Fricktal
Der Showdown um die Mittelschule rückt näher: Stein liegt vorne, aber Rheinfelden ist noch nicht geschlagen

In knapp einem Monat fällt im Grossen Rat der Entscheid, wo die Fricktaler Mittelschule gebaut wird. Die Fricktaler Grossräte sehen den Standort im mittleren Fricktal im Rennen um die Mittelschule im Vorteil, Rheinfelden sei aber nicht geschlagen – schliesslich ist jetzt schon klar, dass nicht alle Fraktionen geschlossen stimmen werden.

Thomas Wehrli
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Das Gebiet Neumatt Ost in Stein gilt derzeit als erster Anwärter für den Mittelschulstandort.

Das Gebiet Neumatt Ost in Stein gilt derzeit als erster Anwärter für den Mittelschulstandort.

Zvg / Aargauer Zeitung

Der grosse Showdown rückt näher: Am 9. November entscheidet der Grosse Rat, wo die Fricktaler Mittelschule gebaut wird. Wird es Stein sein, wie es der Regierungsrat in seiner Botschaft vorschlägt? Oder doch Rheinfelden, das sich noch nicht geschlagen gibt?

Beides ist nach wie vor möglich, wie eine Wasserstandsfühlung bei Fricktaler Grossräten zeigt. Einzig für Frick ist der Mittelschulzug wohl definitiv abgefahren.

Rheinfelden mit dem Standort Engerfeld ist noch nicht aus dem Rennen um die Fricktaler Mittelschule.

Rheinfelden mit dem Standort Engerfeld ist noch nicht aus dem Rennen um die Fricktaler Mittelschule.

Zvg / Aargauer Zeitung

So sieht es auch Andreas Fischer aus Möhlin. «Rheinfelden und Stein sind noch im Rennen», sagt der Grüne und ortet «leichte Vorteile bei Stein». Diesen Eindruck gewann er auch in der Sitzung der Kommission Allgemeine Verwaltung (AVW), die sich bereits mit der Mittelschule befasst hat.

Von hier kam auch ein wichtiger Input: Ein Minderheitsantrag will Rheinfelden neben Stein im Schulgesetz verankern. Dies wiederum ist die Basis dafür, dass der Grosse Rat über beide Standorte abstimmen kann. «Sonst könnte er nur Ja oder Nein zum Standort Stein sagen.»

Andreas Fischer, Grünen-Grossrat.

Andreas Fischer, Grünen-Grossrat.

Zvg / Fricktal

Eines hat Fischer in den Diskussionen ebenfalls gemerkt:

«Einige Fraktionen sind nicht so geschlossen, wie es in der Vernehmlassung getönt hat.»

Dies hört man vor allem in Rheinfelden gerne, denn nach den Vernehmlassungsantworten ging Stein mit einem klaren Vorsprung in die letzte Runde – unter der Prämisse, dass die Fraktionen geschlossen stimmen. Dann hätte Stein rund 40 Stimmen mehr geholt als Rheinfelden.

Eine Prognose mag Fischer nicht abgeben. «Da die Fraktionen nicht geschlossen stimmen werden, ist es schwierig abzuschätzen, wie es am
9. November herauskommt.»

Bruno Tüscher, FDP-Grossrat.

Bruno Tüscher, FDP-Grossrat.

Zvg / Aargauer Zeitung

Eine der Fraktionen, die kaum geschlossen stimmen wird, ist jene der FDP. Diese Einschätzung macht Grossrat Bruno Tüscher.

«Wie sich die Stimmen verteilen werden, ist derzeit schwierig abzuschätzen.»

Dies sei erst nach der entscheidenden Fraktionssitzung möglich. Diese findet am 2. November, eine Woche vor dem Entscheid, statt.

Stimmen für Rheinfelden und Stein in FDP und SP

In der Vernehmlassung hat sich die FDP für Stein ausgesprochen. «Über Rheinfelden wird aber sicher nochmals diskutiert», ist Tüscher überzeugt. Wie gut die Karten für Rheinfelden im Grossen Rat sein werden, kann auch er derzeit nicht abschätzen. Er ist sich aber sicher: «Rheinfelden wird nochmals stark für seinen Standort lobbyieren.» Bei ihm selber dürfte eine Rheinfelder Charmeoffensive auf Granit beissen, denn der Münchwiler hat sich klar für den Standort in seiner Nachbargemeinde ausgesprochen.

Colette Basler, SP-Grossrätin.

Colette Basler, SP-Grossrätin.

Sandra Ardizzone / Aargauer Zeitung

Ebenfalls nicht einheitlich ist der Positionsbezug in der SP. «Es gibt für beide Standorte Stimmen innerhalb der Fraktion», sagt Grossrätin Colette Basler. Die grosse Mehrheit spreche sich dabei für Rheinfelden aus, eine kleine Minderheit für Stein. In der Vernehmlassung stellte sich die SP hinter die Rheinfelder Kandidatur.

