werden dannzumal alle 140 Aarauer Grossräte darüber entscheiden, wo die Schule gebaut wird. Doch zentral ist, was die 17 Fricktaler Grossräte denken. Ihre Position in der Fraktion wird wegweisend sein.

PArteien bringen sich in Position

Ein Wörtchen mitzureden haben aber auch die Bezirksparteien. Sie können sich an der Anhörung des Kantons beteiligen – und das Anhörungsergebnis wird einen Einfluss auf den Standortvorschlag haben. Als erste Partei aus der Deckung wagt sich die SP Bezirk Laufenburg. Sie spricht sich «mit Vorbehalt» für den Standort Frick aus. Das heutige Firmengelände liege in optimaler Umgebung zu den Schul- und Sportanlagen, dem Bahnhof und dem Zentrum der Gemeinde, schreibt die Partei. Und:

«Zudem befindet sich der mögliche Standort bereits in der Bauzone, es bedarf also keiner weiteren Verbauung von Grünflächen.»

Einen weiteren Vorteil ortet die Bezirkspartei darin, dass die Schüler aus der Region Brugg bis zu einem Standortentscheid zur ebenfalls angedachten Mittelschule in der Region Brugg-Lenzburg «als Zwischenlösung» nach Frick kommen könnten.

Mittelschule darf nicht zur Schliessung des BZF führen

Die SP wäre nicht die SP, wenn sie die Standortempfehlung nicht mit einem doppelten Appell verbinden würde. Der eine richtet sich gegen die «ungesunde Entwicklung von Privatisierungstendenzen und Prioritätssetzung» im Bildungsbereich. So dürfe der Bau einer Mittelschule nicht mit der Schliessung des Berufsbildungszentrums oder weiteren Privatisierungen von Sonderschuleinrichtungen einhergehen, mahnt die Partei.

Der zweite Appell richtet sich an die Gemeinde Frick, sollte sie die Mittelschule nicht bekommen. Auch dann hält es die SP für angezeigt, das zusammen mit dem Unternehmen und dem Kanton ein alternativer Standort gesucht wird. «Denn das Gelände mit der Nähe zu Schule, Zentrum und öffentlichem Verkehr hat für Frick ein grosses Entwicklungspotenzial», schreibt die Partei. Aus ortsplanerischer Sicht sei der intensive Industriebetrieb in Zentrumsnähe «nicht mehr zeitgemäss». Sehen würde die SP auf dem Areal gerne eine

«innovative und nachhaltige Mischform von Kleingewerbe, öffentlichen Bauten und bezahlbarem Wohnraum».

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