Fricktal
Die Weinlese beginnt – und die Prognosen sind trotz verregnetem Sommer gar nicht so schlecht

Hinter den Fricktaler Winzern liegen intensive Wochen. Wegen des vielen Regens mussten sie im Kampf gegen Pilzbefall einen riesigen Aufwand betreiben – teils erfolglos. Trotzdem: Wenn in wenigen Tagen die Weinlese beginnt, werden zwar weniger Trauben in den Fässern landen. Die Qualität aber dürfte stimmen.

Nadine Böni
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Freut sich über den Sonnenschein über seinen Reben: Daniel Jeck, Winzer aus Zeiningen.

Freut sich über den Sonnenschein über seinen Reben: Daniel Jeck, Winzer aus Zeiningen.

Nadine Böni / Aargauer Zeitung

Intensiv sei er gewesen, dieser Sommer, in dem es so viel regnete wie schon lange nicht mehr. Das sagt Daniel Jeck, Winzer aus Zeiningen. In den (Regen-)Spitzenzeiten war er zwei Mal in der Woche in den Rebbergen unterwegs und spritzte Pflanzenschutzmittel. «Eigentlich hätten wir fast jeden Tag spritzen können», sagt Jeck mit einem Lachen.

Vor allem der Falsche Mehltau, der Blätter und Triebspitzen aber auch junge Beeren befällt, fand wegen der stets hohen Feuchtigkeit ideale Bedingungen. «Durch die feuchte Witterung hatten wir einen regelrechten Kampf mit dem Mehltau», sagt Roland Schraner, Winzer aus Kaisten. Die im Pflanzenschutz oft eingesetzten Kontaktmittel – Tonerde, Kupfer oder auch Schwefel – stiessen an ihre Grenzen. «Sie wirken gegen den Pilzbefall, solange sie auf den Blättern sind», erklärt Jeck. Aber:

«Kaum waren die Reben gespritzt, hat der Regen das Mittel wieder abgespült.»

Die Messstationen im unteren Fricktal zeigten, dass die Reben teilweise über Wochen nie ganz trocken waren. «So intensiv haben das auch meine Eltern, die den Betriebe viele Jahre geführt haben, noch nie erlebt», sagt Jeck und fügt an: «Ich sowieso nicht.» Gerade die letzten Jahre war es eher das andere Extrem: trocken und heiss.

Keine Lese wegen Mehltau

Teils sorgte der regnerische Sommer und damit verbunden der Mehltau sogar für einen Totalausfall. Etwa beim Olsberger Landwirt Bruno Wirth, der in Magden biologisch Wein anbaut. Er hatte versucht, seine Reben mit Tonerde und anderen biologischen Mitteln vor dem Pilzbefall zu schützen – vergeblich. Wirth sagt:

«Wir werden dieses Jahr keine Weinlese haben. Sämtliche Trauben sind wegen des Pilzbefalls kaputt gegangen.»

Auch Roland Schraner und Daniel Jeck müssen Einbussen hinnehmen. Schraner schätzt sie in seinen Rebbergen auf gesamthaft etwa zehn Prozent. «Wir sind glimpflich davon gekommen», sagt er. «Die Unterschiede sind von Parzelle zu Parzelle gross», sagt Jeck. Beim Riesling Silvaner schätzt er die Einbusse auf etwa 20 bis 30 Prozent. Bei den weiteren Sorten lasse sich noch keine genaue Einschätzung abgeben.

Lese beginnt gut zwei Wochen verspätet

Die Fricktaler Winzer rechnen damit, dass die Lese Ende September beginnen kann – rund drei Wochen später als noch im vergangenen Jahr und auch im langjährigen Durchschnitt gut zwei Wochen verspätet. Auch das eine Folge der extremen Wetterbedingungen in diesem Sommer.

Doch trotz der Herausforderungen im Weinbau gibt es auch gute Nachrichten für die Liebhaber lokaler Weine. Denn: Wenn in einigen Tagen die Weinlese beginnt, werden zwar weniger Trauben in den Fässern landen – aber die Qualität dürfte stimmen. «Wir profitieren vom bisher guten Herbst», sagt Roland Schraner. Und Daniel Jeck erklärt:

«Das sogenannte Abreifen und die Aromabildung finden hauptsächlich in den letzten Wochen vor der Lese statt.»

Jeck überprüft die Qualität der Trauben in den Wochen vor der Lese regelmässig, zuletzt am Mittwochmorgen. Die Öchsle-Grade stimmen ihn dabei zuversichtlich. Vor allem, weil bis zur Lese diesbezüglich noch etwas gehen kann – und die Wetterprognosen derzeit gut sind. «Wir brauchen noch ein paar schöne Tage und möglichst wenig Niederschlag, dann kommt es gut», sagt Roland Schraner. Auch er ist zuversichtlich.

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