Ein wichtiges Signal, wohin der Mittelschulzug fahren dürfte, ist am kommenden Dienstag zu erwarten. Dann berät die Kommission Bildung, Kultur und Sport die Vorlage. Basler ist selber Mitglied der Kommission. Sie sagt:

«Ich gehe davon aus, dass über die beiden Standorte Stein und Rheinfelden nochmals diskutiert wird.»

Sie erwartet «wie immer eine konstruktive Debatte». Zu ihrer eigenen Position meint die Zeiherin: «Ich bin in erster Linie froh, ist der Standort im Fricktal unbestritten. Wir haben lange auf diese Mittelschule gewartet.» Und: «Grundsätzlich ist mir je näher, je lieber.»

Christoph Riner, SVP-Grossrat.

Christoph Riner, SVP-Grossrat.

Ata / Aargauer Zeitung

Eine lebhafte Diskussion erwartet Christoph Riner auch in der SVP-Fraktion. «Wir werden die Argumente sicher nochmals diskutieren», sagt er. Und:

«In Stein gemeisselt ist da noch nichts, wenn auch die Vernehmlassung die Stossrichtung vorgibt.»

Hier sprach sich die Kantonalpartei für Stein aus. Er selber geht davon aus, dass es Richtung Stein laufen wird – «es sei denn, es kommen neue Argumente zum Vorschein».

Nichts von den Gemeinden gehört

Danach sieht es bislang allerdings nicht aus. Riner geht wie Tüscher davon aus, dass insbesondere Rheinfelden für seinen Standort nochmals kräftig die Werbetrommel rühren wird. «Allerdings sind auf mich bislang weder Stein noch Rheinfelden zugekommen.» Bei Treffen mit Gemeindevertretern sei die Mittelschule aber natürlich Thema.

Gretrud Häseli, Grünen-Grossrätin.

Gretrud Häseli, Grünen-Grossrätin.

Zvg / Aargauer Zeitung

Nichts von den Gemeinden gehört hat auch Gertrud Häseli. Bei ihr würde Stein ohnehin auf Granit beissen: Die Grünen-Grossrätin spricht sich klar für Rheinfelden aus. Sie sagt:

«In Stein fehlt das passende kulturelle, gesellschaftliche und verkehrstechnische Umfeld komplett»

Sie kann sich durchaus vorstellen, dass der Entscheid noch zu Gunsten von Rheinfelden kippt. «Das Zünglein an der Waage könnte Die Mitte sein», schätzt sie.

Diese sprach sich in der Vernehmlassung klar für Stein aus – und daran hat sich laut Fraktionschef Alfons P. Kaufmann bislang nichts geändert.

«Wir werden aber die Vorlage an der Fraktionssitzung vom 2. November nochmals eingehend beraten.»
Alfons P. Kaufmann, Mitte-Grossrat.

Alfons P. Kaufmann, Mitte-Grossrat.

Zvg / Aargauer Zeitung

Über alle Parteien gesehen sieht der Wallbacher – wie Fischer – derzeit «eine leichte Mehrheit für Stein». Allerdings sagt auch er: Noch ist nicht das letzte Wort gesprochen; es kann noch Positionsverschiebungen innerhalb der Fraktionen geben – und das kann sich auf das Ergebnis am 9. November noch auswirken.

Für Stein spricht für Kaufmann vor allem auch die grosse Parzelle. Damit verfüge man für einen künftigen Ausbau über genügend Landreserven. Genau hier hat Kaufmann auch bei Rheinfelden Angst: Dass man, sollte der Platz dereinst knapp werden, das Berufsbildungszentrum Fricktal opfert – «und das darf unter keinen Umständen der Fall sein».

Wie weiter mit dem Berufsbildungszentrum?

Diese Auffassung teilen nicht alle. Häseli etwa spricht sich zwar für eine starke, überregionale Berufsbildung aus – aber gegen den Standort Rheinfelden. «Es macht keinen Sinn, ein halblebendiges Berufsbildungszentrum am Leben zu erhalten.»

Béa Bieber, GLP-Grossrätin.

Béa Bieber, GLP-Grossrätin.

Markus Raub - Rmp Media Producti / Fricktal

GLP-Grossrätin Béa Bieber steht nach wie vor hinter dem Standort Rheinfelden. Sie sagt:

«Der Evaluationsbericht des Regierungsrates war schlüssig.»

Sie findet sich durch ihn in ihrer Meinung bestätigt. Einen Vorteil sieht sie auch darin, dass man in Rheinfelden Kooperationen mit dem Kanton Basel-Landschaft aufbauen und so Schwerpunktangebote machen kann. Bieber ist überzeugt, dass Rheinfelden durchaus noch eine Chance hat.

Einig sind sich die befragten Grossräte in einem: Wichtig ist, dass am 9. November entschieden wird. «Der Zeitplan des Regierungsrates ist sportlich», sagt Kaufmann. Deshalb sei es unabdingbar, dass mit der Umsetzung noch in diesem Jahr gestartet werden könne. Damit es im Sommer 2029 – in Stein oder Rheinfelden – heisst: Hurra, die Schule ist da.

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