Fricktal
Die Störche sind im Landeanflug – die Vogelväter hoffen auf einen kräftigen Jahrgang

Rund die Hälfte der Fricktaler Störche ist bereits aus dem Winterquartier zurück. Sie kehren damit rund einen Monat früher heim als noch vor einigen Jahren. Das hat nicht nur mit der Klimaerwärmung zu tun.

Thomas Wehrli
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Storchenpaar auf dem Dach des Landgasthofs «Adler» in Kaiseraugst.

Storchenpaar auf dem Dach des Landgasthofs «Adler» in Kaiseraugst.

Urs Wullschleger

Ein Storch kommt selten allein: Bereits die Hälfte der Störche ist aus dem Winterquartier ins Fricktal zurückgekehrt. In Kaiseraugst sind in den letzten Tagen 12 der 24 Störche eingeflogen. «Die drei Horste im Dorfzentrum sind schon besetzt», freut sich Storchenvater Urs Wullschleger, der von seiner Wohnung aus einen direkten Blick auf die Horste hat.

In allen drei Horsten haben sich die gefiederten Partner vom letzten Jahr wieder getroffen. «Die Störche fliegen im Winter allein weg, kommen aber dann zum Horst zurück», erklärt Wullschleger. Die anderen Horste im und um das Dorf dürften in den nächsten Tagen ebenfalls besetzt werden. Wullschleger erwartet am Mittwoch, wenn das Wetter besser wird, einen weiteren «Rückkehrer-Schub».

Um die Horste wird auch gekämpft

Nicht immer läuft die Horst-(Rück-)Eroberung dabei friedlich ab. Manchmal wird auch um das Nest gekämpft. Aktuell ist dies beim Horst beim Schwimmbad der Fall. Und wer den Kürzeren zieht? Der beginnt nicht selten mit dem Bau eines eigenen Nestes. Im letzten Jahr starteten drei Störche dieses Bau-Unterfangen – allerdings gelang es nur in einem Fall. Dieser Horst wurde inzwischen aber vom Kamin des Gebäudes entfernt. Die beiden Jungen, welche das Storchenpaar hatte, überlebten die wettermässig heiklen Wochen rund um die Eisheiligen nicht.

18 Kaiseraugster Jungstörche schafften es im letzten Jahr. Wullschleger hofft, dass es in diesem Jahr «wieder mindestens so viele sein werden». Er lacht. «Gerne auch ein paar mehr.»

Deutlich mehr dürften es in Möhlin werden. Im letzten Jahr zählte Bruno Gardelli, Leiter der Storchenstation Möhlin, im Dorf und rund um die Storchenstation 51 Jungtiere. Rekord in der Region. Möhlin erbte damit auch die Krone als Storchenhotspot der Nordwestschweiz vom Basler Zolli. Gardelli bilanziert in seinem Jahresrückblick:

«Bei den Horsten herrscht genau Gleichstand, aber erstmals gab es in Möhlin mehr Junge als an jedem anderen Ort in der Nordwestschweiz – und somit die Goldmedaille.»

Um dieses Ergebnis zu toppen, müssen alle Störche zurückkehren. Aktuell sind etwa 20 Störche wieder da, sagt Gardelli. In sieben Horsten haben sich die Paare bereits wiedergefunden. «Einige bauen schon am Nest, andere stehen noch einfach herum», sagt Gardelli und fügt augenzwinkernd an: «Auch bei den Störchen gibt es mehr oder weniger fleissige.» Der Fleiss wird spürbar zunehmen, sobald es wärmer wird und die Nachwuchsplanung ins Haus, pardon: in den Horst steht.

Störche im Fricktal
4 Bilder
Am Freitag ist das Storchenweibchen auf dem «Adler» in Kaiseraugst eingetroffen, sein Partner wartete schon seit einigen Tagen.
Ein Storchenpaar beim Kaiseraugster Schulhaus Dorf.
Ein Storch ist auf den Horst der Möhliner Storchenstation zurückgekehrt und präsentiert sich vor der Webcam.

Störche im Fricktal

Urs Wullschleger

Frühling darf nicht zu kalt und nass sein

Damit es einen guten Storchenjahrgang gibt, darf es im April und Mai nicht allzu kalt und nass sein. «Die Jungtiere sind noch anfällig», erklärt Gardelli. Er hofft denn auch auf einen mildes Frühjahr.

Was auffällt: Die Störche sind früher aus ihren Winterquartieren zurück als noch vor einigen Jahren. «Früher kamen die ersten Störche Ende Februar zurück, jetzt sind die ersten Ende Januar da», hat Wullschleger beobachtet.

Die frühere Rückkehr hat verschiedene Ursachen. Eine ist, dass die Störche nicht mehr so weit fliegen wie früher. Zog es viele Störche im Winter früher nach Nordafrika, ist heute meist schon in Spanien oder auch schon in Südfrankreich Schluss. Etliche überwintern sogar an einem Gewässer in der Schweiz. Wullschleger ist überzeugt:

«Die Klimaerwärmung hat sicher auch einen Einfluss.»

Etwas anders liegt der Fall bei den Möhliner Störchen. Bei der Wiederansiedlung vor 50 Jahren habe man die Störche erst im Alter von drei Jahren freigelassen. «Viele haben so ihr Zugverhalten verloren und blieben in der Region», sagt Gardelli. Auch er hat beobachtet, dass viele Störche inzwischen in Gruppen an Seen in der Schweiz überwintern.

Der Rückflug ins Fricktal ist so schnell unter die Flügel genommen – und so erlebten gestern rund die Hälfte der Fricktaler Wanderstörche einen kleinen Wintereinbruch. Das aktuelle Wetter könne ihnen nichts anhaben, beruhigt Gardelli. «Sie bewegen sich dann einfach weniger, um nicht zu viel Energie zu verbrauchen.»